Ärzte Zeitung, 21.06.2010

Seefahrtbranche setzt auf Anti-Havarie-Kurs

Die Schifffahrt will sich mit neuen Fonds sanieren - für Anleger ein Wagnis.

Von Patrick Hagen und Katrin Berkenkopf

Seefahrtbranche setzt auf Anti-Havarie-Kurs

Ruhige See wird Anlegern bei Sanierungsfonds versprochen, doch stille Wasser sind mitunter tief.

© Gary Blakeley / fotolia.com

KÖLN. In der Schifffahrt gibt es erste Zeichen für ein Ende der Krise. Dennoch müssen viele Schifffonds-Anleger weiter um ihr Geld bangen. Sie sollen bereits geleistete Ausschüttungen zurückzahlen oder frisches Geld zur Verfügung stellen, um ihre Beteiligungen zu retten. Einige Emissionshäuser bieten Privatanlegern jetzt an, in die Rettung angeschlagener Fonds zu investieren und so von deren Schieflage profitieren zu können. Doch ob sich die Sanierung der Krisenfonds für die Anleger lohnt, ist keinesfalls sicher.

Die Charterraten (Mietpreise) für Containerschiffe sind seit Anfang des Jahres stark gestiegen, nachdem sie im vergangenen Jahr extrem eingebrochen waren. Die Raten sind aber immer noch nicht hoch genug, damit die Fonds davon Zins und Tilgung für das Bankdarlehen zahlen können. Frisches Geld ist nötig. Davon wollen die jetzt gestarteten Sanierungsfonds profitieren: Sie machen derzeit verstärkt Werbung bei Privatanlegern. Ärzte sind besonders beliebte Anleger.

Die Fondsanbieter werben damit, dass sie aufgrund der Not einiger Schiffsfonds besonders gute Bedingungen für das Sanierungskapital durchsetzen können. Die neuen Geldgeber bekommen in der Regel eine garantierte Verzinsung von mindestens zehn Prozent.

Dazu kommen je nach Sanierungskonzept weitere Bonuszahlungen. Das Kapital ist Vorzugskapital und wird direkt nach der Bank und den laufenden Kosten bedient. "Teilweise sind die Bedingungen wirklich traumhaft", sagt Thomas Böcher, Geschäftsführer von Paribus Capital. Sein Unternehmen ist der Vorreiter der neuen Welle.

Die attraktiven Konditionen für das Vorzugskapital führen dazu, dass das Angebot an frischem Kapital zurzeit sogar die Nachfrage übersteigt. "Wir kommen nicht überall rein, wo wir rein wollen", sagt Nordcapital-Geschäftsführer Florian Maack.

Nordcapital ist einer der größten Anbieter von Schiffsbeteiligungen und will mit seinem Fonds "Schiffsportfolio Vorzug" bis zu zehn Millionen Euro einsammeln. Der Großteil des Geldes soll in kriselnde Fonds der Nordcapital-Gruppe fließen, der Rest in Beteiligungen anderer Anbieter.

Trotz der Stellung als Vorzugskapital bleibt für die Anleger ein Risiko. Schifffahrtsexperte Jürgen Dobert sieht die Gefahr eines Interessenkonflikts. Denn die meisten Fondshäuser haben eigene Problemfälle, die sie gerne lösen wollen. "Zwar sagen alle, dass sie nur in Schiffe mit guten Aussichten investieren, aber ob das immer so aufgeht, ist fraglich", sagt er.

Auch Sönke Fanslow von Hansa Treuhand, einem Initiator von Schiffsbeteiligungen, warnt: "Das ist nichts für Kleinanleger." Hansa Treuhand plant zwar gerade selbst die Auflage eines Sanierungsfonds, die Mindesteinlage soll aber 200 000 Euro betragen.

Egal wie gut sich die Fonds entwickeln, Verlierer sind die Altanleger, die nicht an der Rettung des Fonds teilnehmen können oder wollen. Sie werden auf Jahre keine Ausschüttungen erhalten. Schließlich müssen die hohen Zinsen für das Vorzugskapital erst verdient werden. Nordcapital-Geschäftsführer Maack sieht darin kein Problem: "Selbst die Altanleger haben doch einen Vorteil, denn ohne Kapitalerhöhung müsste mancher Fonds jetzt liquidiert werden."

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