Ärzte Zeitung, 27.09.2010

Anlagen-Kolumne

Golderwerb ist Investoren nur in feinen Dosen zu empfehlen

Der Gold-Hype, der unter Anlegern in Krisenzeiten regelmäßig ausbricht, hat auch seine Schattenseiten. Denn das Edelmetall ist eine reine Krisen-Versicherung.

Von Gottfried Urban

Ist es sinnvoll, jetzt noch Gold zu kaufen? An dieser Frage scheiden sich derzeit die Experten-Geister. Die weitere Gold-Entwicklung hängt vor allem davon ab, ob wir künftig eher mit anziehender Inflation oder mit deflatorischen Tendenzen zu rechnen haben. Anleger, die momentan verstärkt Gold als langfristige Anlage erwerben, setzen wohl eher auf Inflation. Zu schlüssig scheint ihnen das Argument, dass die steigende Staatsverschuldung nur eine Inflation zur Folge haben könne. Ein Blick nach Japan führt jedoch zu gegenteiligen Schlussfolgerungen.

Gold wird als ultimativer Retter gegen die Inflation bezeichnet. Immerhin hat Gold einen physischen Wert, der nicht verschwindet. Wenn eine Krise endet, folgt in der Regel aber eine Phase, in der Gold als totes Kapital zu bezeichnen ist. In einem normalen wirtschaftlichen Umfeld sucht man jedoch Anlagen, die profitabel sind. So kann Gold nur noch die Funktion einer Versicherung gegen eventuelle neue Krisen erfüllen.

Auch wenn Gold als Krisenwährung bezeichnet wird, ist unklar, wie eine Krise beschaffen sein müsste, um weitere Preissteigerungen bei Gold voranzutreiben. So ist nach dem steilen Anstieg der vergangenen Jahre eine - auch schärfere - Korrektur sicherlich nicht völlig auszuschließen. Sollte die Weltwirtschaft wieder nachhaltig in Fahrt kommen, könnten Staaten ihre Schulden auch wieder reduzieren.

Dennoch gilt: Die einzige Währung, welche jede Krise und jeden Krieg überlebt hat und überleben wird ist Gold. Die Anleger wissen also, dass Gold für sich steht und nicht nur einen Wert aufgrund eines Vertrages oder Gesetzes besitzt. Doch Vorsicht: Gold ist keineswegs die sichere Anlage, als die es immer gerühmt wird. Ein Gold-Erwerb ist dementsprechend nur fein dosiert zu empfehlen.

Unter Umständen könnten andere Edelmetalle, die in der Industrie gebraucht werden, in nächster Zeit sogar besser laufen. Im Ansatz können Investoren dies bereits beim Silber beobachten.

Was nun aber ist die richtige Strategie? Anleger sollten vor allem flexibel investieren, um für alle Szenarien gewappnet zu sein. Gestiegene Preise allein haben als Indiz für den Einstieg - in welche Anlage auch immer - selten getaugt. Ehe also dem Reflex, sich mit der glänzenden Krisenwährung einzudecken, nachgegeben wird, sollte man das Für und Wider sorgfältig abwägen.

Die Beimischung von physischem Gold ist auch mit Investmentfonds möglich und günstig. Und vor allem: Bei jeder Krisenvorsorge sollte man auch überlegen, was passiert, wenn die Krise ausbleibt.

Zur Person: Gottfried Urban ist Fondsmanager der Neue Vermögen AG und wurde mehrfach für seine Leistungen in der Vermögensverwaltung ausgezeichnet.

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