Ärzte Zeitung, 29.11.2010

Anlagen-Kolumne

Wie Anleger von der Vermögenspreis-Inflation profitieren

Die derzeitige Strategie der US-Notenbank, Milliarden in die Märkte zu pumpen, wird die Vermögenspreisinflation zusätzlich anheizen. Anleger sollten sich rüsten.

Von Gottfried Urban

Die USA finden einfach kein rechtes Mittel im Kampf gegen die Folgen der Finanzkrise. Seit Monaten lässt die US-Notenbank (Fed) die Zügel bei der Geldpolitik locker und kauft massenhaft US-Staatspapiere. Auf diese Weise pumpt die Fed pro Arbeitstag sage und schreibe fünf Milliarden US-Dollar (USD) in die Märkte - und das wohl noch bis Mitte 2011.

Am liebsten würde die Notenbank einen negativen Leitzins auf den USD festlegen. Wer also 100 Dollar bei der Notenbank einzahlt, bekommt weniger zurück. Negative Leitzinsen sind aber für eine Notenbank ausgeschlossen. Volkswirte haben errechnet, dass die USA durch die Summe aller Maßnahmen eigentlich schon einen deutlich negativen Leitzins aufweist. Das freilich wird nicht ohne Folgen bleiben.

Gemessen an den USA erscheinen die Probleme Irlands, Portugals und Spaniens überschaubar, zumal sicher ist, dass kein Euro-Land in absehbarer Zeit zahlungsunfähig sein wird. Schließlich haben die EU-Mitgliedsstaaten gemeinsam mit dem IWF einen Rettungsschirm aufgespannt, der zwei Jahre lang Schutz garantiert.

Ein renommierter amerikanischer Vermögensverwalter hat die Strategie der US-Regierung als betrügerisches Schneeballsystem bezeichnet, in dem die Rückzahlung der Einlagen alter Investoren durch die Einlagen neuer Anleger finanziert wird. Aus diesem Teufelskreis gibt es vermutlich so schnell keinen Ausweg.

Welche Schlüsse sollten Anleger aus der Misere ziehen? Die überschüssige Liquidität wird die Vermögenspreisinflation anheizen. Die Preise für Gold, Rohstoffe und Aktien werden deshalb wohl weiter steigen.

Dass es zwischenzeitlich - wie beispielsweise infolge der Irlandkrise und des Säbelrasselns der Nordkoreaner - zu Kurskorrekturen kommt, ist nur gesund. Auch Großinvestoren sind bei weitem noch nicht an die Börsen zurückgekehrt.

Zur besseren Einordnung der gegenwärtigen Überschussliquidität sei darauf verwiesen, dass die deutsche Versicherungswirtschaft zum Jahreswechsel 2009 nur noch etwa drei Prozent in Aktien investiert hatte - im Jahr 2000 waren es noch 26 Prozent.

Anleger sollten Nominalwertanlagen (Zinspapiere) bei der mittel- bis langfristigen Vermögensplanung meiden und stattdessen in Realwerte investieren. So können sie von der Vermögenspreisinflation der nächsten Jahre profitieren. Die einzige reale Ersatzwährung ist Gold.

Weil das Edelmetall aber nicht unbegrenzt verfügbar ist, kann es auch hier zu Übertreibungen kommen. Vor allem Investitionen in substanzstarke und krisenresistente Aktien und Immobilienanlagen erscheinen sinnvoll. Den Notgroschen legt man sich in Form von physischen Gold zu. Wählen Sie zudem Anlageinstrumente, die jederzeit handelbar sind.

Zur Person: Gottfried Urban ist Fondsmanager der Neue Vermögen AG. Bereits mehrfach ist er für seine Leistungen in der Vermögensverwaltung ausgezeichnet worden.

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