Ärzte Zeitung, 09.11.2009

Anlagen-Kolumne

Bankpapiere aus den USA und Europa sind langfristig uninteressant

Von Jens Ehrhardt

Einige Banken konnten mit ihren Zahlen zuletzt positiv überraschen. Allerdings bleibt das Chance-Risiko-Verhältnis für Aktien unattraktiv. Investoren entdecken China.

Im Jahr 2007 geriet die Aufwärtsentwicklung bei Immobilienpreisen in den USA ins Stocken und führte beinahe zu in einem völligen Zusammenbruch des US-Bankensystems. Negative Folgen für die weltweite Bankenlandschaft waren aufgrund der engen Verflechtung der internationalen Institute unvermeidbar. Zunächst hatten die Institute Probleme, weil sie ihre von der US-Notenbank verursachte Überliquidität in die falschen Produkte investiert hatten - im Wesentlichen "toxische" Anleihen oder auf unterschiedlichste Arten verbriefte US-Immobilien.

Mittlerweile sind es eher die klassischen Rezessionsprobleme der Banken, nämlich faule Kredite an Unternehmen und rapide steigende Ausfallraten auf gewerbliche Immobilienkredite, die die Krise kennzeichnen. Während die wenigen großen US-Investmentbanken von vorübergehenden Sondereffekten profitieren, sind jetzt vor allem die US-Regionalbanken der neue Krisenherd. Die Masse der etwa 8200 US-Banken leidet erheblich unter schrumpfenden und faulen Krediten.

Sieht man sich die Zahlen der großen internationalen US-Aktiengesellschaften an, die jetzt ihre Berichte für das dritte Quartal veröffentlichen, so fällt fast immer auf, dass die Umsätze in den USA noch stärker gefallen sind als in Europa. Zwar sind solche Unternehmenszahlen kein Beweis, aber ein Indiz dafür, dass es der US-Wirtschaft deutlich schlechter geht als der europäischen. Entsprechend wachsen die Probleme bei den US-Banken.

Fazit: Während vereinzelte Banken zuletzt von Sonderentwicklungen profitierten, steuert die Masse der US-Banken auf wachsende Probleme zu. Auch der europäischen Bankenlandschaft dürfte die Abkoppelung von diesen Problemen misslingen.

Amerikanische und überwiegend auch europäische Bankaktien eignen sich daher eher für kurzfristige spekulative Wetten, als dass es sich um interessante Langfrist-Anlagen handeln würde. Positive Ausnahme im Bereich der Bankaktien bilden chinesische Banken, die durchaus auch unter fundamentalen Gesichtspunkten Chancen bieten.

Topics
Schlagworte
Finanzen/Steuern (10251)
Personen
Jens Ehrhardt (252)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Neuroprothese lässt Gelähmten wieder zugreifen

Eine Neuroprothese ermöglicht einem Tetraplegiker, mit einer Gabel zu essen. Sein Hirn wird dabei per Kabel mit Muskeln in Arm, Hand und Schulter verbunden. mehr »

Mord und Totschlag in deutschen Kliniken?

Eine umstrittene Studie zu lebensbeendenden Maßnahmen in Kliniken und Pflegeheimen erhitzt die Gemüter. mehr »

Psychotherapie-Richtlinie steht vor holprigem Start

Der Start der neuen Psychotherapie-Richtlinie am 1. April löst bei den Beteiligten keine Begeisterung aus. Die Kritik überwiegt. Lesen Sie die aktuellen EBM-Ziffern. mehr »