Ärzte Zeitung online, 16.10.2009

Aufregung um Millionen-Abgang bei Bank of America

NEW YORK (dpa). Erstmals in der Finanzkrise zwingt die US-Regierung einen Top-Banker an der Wall Street zum Verzicht auf Millionenzahlungen. Der unter massivem Druck scheidende Chef der krisengeplagten Bank of America, Kenneth Lewis, muss ohne sein 1,5 Millionen Dollar schweres Grundgehalt für 2009 und ohne Bonus gehen. Der Haken: Lewis stehen dennoch Aktienoptionen und Rentenansprüche von womöglich sogar bis zu 125 Millionen Dollar (84 Millionen Euro) zu.

Lewis hatte sich mit der spektakulären Milliardenübernahme der Investmentbank Merrill Lynch vor rund einem Jahr verhoben. Der Bank wird zudem vorgeworfen, ihre Aktionäre dabei falsch informiert zu haben. Angesichts mehrerer Rechtsstreitigkeiten erklärte Lewis kürzlich seinen Rücktritt zum Jahresende.

Der von US-Präsident Barack Obama eigens ernannte "Gehalts-Kontrolleur" Kenneth Feinberg drängte den 62-jährigen Lewis nun zum Verzicht auf zumindest seine Vergütung für das laufende Jahr. Das bestätigte ein Sprecher der zu den größten US-Instituten zählenden Bank US-Medien.

Auf Gehaltsansprüche aus früheren Jahren hat Feinberg rechtlich jedoch keinen Zugriff: Ein in der Finanzkrise eigens dazu erlassenes Gesetz greift erst ab diesem Jahr. Hinter den Kulissen wird laut US-Medien aber noch um die Höhe der Vergütungsansprüche von Lewis für seine insgesamt rund vier Jahrzehnte in der Bank gerungen. Die Zahlen für das Paket aus Rentenansprüchen und anderen Aktienoptionen schwanken zwischen 69 und bis zu 125 Millionen Dollar.

Kritiker nannten die Einschnitte für Lewis am Donnerstag viel zu niedrig. Aus der Bankenbranche kamen dagegen erneut heftige Proteste gegen den Eingriff der Regierung in die Managerbezahlung.

Überzogene Boni und Gehälter gelten als eine der Ursachen der Finanzkrise. International macht sich besonders Deutschland für Begrenzungen stark. Beim G20-Regierungsgipfel wurden vor Kurzem neue Vergütungsregeln vereinbart.

Mehr als eine Million Dollar, die Lewis bereits bekommen hat, muss er jetzt zurückzahlen. "Herr Lewis hatte das Gefühl, dass es nicht im besten Interesse der Bank of America gewesen wäre, sich mit dem Gehaltskontrolleur zu streiten", sagte der Sprecher der Bank.

"Bonus-Wächter" Feinberg nimmt gerade die Vergütungen vieler Häuser unter die Lupe, die vom Staat gestützt wurden. Darunter sind auch die Citigroup und der einst weltgrößte Versicherer AIG. Die Bank of America erhielt in der Krise 45 Milliarden Dollar Regierungshilfe. Spätestens bis Monatsende will Feinberg seine Urteile gefällt haben.

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