Ärzte Zeitung, 25.11.2009

Lichtblicke für Steuerzahler im Jahr 2010

Die Steuer-Weihnachtsgeschenke der neuen Regierung versprechen mehr Netto vom Brutto. Doch was erwartet Niedergelassene ab 2010 konkret? Einen Überblick über das, was für Praxischefs relevant sein könnte, bietet die "Ärzte Zeitung" in zwei Folgen.

Von Dietmar Sedlaczek

Lichtblicke für Steuerzahler im Jahr 2010

Erst im neuen Jahr dürfen die Steuergeschenke ausgepackt werden.

Foto: Irina Fischer©www.fotolia.de

So nach und nach sind im vergangenen Jahr die Steuererleichterungen für 2010 bekannt geworden, teils hat sie die alte Regierung, teils die neue Regierung auf den Weg geschickt. Einige steuerliche Sofortmaßnahmen, die ab dem kommenden Jahr greifen könnten, stecken auch kurz vor Jahresende noch im Gesetzgebungsprozess - Ausgang ungewiss.

  • Familienförderung
  • Das Kindergeld wird erhöht, der Betrag pro Kind steigt zunächst ab 2010 um weitere 20 Euro (siehe Tabelle).

    Die steuerlichen Freibeträge werden ebenfalls erhöht. Ab 2010 soll der Freibetrag pro Sprössling von 6024 Euro um 984 Euro auf 7008 Euro steigen. Hierzu wird der Kinderfreibetrag von 1932 auf 2244 Euro und der Freibetrag für den Betreuungs- und Erziehungs- oder Ausbildungsbedarf von 1080 auf 1260 Euro pro Elternteil erhöht.

    Kinderfreibeträge wirken sich erst bei einem Grenzsteuersatz von 31,5 Prozent und damit bei einem zu versteuernden Elterneinkommen (verheiratet) ab 60 000 Euro aus. Bei Singles reicht dafür die Hälfte. Die Erhöhung des Kinderfreibetrags macht sich im Lohnsteuerabzugsverfahren zwar nicht bei der Höhe der Lohnsteuer, wohl aber bei der Höhe der Zuschlagsteuern (Solidaritätszuschlag, Kirchensteuer) bemerkbar.

  • Erbschaftsteuertarif
  • Die Steuerbelastung insbesondere für Geschwister und Geschwisterkinder (Zuwendungen von Bruder, Schwester, Onkel oder Tante) in der Steuerklasse II sinkt ab 2010 durch einen neuen Steuertarif, der zwischen 15 bis 43 Prozent liegen wird. Nach dem für 2009 geltenden Recht fällt bei diesem Personenkreis nach Abzug des Freibetrags von 20 000 Euro eine Steuer in Höhe von 30 bis 50 Prozent an, was eine drastische Tariferhöhung im Vergleich zum Rechtsstand 2008 bedeutet (siehe Tabelle).

    Die verminderten Tarife liegen aber durchweg immer noch um drei Prozentpunkte höher als 2008. Da die Freibeträge gleich bleiben, kostet eine unentgeltliche Zuwendung von 50 000 Euro künftig 4500 Euro Erbschaft- oder Schenkungsteuer statt bisher 9000 Euro.

    Tipp: Angedachte Vermögensübertragungen an Personen der Steuerklasse II sollten über den Jahreswechsel 2009/2010 hinaus verschoben werden.

  • Faktorverfahren
  • Für Arzthelferinnen relevant könnte eine weitere Steueränderung sein: Außerhalb des Wachstumsbeschleunigungsgesetzes wird nämlich für Angestellte ein neues Faktorverfahren eingeführt.

