Ärzte Zeitung, 05.05.2010

Anlegern offener Immobilienfonds drohen Verluste

Das Bundesfinanzministerium will Bestände der Immobilienfonds um zehn Prozent abwerten lassen.

Von Richard Haimann

Anlegern offener Immobilienfonds drohen Verluste

Kommt die große Flucht aus den Fonds? © Eisenhans - Fotolia.com

BERLIN. Anleger offener Immobilienfonds müssen sich auf deutliche Verluste gefasst machen, wenn sie weiter ihr Geld in den Fonds lassen. Das Bundesfinanzministerium will sämtliche Immobilienbestände der Fonds im Gesamtwert von 91,1 Milliarden Euro um zehn Prozent abwerten und dadurch etwas Luft aus dem Markt lassen. Die Preise der Anteilsscheine würden im gleichen Umfang fallen.

Die Abwertungen sind Teil der Reform der in die Krise geratenen Branche. Aktuell sind sechs Fonds mangels Liquidität eingefroren. Eine halbe Million Sparer gelangen nicht an ihre Einlagen im Wert von rund neun Milliarden Euro.

Experten fürchten, dass nun noch mehr Anleger aus den Fonds flüchten werden, bevor die Reform 2011 in Kraft tritt. "Die Gefahr besteht, dass viele Sparer ihr Geld abziehen und weitere Fonds eingefroren werden müssen", sagt Nils Nauhauser, Finanzberater der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Auf frisches Kapital dürften die Fonds kaum hoffen. Nauhauser: "Wer zeichnet ein Anlageprodukt, wenn er weiß, dass ein Wertverlust von zehn Prozent bevorsteht?" Werde der Entwurf Gesetz, drohe den Fonds "über kurz oder lang die Abwicklung", urteilt Steffen Sebastian vom Institut für Immobilienwirtschaft an der Universität Regensburg.

Das Finanzministerium will die Immobilien abwerten lassen, weil kaum ein eingefrorener Fonds Objekte zum Buchwert veräußern konnte. Die Verkehrswerte der Immobilien hätten sich als "Schätzpreise" erwiesen, heißt es im Entwurf. Deshalb müsse "ein Sicherheitsabschlag von zehn Prozent auf den bisher ermittelten Wert eingeführt werden".

Zudem sollen von 2011 an Anleger ihr Geld erst nach einer Kündigungsfrist von bis zu zwei Jahren abheben können. Dazu kommt eine Mindesthaltedauer von zwei Jahren. Sparer müssten damit von 2011 an investiertes Kapital bis zu vier Jahre in den Fonds belassen.

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