Ärzte Zeitung, 14.06.2010

Gold und Bargeld sind derzeit der Trumpf

Viele Anleger fühlen sich fast wie im Casino. Sie bringen Geld mit, haben Nervenkitzel und wissen nicht, mit wieviel Geld sie nach Hause gehen. Geht die Krise weiter?

Von Jürgen Lutz

Gold und Bargeld sind derzeit der Trumpf

Auch ein einarmiger Bandit kann renditestark sein. Eine Gewinngarantie gibt es allerdings auch hier nicht. © WIC / fotolia.com

NEU-ISENBURG. Die Nachrichten scheinen gut: Die Wirtschaft wächst nach Angaben der Regierungen wieder, die meisten Ökonomen sind positiv gestimmt. Doch Anleger sollten sich fragen, ob diese Version der Wirklichkeit der Wahrheit entspricht. Denn hinter den Kulissen zeigt sich ein anderes Bild.

Ein guter Indikator für die Frage, wie sich die Wirtschaft in den nächsten Monaten entwickeln wird, ist der Kreditmarkt. Der Euribor-Zinssatz für kurzfristige Kredite der Geschäftsbanken untereinander zieht seit Monaten deutlich an. Zwar ist er immer noch auf einem historisch sehr niedrigen Niveau, da das Bankensystem mit dem Geld der Notenbanken vollgepumpt wird. Doch die Staatsschuldenkrise in der EU könnte dafür sorgen, dass sich die Banken wegen der Staatsanleihe-Risiken in ihren Büchern erneut misstrauen - und den Euribor weiter nach oben treiben. Es wäre das Fanal für einen weiteren Einbruch der mit Hunderten von Milliarden Euro gepäppelten Konjunktur, weil die Kreditvergabe austrocknen würde.

Der zweite gute Indikator ist Kupfer, das in vielen Sektoren eine wichtige Rolle spielt. Der Blick auf den Preis-Chart zeigt wenig Erfreuliches: Der Metallpreis hat den im Januar 2009 gestarteten Aufwärtstrend Anfang Juni 2010 gebrochen, indem das Tief aus dem Februar unterschritten wurde. Auf Sicht von ein bis zwei Jahren ist ein erneuter Einbruch des Kupferpreises wahrscheinlich.

Was heißt das nun für Anleger aus dem Euro-Raum?

  • Aktien: Bei Dividendentiteln überwiegen die Verlustrisiken die Gewinnchancen. Die US-amerikanischen Indizes haben bereits ihre Februar-Tiefs erreicht und sehen aus Sicht der technischen Analyse angeschlagen aus, der Dax hält sich (noch) etwas besser. Kommt es trotz der Inflationierungsversuche der Politik zu einer ausgewachsenen Deflation, werden die Aktienkurse massiv einbrechen.
  • Anleihen: Während die EU-Südländer Geldgeber suchen, wird Deutschland mit Geld regelrecht zugeschüttet. Das spiegelt die jährliche Rendite für zehnjährige Bundesanleihen in Höhe von 2,5 Prozent wider. Anleger sollten abwägen, ob es sich lohnt, dem Staat dafür zehn Jahre lang Geld zu leihen. Man sollte dies nur tun, wenn man überzeugt ist, dass es keine besseren Optionen gibt und der Schuldner die Mega-Krise übersteht.
  • Gold: Auch der Goldpreis profitiert von der Schuldenkrise. In Euro gemessen legte er deutlich zu, was die Abwertung der Währung im Vergleich zum US-Dollar widerspiegelt. Gold ist ein Schutz gegen die Währungsabwertung. Zwar kann auch der Goldpreis unter Druck kommen, doch sollte man Gold eher als wirksame Versicherung gegen die Inflationierung der Notenbanken betrachten denn als Anlageklasse. Anleger sollten darauf achten, dass sie auf das Metall zugreifen und es an einem sicheren Ort verwahren können.
  • Cash: Über Bargeld sowie Geld auf (Tages-)Geldkonten rümpfen viele die Nase, da es keine oder kaum Rendite bringt. Doch wenn die Deflation, die 2008 die Anlagemärkte verwüstete, an Stärke gewinnt, ist man mit Cash nicht nur aus der Schusslinie. Man profitiert sogar, da der Wert des verbleibenden Geldes steigt, wenn faule Kredite vernichtet werden.
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