Ärzte Zeitung, 11.06.2010

Auch bei Auslandsimmobilien ist der Versicherungsschutz sinnvoll

Wer eine Immobilie im Ausland erwirbt, sollte sich auch der dortigen Gefahren bewusst sein. Je nach Land gibt es verschiedene Optionen, Feriendomizile zu versichern.

Von Aline Klett

Auch bei Auslandsimmobilien ist der Versicherungsschutz sinnvoll

Eine Finca auf Mallorca: Ist auch alles versichert?

© Gerhard Dolde / fotolia.com

NEU-ISENBURG. Sei es das Häuschen in der Toscana oder die Finca auf Mallorca: Wollen Ärzte eine Immobilie im Ausland erwerben, sollten sie sich schon vor dem Kauf Gedanken über die Versicherung rund ums Haus machen. Die Verträge der Versicherer sind in anderen EU-Ländern nicht dieselben wie in Deutschland. Das Versicherungsrecht ist unterschiedlich und auch eine Angleichung nach europäischen Recht ist in nächster Zeit nicht zu erwarten.

Zu Anfang stellt sich die Frage, wo überhaupt sollen Versicherungen abgeschlossen werden - im Zielland oder doch besser in Deutschland?"Um den Anforderungen vor Ort gerecht zu werden, sollten die Versicherungen im Land abgeschlossen werden", empfiehlt Jurist Peter Schöllhorn von der Deutschen Schutzvereinigung Auslandsimmobilien (DSA). Der Verband berät rund um das Thema Auslandsimmobilie mit den Schwerpunkten Italien, Frankreich und Spanien. "Die Versicherungsmakler im Land kennen die Gegebenheiten und wissen, was versichert werden muss", sagt er.

Beispielsweise gibt es in Italien erdbebengefährdete Gebiete, in denen die Versicherer Schäden durch ein Erdbeben gar nicht versichern. "Dabei geht das größte Risiko nicht einmal vom Erdbeben aus, sondern häufig von der Statik des Hauses und der Qualität der Bausubstanz", weiß Schöllhorn. Die Gefahr von Schäden sei bei gebrauchten Immobilien besonders groß. "Nicht immer ist nachvollziehbar, ob es beim Bau Pfusch und Betrügereien gab."

Im Gegensatz zu deutschen Versicherungen gibt es in anderen europäischen Ländern häufig die Wohngebäude- und die Hausratversicherung kombiniert. Hauseigentümer sind damit gegen Schäden an der Immobilie selbst und an beweglichen Gegenständen des Haushalts abgesichert. Dazu zählen beispielsweise Feuer-, Wasser-, und Explosionsschäden. Auch Glasbruch, Schäden an der Hauselektrik und Vandalismus können abgesichert werden.

In Frankreich sind beide Versicherungen etwa als "assurance multirisques habitation" zusammengeführt. "Es funktioniert nach dem Baukastenprinzip. Schäden bei Feuer und Naturkatastrophen sind immer abgesichert. Weitere Risiken wie Vandalismus können eingeschlossen werden", sagt André Schulze-Wethmar vom Europäischen Verbraucherzentrum Kehl.

In Spanien gibt es die "póliza Hogar", eine gebündelte Hausversicherung, die nicht nur den Bereich der Gebäude und Hausrat absichert, sondern auch Haftpflicht und Rechtschutz. Schließt der Immobilienbesitzer eine Versicherung ab, fließt ein Teil des Geldes an ein öffentlich-rechtliches Konsortium. Im Falle von Naturkatastrophen sind die finanziellen Folgen des Einzelnen damit versichert.

Welche zusätzlichen Schadensabsicherung in der Police enthalten sein sollten, ist abhängig von der Region, in der die Immobilie steht. In Gebieten, in denen es zu heftigen Gewittern kommt, sollten Überspannungsschäden mitversichert sein, wenn viele elektrische Geräte im Haus stehen. "Allerdings braucht man sie weniger, wenn nur ein Kühlschrank in der Finca steht", sagt Peter Schöllhorn. Die Notwendigkeit einer Versicherung und ihrer Deckungshöhe ist ebenso abhängig von der Ausstattung des Domizils. Die kleine Finca mit einfacher Ausstattung muss bei einem Leitungswasserschaden, wie einem Rohrbruch, sicher nicht so hoch versichert werden wie das edle Strandhaus an der Costa Brava.

Spricht man die Landessprache nicht, muss das kein Hindernis sein. In touristischen Gegenden wie Mallorca oder der Costa Blanca gibt es deutschsprachige Versicherungsmakler, die helfen, eine richtige Versicherung zu finden. "Wenn man im Land ist, einfach eine deutschsprachige Zeitung aufschlagen und in den Anzeigenteil schauen. Hier findet man Versicherungsbüros, in denen Deutsch gesprochen wird", empfiehlt Schöllhorn. Der Blick ins Branchenbuch oder ins Internet ist genauso hilfreich. Beim Kauf einer gebrauchten Immobilie kann der Tipp des Voreigentümers weiterhelfen. Auch andere Deutsche, die in der Gegend wohnen, können häufig Hinweise geben.

"Bei der Auswahl des Maklers darf nicht das Geld ausschlaggebend sein", sagt Schöllhorn. "Wichtig ist, was er kann und dass miteinander gesprochen wird." Man lässt sich ein Angebot machen und vergleicht es dann mit anderen. Spricht man die Sprache, sind Verbraucherzeitschriften nützlich, um eine gute Versicherung zu finden. In Frankreich etwa ist es "60 millions de consommateur" und in Spanien "Eroski Consumer". "Auch in Internetforen wie grenzgaenger-forum.de findet man Lob und Kritik", sagt André Schulze-Wethmar vom Europäischen Verbraucherzentrum.

www.euroinfo-kehl.euwww.dsa-ev.de www.60millions-mag.com, www.consumer.es

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