Ärzte Zeitung, 07.02.2011

China im Jahr des Hasen - quo vadis?

Börsianer werden langsam zögerlicher, wenn es um Investments in China geht. So fürchten Analysten einen Rückgang beim Wirtschaftswachstum. Ausgesuchte Einzelwerte bieten Anlegern aber weiterhin Chancen.

Von Richard Haimann

China im Jahr des Hasen - quo vadis?

Glücksbringer oder Hiobsbote: Bringen goldene Hasen Chinesen und Anlegern im Reich der Mitte im Jahr des Vierbeiners den Geldsegen?

© Silkstock / fotolia.com

NEU-ISENBURG. Um rund zehn Prozent ist Chinas Wirtschaft 2010 gewachsen. Anleger, die auf Aktien von Unternehmen aus dem Reich der Mitte setzten, konnten davon allerdings nur bedingt profitieren.

Die Kurse kletterten in den vergangenen zwölf Monaten bei weitem nicht so stark wie deutsche Papiere. Analysten sind geteilter Ansicht, wie es an den Börsen im Reich der Mitte dieses Jahr weitergehen wird.

2010 endete in China erst vergangene Woche. Das abgelaufene Jahr des Tigers hatte Börsianern zwar solide Gewinne beschert. Um 14,9 Prozent war der Hang Seng Index gestiegen, der die Kursentwicklung der 45 größten Aktiengesellschaften in der Volksrepublik widerspiegelt.

Mit dem deutschen Aktienindex konnte das chinesische Börsenbarometer allerdings nicht mithalten: Der Dax legte in den vergangenen zwölf Monaten um rund 26 Prozent zu.

Jetzt ist in China das Jahr des ehrgeizigen und cleveren Hasen angebrochen. Das lässt Finanzastrologen zwar an eine neue Rallye an den Börsen in Hong Kong und Shanghai glauben.

Nüchterne Analysten sind da jedoch skeptischer: "An den Immobilienmärkten in Chinas Metropolen hat sich eine massive Blase gebildet", sagt Lauro Luo, Fondsmanagerin für chinesische Aktien bei der Investmentgesellschaft Schroders.

Spekulanten haben in den vergangenen Jahren die Preise für Wohn-, Büro- und Einzelhandelsgebäude rasant in die Höhe getrieben. In den Büchern der Banken stehen nun milliardenschwere Hypothekendarlehen, die beim Crash der Immobilienmärkte wertlos werden würden.

"Ein Kollaps würde die Wirtschaft ernsthaft bedrohen", sagt Luo. Deshalb versuche die Regierung nun mit Leitzinsanhebungen und restriktiven Kreditauflagen für die Banken "eine sanfte Landung zu bewerkstelligen".

Das Problem dabei: Die höheren Zinsen verteuern für Unternehmen die Kreditkosten und drücken damit auf die Gewinne. Deshalb fallen die Aktienkurse zahlreicher chinesischer Gesellschaften seit Herbst vergangenen Jahres.

Auch die Notierungen von Rohstoffen wie Kohle, Erze, Gold und Industriemetalle könnten dadurch weltweit unter Druck geraten, meint Ole S. Hansen, Rohstoffexperte der Saxo Bank.

"Die Sorge um Chinas Wirtschaft drückt tendenziell auf die Preise." Denn die bislang hohe Nachfrage nach diesen Gütern vom chinesischen Festland war in den vergangenen Jahren die treibende Kraft hinter dem weltweiten Rohstoffboom.

Zudem haben die Unternehmen in China mit massiven Lohnsteigerungen zu kämpfen. "Seit 2000 sind die Gehälter um durchschnittlich 11,4 Prozent pro Jahr gewachsen", weiß David Green-Morgan, Leiter Research Asien bei der Investmentberatungsgesellschaft DTZ.

Das führt dazu, dass immer mehr westliche Konzerne, aber auch chinesische Unternehmen selbst ihre Produktion in andere Länder Südostasiens verlagern, wo die Gehälter niedriger sind.

Dennoch sehen Experten bei einigen, auch an deutschen Börsen gelisteten chinesischen Aktien jetzt eine Einstiegsgelegenheit. Eric Wen, Analyst bei Mirae Asset Financial, rät zum Kauf von China-Mobile-Papieren (ISIN HK0941009539).

Die Aktie des größten Mobilfunkanbieters in China ist seit August um 15 Prozent gefallen und wartet gegenwärtig mit einer Dividendenrendite von über vier Prozent auf. Mit der steigenden Zahl der Handynutzer würden künftig weiterhin Umsatz und Gewinn zulegen, sagt Wen.

Das Analyse AsiaInvestor empfiehlt die Aktie von Brilliance China Automotive (BMG1368B1028). Das Unternehmen produziert für BMW Modelle der 3er- und 5er Reihe in China und profitiere von der steigenden Nachfrage nach Premium-Autos durch die wachsende gehobene Mittelschicht im Land.

Hong Kong versus Shanghai

Chinesische Unternehmen können sich gleichzeitig an der Börse in Shanghai (A-Aktien) und in Hong Kong (B-Aktien) listen lassen. Darüber hinaus sind eine Reihe von B-Aktien auch an deutschen Börsen notiert. "Für ausländische Anleger sind größtenteils nur B-Aktien zugänglich", erläutert Schroders-Fondsmanagerin Lauro Luo. Wegen des hohen Interesses europäischer und nordamerikanischer Sparer an chinesischen Papieren sind die Kurse der B-Aktien in den vergangenen Jahren jedoch deutlich stärker gestiegen als die von A-Aktien. Sollten ausländische Investoren in großer Zahl aus chinesischen Werten flüchten, könnten die B-Aktien deshalb deutlich stärker fallen als die A-Aktien.
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