Ärzte Zeitung online, 04.03.2010

Versicherer sehen Milliardenschäden durch "Xynthia"

MÜNCHEN (dpa). Der Orkan "Xynthia" hat die europäische Versicherungswirtschaft nach Branchenschätzungen mit Milliardenschäden getroffen. Aber auch der harte Winter habe eine Vielzahl von Schäden zur Folge gehabt.

Schätzungen des auf Risikoanalysen spezialisierten Unternehmens AIR Worldwide, wonach die versicherten Schäden bei 1,5 bis 3 Milliarden Euro liegen könnten, seien "nicht unrealistisch", sagte Markus Stowasser, Meteorologe bei der Allianz SE Rückversicherung, am Donnerstag in München. Auf die Allianz selbst könnten brutto etwa 100 bis 300 Millionen Euro an Belastungen zukommen. Das Orkantief hatte Ende Februar in Westeuropa mehr als 60 Menschen das Leben gekostet und teils schwere Schäden vor allem in Frankreich, aber auch in Deutschland angerichtet.

Von den Auswirkungen her gehöre "Xynthia" zu den stärksten Stürmen der vergangenen 20 Jahre, erklärte Stowasser. Am heftigsten wütete der Orkan in Frankreich, wo er unter anderem eine schwere Sturmflut an der Atlantikküste auslöste. Insgesamt bleibe "Xynthia" aber hinter "Lothar" (1999) und "Kyrill" (2007) zurück, erklärte die Allianz. So hatte "Kyrill" alleine in Deutschland 2,2 Milliarden Euro an versicherten Schäden angerichtet.

Nach jüngsten Erkenntnissen aus Frankreich hat "Xynthia" 53 Franzosen das Leben gekostet. Zudem zählten die Rettungskräfte 7 Schwer- und 72 Leichtverletzte, berichtete Innenminister Brice Hortefeux am Donnerstag in Paris. Das Unwetter war damit das folgenschwerste seit mehr als zehn Jahren.

Nach Angaben der Allianz haben Stürme unter den Wetterereignissen das höchste Schadenpotenzial. Der harte Winter mit viel Schnee und Eis in Deutschland habe aber auch eine Vielzahl zumeist kleinerer Schäden zur Folge gehabt. Dazu zählte Stowasser eingefrorene Leitungen, eingedrückte Dächer, Schäden an Autos durch Dachlawinen und abbrechende Eiszapfen sowie Defekte an der Infrastruktur. Nicht zuletzt seien viele Menschen auf vereisten Gehwegen gestürzt und hätten sich Knochenbrüche und Prellungen zugezogen.

Trotz Rekord-Schneehöhen und dem kältesten Januar seit 1987, könne nicht von einem Extrem-Winter gesprochen werden. "Im globalen Vergleich war der Dezember 2009 der Viertwärmste seit 1880", sagte Stowasser. Die Gefahren des Klimawandels seien also keineswegs gebannt. "Der kalte Winter ist kein Beweis für oder gegen Klimawandel oder globale Erwärmung", sagte Silvio Tschudi, Leiter Research und Development bei der Allianz SE Rückversicherung. Besonders kalte Winter oder extrem heiße Sommer habe es immer wieder gegeben. Wichtiger seien die langfristigen Trends, die den globalen Temperaturanstieg deutlich erkennbar machten. Außerdem nähmen Wetterereignisse wie heftige Regen- oder Schneestürme erkennbar zu.

Versicherer müssten sich auf diese Szenarien einstellen. "Drohende Schadenszenarien sind mit dem bisherigen Geschäftsmodell der Assekuranz zukünftig nicht mehr zu decken", sagte Tschudi. Bereits jetzt stammten 40 Prozent der Schäden in der Industrieversicherung der Allianz aus Naturkatastrophen - Tendenz steigend. Die Auszahlungen an Opfer von Katastrophen wie Wirbelstürmen, Starkregen oder Hagelschlag seien in den vergangenen 30 Jahren um das 15-Fache gestiegen. Die Versicherer müssten angesichts dieser Entwicklung versuchen, angemessene Preismodelle zu entwickeln.

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