Ärzte Zeitung, 12.04.2010

Anlagen-Kolumne

Verliererstrategie kann für üppige Gewinne im Depot sorgen

Bei der retrospektiven Erfolgsbewertung von Investments trennt sich die Spreu vom Weizen. Doch müssen die Gewinner der Vergangenheit nicht die der Zukunft sein.

Von Gottfried Urban

Wo hat sich ein Investment in den vergangenen zehn Jahren gelohnt, fragt sich mancher Anleger. Der mongolische Börsenindex MSE Top 20 Index ist Spitzenreiter, er legte von Anfang 2000 bis Ende 2009 um über 1100 Prozent zu. Unter den zwanzig besten Börsen waren überwiegend Schwellenmärkte zu finden. Die Klassiker der Schwellenmärkte konnten zwischen 100 Prozent (Indien) und 480 Prozent (Russland) zulegen. Von den etablierten Märkten schaffte nur Norwegen mit über 100 Prozent ein für Aktienmärkte angemessenes Zehn-Jahres-Ergebnis. Hier hat wohl auch der Ölpreis geholfen.

Die schwächsten Märkte für den Euroinvestor waren der Euro Stoxx 50 (Eurozone) und der S&P 500 (USA) mit über 40 Prozent Minus. Am schlechtesten schnitt der Technologie- und Internetsektor mit etwa 90 Prozent Verlust ab. Für so manchen Anleger waren die Jahre 2000 bis 2009 ein verlorenes Jahrzehnt. Aber darin liegt auch eine Chance.

Die Sieger der nächsten zehn Jahre werden mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder Märkte der zweiten Reihe sein, jene Länder also, die sich in einem Entwicklungsstadium befinden, in dem die führenden Schwellenländer vor zehn bis 15 Jahren waren und die aufgrund ihrer günstigen demografischen Struktur und ihrer Rohstoffausstattung beste Wachstumsaussichten bieten. Vielleicht wird es der Irak sein oder ein anderer Staat, der in keiner Weise auf dem Radar der Investoren ist. Eines ist sicher, es können nur Märkte sein, die im Moment wenige Anleger im Depot haben. Um die Anlagerisiken zu begrenzen, ist es freilich sinnvoll, breit gestreut in die Schwellenländer der zweiten Reihe zu investieren.

Bei den Hauptmärkten könnte Japan diesmal das Rennen machen. Ein Comeback könnten aber auch Europa und die USA feiern. In die Verlierermärkte des vorigen Jahrzehnts zu investieren, scheint mir jedenfalls weniger riskant zu sein, als ein Investment in die Gewinner der vergangenen zehn Jahre einzugehen.

Doch Vorsicht: Die Verliererstrategie funktioniert nicht bei Einzelaktien. Anleger sollten das nur über breite Fonds oder Indexprodukte versuchen, denn Einzelwerte können vom Kurszettel verschwinden, Volkswirtschaften hingegen nicht. In jedem Fall gilt: Man muss sich heute positionieren und nicht erst, wenn alle über diese Märkte reden.

Das gilt auch für einzelne Anlageklassen. Die Zehnjahres-Rangliste zeigt auch hier klare Sieger: Rohstoffe und Gold sowie Zinspapiere. Viele Rohstoffe kosten trotz teils erheblicher Preisrückgänge immer noch ein Vielfaches des Jahres 2000. Rohstoffe sind aber eher Spätzykliker, also nicht übergewichten.

Ansonsten gilt: Die Mischung macht es. Wer in einzelnen Sektoren, Anlageklassen oder Ländern nicht überinvestiert ist, begrenzt das Risiko. Wer dann noch die nötige Geduld aufbringt, wird im Regelfall mit einer ansehnlichen Rendite belohnt.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Resistente Keime bedrohen Fortschritte aus Jahrzehnten

Jeder vierte Todesfall durch Antibiotika-resistente Keime weltweit wird durch Tuberkulose (TB) bedingt. Um die Situation zu verbessern, reichen neue Arzneien aber nicht aus, betonen TB-Experten. mehr »

Regelmäßiges Frühstück ist offenbar gut fürs Herz

Wer regelmäßig frühstückt, beugt damit offenbar kardiovaskulären Erkrankungen vor, berichtet die American Heart Association (AHA). mehr »

Sperma-Check per Smartphone-App

Millionen von Paaren weltweit wollen ein Kind, doch es klappt nicht. Die Ursachen liegen in etwa der Hälfte der Fälle beim Mann. Ein einfacher Test könnte Männern künftig die Untersuchung ihres Spermas erleichtern. mehr »