Ärzte Zeitung, 20.06.2011

Anlagen-Kolumne

Wer mehr Geld will, muss mehr Sicherheiten bringen

Ohne realistisches Schuldenmanagement werden die Probleme Griechenlands nicht gelöst. Wenn mehr Geld fließen soll, muss Staatsvermögen abgetreten werden.

Von Jens Ehrhardt und Prof. Leonhard Knoll

Wer mehr Geld will, muss mehr Sicherheiten bringen

Haircut, "sanfte" Laufzeitverlängerung und die Beteiligung privater Gläubiger: In der Diskussion um die Umschuldung Griechenlands fühlen sich Fachleute und Laien momentan als Opfer eines medialen Overkills.

Versucht man das Problem auf die wesentlichen zwei Fragen zu reduzieren, so sind es: Was kann man dem Schuldner Griechenland zumuten? Und: In welchem Umfang kann man private Gläubiger an einer groß angelegten Rettung beteiligen?

Zunächst einmal: Kein Schuldner kann von seinen Gläubigern einen großvolumigen Verzicht erwarten, solange er selbst über erhebliche Vermögenswerte verfügt, die als Deckung seiner Obliegenheiten herangezogen werden können. So wird derzeit neben vermehrten Sparanstrengungen in Bezug auf den griechischen Haushalt eine Liquidation von Staatsvermögen angesprochen.

Das Problem ist nur: Bislang wird die Umsetzung dieser Forderungen weitgehend dem Schuldner überlassen - ein Vorgehen, das bei einem privaten Schuldner mit vergleichbaren Insolvenzproblemen schwer vorstellbar wäre..

Wie können private Gläubiger an der Rettung beteiligt werden? Hier lautet derzeit die Parole: Private Gläubiger, insbesondere Banken, macht doch, bitteschön, bei dieser Rettungsaktion mit! Doch wie soll das funktionieren, wenn jeder lieber abwartet und die Position des Trittbrettfahrers einnimmt, der ohne eigenen Beitrag profitieren will. So wird ein wie auch immer gearteter Beitrag aller privaten Gläubiger nie zustande kommen.

Was dann? Eine solche Situation kann nur durch Zwang aufgelöst werden. Doch Zwang wird bislang nicht einheitlich ausgeübt. Das haben nicht zuletzt die Erfahrungen aus der ersten Rettungsrunde vor einem Jahr gezeigt.

Während deutsche Banker sich nach erheblichem politischem Druck bereit erklärten, keine Griechenland-Anleihen zu verkaufen, waren ihre Kollegen aus anderen Euro-Ländern, nicht zuletzt Frankreich, weniger zimperlich und gaben massenweise Helenen-Bonds an den Markt beziehungsweise die EZB ab - Konsequenz: Der Brave steht am Ende als der Dumme mit gefährdeten Forderungen da.

Das Rettungsbündnis aus Euroländern und IWF besteht darauf: Zusätzliche Mittel fließen nur, wenn griechisches Staatsvermögen abgetreten wird. Die Gläubiger der Neuschulden könnten dann über diese Vermögenswerte verfügen, wenn bestimmte Vorgaben vom Schuldner nicht erfüllt werden.

Gleichzeitig wären die privaten Gläubiger wie alle Inhaber bisheriger Forderungstitel mittelbar durch die entsprechende Reduktion ihrer Deckungsmasse betroffen.

Mangels einer Insolvenzordnung für Staaten mag dies zunächst unwichtig erscheinen, doch man täusche sich nicht: Im Falle einer Insolvenz würde der realisierte Ausfallbetrag der Altgläubiger steigen.

All dies ist im Grunde nichts Neues, sondern eher eine Rückbesinnung auf elementare Regeln des Kreditgeschäfts: Wer mehr Geld will, muss mehr Sicherheiten bringen. Manche Vorschläge der bisherigen Diskussion gehen sogar in diese Richtung.

Ihnen wird wohl deshalb kaum Aufmerksamkeit geschenkt, weil politische Ziele den Entscheidungsträgern näher stehen als wirtschaftliche Restriktionen. Es bleibt abzuwarten, wie lange dies noch durchzuhalten ist.

Leonhard Knoll ist Professor am Lehrstuhl für Bank- und Kreditwirtschaft an der Universität Würzburg.

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