Ärzte Zeitung, 15.02.2010

Innovationskraft von Sanofi-Aventis im Fokus

Gewiss: Die Generikahersteller sitzen Sanofi-Aventis im Nacken. Doch Analysten trauen dem französischen Pharma-Konzern dank neuer Arzneien genug Schlagkraft zu, wenn der Patentschutz auf Umsatzbringer wegfällt.

Von Richard Haimann

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Konzernchef Chris Viehbacher verspricht auch für 2010 Gewinnwachstum. © pa

PARIS. Der Wettbewerb mit den Generikaproduzenten macht dem französischen Pharmakonzern Sanofi-Aventis zunehmend zu schaffen. Vorstandschef Christopher Viehbacher rechnet deshalb mit einem schwächeren Gewinnwachstum in diesem Jahr. Analysten sind weniger pessimistisch: Sie raten mehrheitlich zum Kauf der Aktie.

2009 winkte Aktionären ein Kursgewinn von 20 Prozent

Einen Kursgewinn von 20 Prozent konnten Aktionäre 2009 mit dem Papier von Sanofi-Aventis (ISIN FR0000120578) einstreichen. Dass die Börsianer mit ihrer Einschätzung richtig lagen, zeigen die Zahlen, die der französische Arzneimittelkonzern jetzt vermeldete: Bereinigt um Wechselkursschwankungen steigerte Sanofi-Aventis seinen Gewinn gegenüber dem Vorjahr in 2009 um 12,8 Prozent auf 8,47 Milliarden Euro. Der Umsatz legte im Vergleich zu 2008 (27,57 Milliarden Euro) um 6,3 Prozent auf 29,3 Milliarden Euro zu (wir berichteten). Der Gewinn je Aktie stieg um 13,1 Prozent auf 6,49 Euro.

Für 2010 ist Konzernchef Viehbacher weniger optimistisch: Nur zwei bis fünf Prozent werde das Gewinnwachstum je Aktie voraussichtlich betragen. Was dem Unternehmen zu schaffen macht, ist die zunehmende Konkurrenz durch Generika. Und in den kommenden Jahren können Generikahersteller auf weitere Sanofi-Bestseller zugreifen: Bis 2013 verlieren der Blutverdünner Plavix® (Clopidogrel), der Gerinnungshemmer Lovenox® (Enoxaparin) sowie die Tumormittel Eloxatin® (Oxaliplatin) und Taxotere® (Docetaxel) ihren Patentschutz in bedeutenden Märkten. Besonders brisant ist dabei Lovenox®. Der Gerinnungshemmer gehört zusammen mit Diabetesmittel Lantus® (Insulin glargin) zu den umsatzstärksten Medikamenten im Portfolio. Allein im vergangenen Jahr setzte der Konzern mit Lovenox® knapp drei Milliarden Euro um.

Börsianer ließ die vorsichtige Einschätzung des Konzernchefs kalt: Ende vergangener Woche stieg die Aktie um über zwei Prozent. "Die positiven Analysteneinschätzungen gaben dem Papier Auftrieb", sagt ein Frankfurter Händler.

Pipeline lässt Herzen der Analysten höher schlagen

Besonders optimistisch ist Analyst Mark Dainty von der Citigroup, der die Aktie mit "Kaufen" eingestuft hat: "Die Produktpipeline bei Sanofi-Aventis ist gut gefüllt." Der Konzern werde deshalb schnell Ersatz finden für jene Medikamente, die in den nächsten Jahren ihren Patentschutz verlieren. "Sanofi-Aventis ist ein schlafender Riese, der tatsächlich vor Kraft strotzt", meint auch Alexandra Hauber von J.P. Morgan Securities. Auf Sicht von zwölf Monaten könne die Aktie auf 62 Euro steigen. Das wäre ein Plus von rund 16 Prozent gegenüber dem Schlussstand Ende vergangener Woche.

Skeptischer sind Connie Schümann und Christine Nowak von der Raiffeisen Centrobank. Die Analystinnen stufen das Papier mit "Halten" ein. Schon vor Ablauf des Patentschutzes spüre der Konzern bei etlichen Mitteln die Generikakonkurrenz. So sei der Umsatz mit Plavix® bereits 2009 um zehn Prozent gefallen, da Ärzte in ganz Europa immer häufiger Generika verschrüben.

25 Wirkstoffe sind bereits in Phase III

Derzeit forscht Sanofi-Aventis an rund 130 neuen Wirkstoffen. Hauptforschungsfelder sind dem Unternehmen zufolge Erkrankungen des Zentralen Nervensystems, internistische sowie onkologische Krankheitsbilder. Dort sind jeweils zwischen 18 und 27 neue Produktkandidaten in der Pipeline. Auch bei den Vakzinen will das Pariser Unternehmen punkten: In dem Bereich wird an 24 neuen Produkten geforscht.

Die meisten Kandidaten befinden sich noch in frühen Entwicklungsphasen. In der entscheidenden klinischen Phase III hat das Unternehmen 25 Wirkstoffe. Jüngst erhielt die Blockbusterhoffnung Multaq® (Dronedaron) die EU-Zulassung. Das Arzneimittel ist indiziert bei erwachsenen, klinisch stabilen Patienten mit nicht permanentem Vorhofflimmern. Im Sommer 2009 wurde es bereits in den USA zugelassen.

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