Ärzte Zeitung, 28.03.2011

Mit cleveren Zinsstrategien kontern Anleger der Inflation

Ein Laufzeiten-Mix beim Ersparten bringt eine höhere Rendite und sichert die Flexibilität.

Von Jürgen Lutz

Mit cleveren Zinsstrategien kontern Anleger der Inflation

Die Zinshöhe steigt derzeit wieder bei Tages- und Festgeldangeboten.

© Steinach / imago

NEU-ISENBURG. Immer mehr Bürger befürchten, dass die Inflation steigen wird. Umso mehr sollten sicherheitsbewusste Ärzte ihr Erspartes mit einem Konzept zu attraktiven Zinsen anlegen, raten Experten. So könnten sie das für Bankkonten reservierte Geld auf mehrere Laufzeiten aufteilen und sich damit höhere Zinsen sichern.

Noch vor einem Jahr dominierte die Angst vor dem wirtschaftlichen Absturz. Nun plagt die Sorge vor der Geldentwertung Sparer und Anleger: Finanzexperten sagen steigende Lebenshaltungskosten voraus. Die Commerzbank etwa rechnet für 2011 mit einem Anstieg der Verbraucherpreise um 2,1 Prozent.

Angefacht wurde und wird die Angst vor der sinkenden Kaufkraft des Geldes durch die Notenbanken, die das Finanzsystem mit viel Geld in der Hoffnung versorgen, dass es den Weg in die Wirtschaft findet, und belassen gleichzeitig die Leitzinsen auf extrem niedrigen Niveau.

Das Geld geht an die Kapitalmärkte und lässt dort zunächst Vermögenswerte wie Aktien ansteigen. Doch auch die Rohstoffpreise klettern in der Folge stark und verteuern die Lebenshaltung - und sorgen so dafür, dass die Inflation im Alltag ankommt.

Bis zu 3,5 Prozent sind gegenwärtig drin

Max Herbst, Inhaber der FMH-Finanzberatung in Frankfurt, rät, das Ersparte neben dem stets parat zu haltenden Notgroschen auf mehrere Laufzeiten aufzuteilen. Ein Sparer, der etwa 100.000 Euro zur Verfügung hat, könnte demnach 60 Prozent seines Geldes als Sparbrief für drei Jahre festlegen.

Zwei Gründe sprechen für eine solche Dauer. Erstens: "Die Banken mit den besten Offerten bieten aktuell bis zu 3,5 Prozent an Zinsen. Mit solchen Zinsen bleibt die Kaufkraft des Geldes nach Sparerpauschbetrag und Steuern selbst dann erhalten, wenn die Inflationsrate auf drei Prozent steigt", so Herbst.

Der zweite Grund liegt in der üblichen Dauer der Zinserhöhungs-Zyklen. In der Regel erhöhen die Notenbanken die Leitzinsen über zwei bis drei Jahre hinweg, bis sie die Inflation in den Griff bekommen haben. Wer zu diesem Zeitpunkt über freies Geld verfügt, erwischt die Zinsen sozusagen im Zenit und kann das Ersparte dauerhaft zu Spitzenzinsen festlegen.

Die übrigen 40 Prozent sollten laut Herbst je zur Hälfte auf ein Tages- und auf ein Festgeldkonto mit einjähriger Laufzeit wandern. Beim Tagesgeld betragen die Spitzenzinsen aktuell 2,4 Prozent, beim einjährigen Festgeld 2,7 Prozent.

Wer so vorgeht, kann mit dem Tagesgeld jederzeit von Zinserhöhungen profitieren. Mit dem einjährigen Festgeld sichert man sich eine höhere Rendite, bleibt aber flexibel genug, um Zinserhöhungen zu nutzen.

Gute Angebote kommen von ausländischen Banken

Ein Sparer, der auf diese Weise 100.000 Euro anlegen würde, würde bei den aktuellen Spitzenzinsen innerhalb von drei Jahren einen Zinsertrag vor Steuern von gut 9300 Euro erzielen. Zieht die Inflation an, sind beim Tagesgeld wie auch beim einjährigen Festgeld höhere Erträge zu erwarten, als sie derzeit möglich sind.

Und wenn es wider Erwarten doch zu keiner Geldentwertung kommen sollte? "Dann profitieren die Sparer umso mehr von den hohen Zinsen und dem Anstieg der Kaufkraft ihres Geldes", so Herbst.

Wer das Ersparte bei Banken anlegen will, muss entscheiden, ob ihm die staatliche Einlagensicherung von 100.000 Euro je Bank und Anleger ausreicht. Die besten Angebote kommen derzeit von Häusern aus den Niederlanden und Großbritannien, bei denen dieser Schutz greift.

So ist die NIBC Direct mit 2,4 Prozent beim Tagesgeld und 2,7 Prozent beim einjährigen Festgeld Spitzenreiter; bei den dreijährigen Sparbriefen hat die Royal Bank of Scotland mit 3,5 Prozent die Nase vorn.

Die Top-Angebote für Anleger, die Wert darauf legen, dass die Banken einer privaten Einlagensicherung angehören, liegen derzeit bei 2,1 Prozent fürs Tagesgeld (Cortal Consors), 2,3 Prozent beim einjährigen Festgeld (Ergo Direkt) und 3,33 Prozent bei den dreijährigen Sparbriefen (Santander Consumer Bank).

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