Ärzte Zeitung online, 04.12.2009

Privatversicherte werden nächstes Jahr teilweise kräftig zur Kasse gebeten

BERLIN (dpa). Viele der rund 8,7 Millionen privat Krankenversicherten müssen zum Jahresbeginn teils deutlich höhere Beiträge zahlen. "Es hat tendenziell zugenommen, dass Mitglieder von Erhöhungen im zweistelligen Bereich berichten", sagte der Chef- Berater des Bundes der Versicherten, Jens Trittmacher, am Donnerstag in Berlin.

In bestimmten Tarifen könnten die Steigerungen bei den Prämien der privaten Krankenversicherung im Vergleich zu den Vorjahren damit ungewöhnlich hoch ausfallen. Die durchschnittlichen Erhöhungen der einzelnen Versicherungsunternehmen lägen hingegen im normalen Rahmen, sagte Trittmacher.

Bei der DKV zahlen Versicherte, wie bereits berichtet, künftig im Schnitt acht Prozent mehr, bei der Victoria sind es sechs Prozent, wie die Sprecherin der Ergo Versicherungsgruppe, Sybille Schneider, sagte. "Es gibt aber auch Tarife mit über 20 Prozent." Der Hauptgrund seien Kostensteigerungen für Ärzte, Kliniken und Arzneimittel.

"In manchen Tarifen wird die Entwicklung aber auch nachgeholt", sagte Schneider. Mehrere Versicherer waren im vergangenen Jahr mit Beitragserhöhungen zurückhaltend, um zu verhindern, dass Kunden in den zu Jahresbeginn gestarteten Basistarif wechseln.

Die durchschnittlichen Steigerungen liegen nach Branchenangaben zwischen knapp drei und mehr als acht Prozent. So sind es bei der Debeka fünf, bei der Allianz, der Signal und der Axa unter drei bis vier Prozent und der Central im Schnitt rund 8,5 Prozent.

Zwischen 2003 und 2008 mussten knapp 41 Prozent der Privatversicherten durchschnittliche Beitragssteigerungen zwischen fünf und zehn Prozent hinnehmen. Ein Viertel wurde mit mehr als zehn Prozent zur Kasse gebeten. Das geht aus einer Umfrage unter 1680 Versicherten hervor, die der Versicherten-Bund durchgeführt hatte.

"Das Risiko, dass die Prämie steigt, ist besonders groß in geschlossenen Tarifen, bei denen keine Neukunden mehr dazukommen", erläuterte Trittmacher. Der Plan der Koalition, einen Wechsel in die PKV wieder nach einmaligem statt nach dreimaligem Überschreiten der Jahresverdienstgrenze zu ermöglichen, werde wohl das Neukundengeschäft insgesamt wieder erleichtern.

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