    Nach bisherigem Recht haben Eheleute, die beide Lohneinkünfte beziehen und zusammen zur Einkommensteuer veranlagt werden, für den Lohnsteuerabzug ein Wahlrecht zwischen der Steuerklassenkombinationen IV/IV und III/V. Diese Steuerklassenkombinationen haben den Nachteil, dass sie zu einer ungerechten Verteilung der Abgabenlast führen, wenn die Löhne der einzelnen Ehegatten stark voneinander abweichen. Die in der Praxis hierfür übliche Steuerklassenkombination III/V rechnet die beiden Ehegatten zustehenden familienbezogenen Freibeträge ausschließlich der Steuerklasse III zu, sodass der Lohnsteuerabzug beim Ehegatten in Steuerklasse V im Verhältnis zu den Gesamtbezügen zu hoch ausfällt.

    Durch die Einführung des "Faktorverfahrens" soll diese Ungleichbehandlung der Ehegatten beseitigt werden. Der Faktor ist ein steuermindernder Multiplikator, der sich bei unterschiedlich hohen Arbeitslöhnen der Ehegatten aus der Wirkung des Splittingverfahrens in der Veranlagung errechnet.

    Da dem Faktorverfahren die Lohnsteuerberechnung nach der Steuerklasse IV zugrunde liegt, nimmt jeder Ehegatte an den steuerentlastenden Wirkungen des Grundfreibetrags, der Vorsorgepauschale und der Kinderfreibeträge teil.

    Hinweis
    Im Ergebnis ergibt sich durch das Faktorverfahren eine Lohnsteuerbelastung, die zwischen den nach der Steuerklasse III und IV berechneten Steuerabzugsbeträgen liegt. Diese dritte Steuerklassenkombination für Doppelverdiener-Ehegatten kann mit Blick auf die Lohnsteuerbelastung auch als Steuerklasse III,5 bezeichnet werden. Die steuermindernde Wirkung des Splittingverfahrens kann damit für beide Arbeitnehmer-Ehegatten - wenigstens teilweise - bereits im Lohnsteuerabzugsverfahren zum Tragen kommen.

  • Energiesteuer
  • Für Praxischefs, deren Autos mit Biodiesel angetrieben werden, ist eine weitere Gesetzesänderung interessant. So will die Koalition auf die ursprünglich vorgesehene höhere Besteuerung von Biodiesel und Pflanzenölkraftstoff in den Jahren 2010 bis 2012 verzichten. Diese Gesetzesänderungen stehen nach EU-Recht jedoch unter beihilferechtlichem Genehmigungsvorbehalt. Die Koalition will das Gesetz noch in diesem Jahr auf den Weg bringen, die erste Lesung im Bundestag war schon. Aufgrund der erwarteten Steuerausfälle vor allem in den Haushalten der Länder droht aber Widerstand im Bundesrat, selbst die unionsregierten Länder melden Bedenken an.

    Dietmar Sedlaczek ist Steueranwalt und betreibt eine Kanzlei für Medizin- und Steuerrecht in Berlin.

    Mehr Geld für die Kinder Für die ersten beiden Kinder gibt es seit 1998 ein Drittel mehr.
    bis 1998 1999-2001 2002-2008 2009 2010
    1. und 2. Kind je 112,84 138,07 154 164 184
    3. Kind 153,39 153,39 154 170 190
    ab dem 4. Kind je 178,98 178,98 179 195 215
    Quelle: Sedlaczek, Tabelle: Ärzte Zeitung, Alle Angaben in Euro.

    So viel Steuern fallen im Erbfall an Steuersätze in der Steuerklasse II (Bruder, Schwester, Nichte, Neffe)
    Vermögen bis200820092010
    52 000 €75 000 €12 %30 %15 %
    256 000 €300 000 €17 %30 %20 %
    512 000 €600 000 €22 %30 %25 %
    5 113 000 €6 000 000 €27 %30 %30 %
    12 783 000 €13 000 000 €32 %50 %35 %
    25 565 000 €26 000 000 €37 %50 %40 %
    ab 26 000 000 €40 %50 %43 %
    Quelle: Sedlaczek, Tabelle: Ärzte Zeitung

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