Ärzte Zeitung, 27.04.2011

Buchtipp

Witziger Blick hinter die Kulissen der Steuerprüfer

Finanzbeamte hat keiner gerne in der Praxis - zumindest nicht als Betriebsprüfer. Ursula Ott hat ein Buch verfasst, das Skurriles aus der Steuerwelt schamlos offenlegt.

KÖLN (akr). Viele Ärzte wissen ganz genau, wo der Staat sich die vielen Milliarden holt, mit denen er Banken rettet: bei ihnen. Für diejenigen, denen schon beim Gedanken an die Steuererklärung ganz anders wird, hat die Autorin Ursula Ott ein aufmunterndes Buch geschrieben.

In "Total besteuert. Wie ich einmal ganz alleine den Staatshaushalt retten sollte" geißelt sie mit Witz und Biss den Irrsinn des deutschen Steuersystems.

Ott, stellvertretende Chefredakteurin des evangelischen Magazins Chrismon, hat nichts gegen das Steuerzahlen, denn von irgendwas müssen Straßen gebaut und Schulen unterhalten werden. Sie wähnte sich als brave Steuerzahlerin - bis eines Tages der Fiskus in Form einer Betriebsprüfung brachial in ihr Leben brach und ihr über ein Jahr lang viel zu viel Zeit stahl.

Wer in die Fänge des Finanzamts gerät, muss die Anlässe für alle möglichen Quittungen, Belege und Nachweise auch Jahre nach ihrer Ausstellung vom Generalverdacht Privatvergnügen befreien können. Gnadenlos verfolgt das Finanzamt kleinste Versäumnisse, nicht nur bei Ott.

Bei ihren Recherchen traf Ott auf Skurriles und Skandalöses. Da ist die couragierte Steuerfahnderin aus Frankfurt, die auch die dicken Fische fangen will und wegen Mobbing in einer psychosomatischen Klinik landet. Mit Mitte 30 wird sie zwangspensioniert.

Die beiden Jungunternehmer aus Sachsen-Anhalt, die aus dem Stasi-Bunker im Wald eine Musik-Kneipe mit Liveprogramm gemacht haben, prüft ein Finanzbeamter fast in den Bankrott. Bei einem Kölner Gastronom holt eine Steuerfachkraft einen Gyros, um ihn im Amt in seine steuerrelevanten Teile zu zerlegen.

Otts "Steuer-Compliance" hat sich übrigens nicht geändert. "Das Bild aus der Medizin passt gut, denn dieses Steuersystem ist krank", schreibt Ott. "Und es wundert mich gar nicht, wenn Patienten rebellisch werden."

Ursula Ott: Total besteuert. Wie ich einmal ganz alleine den Staatshaushalt retten sollte, dtv, 7,90 Euro

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethischen Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »