Ärzte Zeitung, 11.01.2010

Turbulente Börsenzeiten stehen bevor

Analysten erwarten steigende Aktienkurse in den nächsten Monaten - aber auch einen kräftigen Einbruch der Kurse im weiteren Jahresverlauf. Wer das berücksichtigt, wappnet sich vor Verlusten.

Von Richard Haimann

zur Großdarstellung klicken

2010 wird für Anleger kein ruhiges Jahr, Experten erwarten nämlich unter anderem wieder drastisch sinkende Kurse an den Börsen. ©Thomas Reimer / fotolia.de

2010 dürfte für Anleger ein turbulentes Börsenjahr werden. Zumindest dann, wenn die Mehrheit der Analysten und Volkswirte mit ihren Prognosen richtig liegt. Danach sollen die Aktienkurse zunächst in den ersten Monaten des Jahres steigen - um anschließend noch einmal kräftig einzubrechen.

"Europäische Aktien werden gut in das Jahr starten", ist Klaus Wiener, Chefvolkswirt der Investmentsparte des Versicherungskonzerns Generali überzeugt. Den anfänglichen Kursgewinnen dürfte jedoch ein Rückschlag folgen, bevor es gegen Ende des Jahres an den Börsen wieder aufwärts geht. "Unter dem Strich dürfte der Gesamtertrag aus Kursgewinnen und Dividenden deshalb kaum über fünf Prozent hinausreichen", sagt Wiener.

Einen Teil des Geldes auf Tagesgeldkonten schieben?

Ähnlich fällt die Prognose von Michael Beck, Leiter Portfoliomanagement bei der Privatbank Ellwanger & Geiger aus. Anleger sollten den Kursgewinnen in den ersten Monaten des Jahres nicht trauen. Beck: "Anleger sollten 35 Prozent ihres Investmentvermögens in Tagesgeldkonten halten, um die im Jahresverlauf folgende Marktkorrektur für einen Einstieg nutzen zu können."

Vor allem die durch die Konjunkturpakete und Bankenrettungsmaßnahmen drastisch gestiegene Staatsverschuldung in Europa und den USA könnte Investoren im Jahresverlauf nervös machen und zu Gewinnmitnahmen verleiten, meint Virginie Maisonneuve, Leiterin globale und internationale Aktien bei der Investmentgesellschaft Schroders. "Die Auflösung dieser Verschuldung wird Zeit brauchen, während die Staatshaushalte gleichzeitig durch die
Überalterung der Gesellschaften weiter unter Druck geraten." Darüber hinaus könnten die Aktienkurse im späteren Frühjahr fallen, weil viele Marktteilnehmer erwarten würden, dass die Nachfrage der Verbraucher im Jahresverlauf deutlich sinken wird. "Die Kombination aus kurzfristigen positiven Prognosen für Aktien einerseits und Unsicherheit in Bezug auf die mittelfristige Marktentwicklung andererseits dürfte zu hohen Kursschwankungen führen."

Sarah Arkle, Leiterin der Investmentabteilung bei der Kapitalanlagegesellschaft Threadneedle, sieht die höchsten Kurszuwächse 2010 an den Börsen ausgewählter Schwellenländer. "In Brasilien, Chile, China und der Türkei erholt sich die Wirtschaft nach dem Zusammenbruch der Auslandsnachfrage jetzt wieder besonders kräftig." Für diese Staaten spreche zudem, dass ihre Finanzsysteme durch die Krise kaum in Mitleidenschaft gezogen wurden und die Verbraucher deutlich geringer verschuldet sind als in den Industrienationen Europas und Nordamerikas.

Anleger, die primär in europäische Werte investieren wollen, sollten zu Aktien jener Unternehmen greifen, deren Dividendenrendite gemessen am gegenwärtigen Börsenkurs derzeit höher ausfällt als die Zinserträge ihrer Anleihen, sagt Arkle. Normalerweise liegen die Dividendenrenditen der Aktien eines Unternehmens unterhalb der Zinsrendite seiner Anleihen. "Wir sehen bei einer Vielzahl höher rentierlicher Aktien besonders attraktive Anlagechancen."

Telekommunikationstitel könnten interessant werden

Langfristig orientierte Anleger, die sich unabhängig von der kurzfristigen Kursentwicklung über viele Jahre hinweg attraktive Dividenden sichern wollen, sollten insbesondere Telekommunikations- und Versorgertitel ins Auge fassen. So beträgt die Ausschüttungsrendite der France Telecom (ISIN FR0000133308) gemessen am gegenwärtigen Aktienkurs über acht Prozent, bei der Deutschen Telekom (DE0005557508) sind es über sieben Prozent. Beim Goldpreis erwarten die meisten Experten keine Fortsetzung des Aufwärtstrends. "Deutliche Preissteigerungen beim Edelmetall wird es voraussichtlich erst dann wieder geben, wenn die Inflationsrate signifikant steigen sollte", so Peter Königsbauer, Fondsmanager bei Pioneer Investments.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Werden europäische Männer immer unfruchtbarer?

Männern haben immer weniger Spermien. Direkte Rückschlüsse auf Fruchtbarkeit erlaubt das nicht – es könnte aber nur die Spitze eines Eisbergs gesundheitlicher Probleme sein. mehr »

Psychotherapie soll künftig Unifach werden

Ein einheitliches Berufsbild, Studium an der Uni. Die Psychotherapeutenausbildung steht vor umwälzenden Veränderungen. Kritiker vermissen beim Entwurf aber Konkretes zum Thema Weiterbildung. mehr »

Ist die menschliche Entwicklung am Ende?

Über Hunderttausende von Jahren ist der Mensch zu dem geworden, was er heute ist. Und nun? Ein Grimme-Preisträger fragt sich, ob Unsterblichkeit erstrebenswert ist und wohin uns die Evolution führen wird - oder kann der Mensch sie austricksen? mehr »