Ärzte Zeitung online, 02.02.2010

Deutsche Bank legt Millionenfonds für Mittelstand auf

FRANKFURT AM MAIN (dpa). Mit zunächst 300 Millionen Euro greift die Deutsche Bank dem von der Krise gebeutelten Mittelstand unter die Arme. Das Geld soll das Eigenkapital von Firmen stärken und so deren Chancen auf gewöhnliche Kredite verbessern. "Wir peilen eine endgültige Fondsgröße von 500 Millionen Euro an, wir müssen also noch 200 Millionen Euro einwerben", sagte der Deutschland-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, am Dienstag.

Derzeit laufen Gespräche mit potenziellen Investoren, darunter auch andere Kreditinstitute. Der Autokonzern Daimler hatte am Montag einen möglichen Beitrag zu dem Fonds angedeutet. Autohersteller könnten ein Interesse daran haben, die kriselnde Zulieferindustrie mit den Geldern zu stützen.

   Der Fonds richtet sich branchenübergreifend an mittelständische Unternehmen mit bis zu 100 Millionen Euro Umsatz - auch an Nichtkunden der Deutschen Bank. Für diese Kundengruppe gebe es bislang kein Förderangebot im Markt. Ausgeschlossen von dem Angebot seien Finanzinstitutionen und Immobilienunternehmen.

Mittelständler können aus dem Fonds zwischen zwei Millionen und zehn Millionen Euro erhalten. "Uns interessiert, dass möglichst viele Unternehmen davon Gebrauch machen können", sagte Fitschen, der im Durchschnitt mit Finanzspritzen von fünf Millionen Euro rechnet. Es gehe um die Finanzierung von Wachstum und Investitionen: "Wir sind nicht der Spezialist für Restrukturierungen, wir haben auch kein Interesse, Verluste zu finanzieren", betonte er.

Das Eigenkapital wird in Form von Genussrechten vergeben, die eine Laufzeit von sieben Jahren haben. Genussrechte sind eine Form von Schuldverschreibung, die den Emittenten beispielsweise am Gewinn beteiligen, aber keine Mitspracherechte gewähren.

Die Konditionen werden im Einzelfall ausgehandelt. Die Belastungen für die Unternehmen dürften laut Fitschen im unteren zweistelligen Prozentbereich liegen, für Investoren werde eine Rendite im oberen einstelligen Prozentbereich erwartet. Zinszahlungen können aufgeschoben werden, wenn das Unternehmen Verluste macht.

Verwaltet wird der "Mittelstandsfonds für Deutschland" vom Frankfurter Dienstleister M Cap Finance. "Wenn es ein großer Erfolg wird, will ich nicht ausschließen, dass es einen zweiten Fonds geben kann", sagte Fitschen.

   Bankchef Josef Ackermann hatte den Mittelstandsfonds vor zwei Monaten angekündigt. Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Peter Keitel, hatte Mitte Januar kritisiert, der versprochene Fonds lasse auf sich warten. Fitschen äußerte Unverständnis über die Kritik: Auch der BDI sei noch vor Weihnachten über die Eckdaten des Vorhabens informiert worden.

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