Ärzte Zeitung, 17.01.2011

60.000 Euro-Blüten eingezogen

FRANKFURT/MAIN (dpa). Im vergangenen Jahr war die Gefahr besonders hoch, Euro-Falschgeld in der Kasse gehabt zu haben - zum Beispiel beim Einziehen der Praxisgebühr. Wie die Deutsche Bundesbank am Montag mitteilte, haben Geldfälscher 2010 erneut mehr Blüten in Deutschland in Umlauf gebracht.

Polizei, Handel und Banken zogen rund 60.000 gefälschte Euro-Banknoten aus dem Verkehr und damit 14 Prozent mehr als 2009. Grund für den dritten Anstieg in Folge sei vor allem ein Ausreißer nach oben im ersten Halbjahr gewesen.

Die Polizei habe schnell reagiert und mehreren Verteilerbanden das Handwerk gelegt, sagte der Leiter des Nationalen Analysezentrums bei der Bundesbank, Rainer Elm. Abgeschreckt von raschen Verurteilungen hätten die Banden Deutschland im zweiten Halbjahr gemieden.

Dadurch blieb das Aufkommen insgesamt deutlich unter dem Spitzenwert von 81 000 Fälschungen im Jahr 2004. "Das zweite Halbjahr geht in die richtige Richtung, die Zahlen sind ermutigend", sagte der Leiter des Zentralbereichs Bargeld bei der Bundesbank, Helmut Rittgen.

Der wirtschaftliche Schaden in Deutschland erhöhte sich gegenüber 2009 von 3,1 auf 3,4 Millionen Euro. Meist bleibt der Handel auf dem Schaden sitzen, wenn Verkäufer den Schwindel übersehen und der Betrug erst der Bank auffällt. Für Falschgeld gibt es keinen Ersatz.

In Deutschland sind inzwischen fast sechs von zehn Blüten ein "falscher Fünfziger", im Vorjahr war es nur knapp jede Zweite. Alle anderen Geldscheine sind seltener gefälscht worden als im Vorjahr.

Mit Ausnahme des 20-Euro-Scheins (21 Prozent) und des 100-Euro- Scheins (15 Prozent) spielten andere Noten keine Rolle: Bei kleineren Stückelungen lohnt sich der Aufwand für die meist organisierten Fälscher nicht, größere sind schwieriger in Umlauf zu bringen.

Auch im Euroraum setzen die Fälscher immer stärker auf "falsche Fuffziger" (43,5 Prozent aller Falschgeldfunde), aber mit einem Anteil von 38 Prozent spielt auch die 20-Euro-Note eine große Rolle.

Anders als in Deutschland sanken im vergangenen Jahr die Funde gefälschter Euronoten weltweit - erstmals seit 2006. Im Gesamtjahr wurden 751.000 Blüten aus dem Verkehr gezogen nach 860.000 im Vorjahr.

Verglichen mit der steigenden Anzahl echter im Umlauf befindlicher Euro-Banknoten sei der Anteil der Fälschungen aber sehr gering, betonte die Europäische Zentralbank am Montag in Frankfurt. Demnach standen in der zweiten Jahreshälfte 2010 durchschnittlich 13,6 Milliarden echten Banknoten 364.102 gefälschte gegenüber.

Nach den Angaben entfallen jährlich rein rechnerisch sieben (Vorjahr: sechs) falsche Banknoten auf 10.000 Einwohner - damit ist die Gefahr, eine Blüte untergejubelt zu bekommen, hierzulande deutlich geringer als in anderen Euroländern.

Dort liegt der Schnitt nach Bundesbank-Berechnungen dreimal höher. "Für Normalverbraucher ist die Gefahr sehr gering, an Falschgeld zu kommen", sagte Rittgen.

Die Kriminellen versuchten meist, die Blüten im Handel oder der Gastronomie loszuwerden und dabei möglichst viel echtes Wechselgeld ausbezahlt zu bekommen.

Die Zahl der in Deutschland sichergestellten falschen Münzen fiel 2010 auf den tiefsten Stand seit 2005. Nach den Angaben der Bundesbank wurden 67.400 falsche Münzen eingezogen, vor allem zwei-Euro-Stücke.

Im Vorjahr waren im Zahlungsverkehr noch 78 500 gefälschte Geldstücke registriert worden. Damit kamen 2010 auf 10.000 Einwohner rund acht falsche Münzen nach neun im Vorjahr.

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