Ärzte Zeitung online, 17.06.2011

apoBank: Dividende als Indikator für ruhigere Zeiten

Nach zwei turbulenten Jahren ist die apoBank wieder in ruhigeres Fahrwasser zurückgekehrt. Mit einem neu aufgestellten Vorstand, ausgebauten Geschäftsfeldern, und der Ankündigung einer Dividende ist die Bank ins neue Jahr gestartet. Und auch in den ersten Monaten 2011 stand der Kompass auf Wachstum.

apoBank: Dividende als Indikator für ruhigere Zeiten

Frischer Wind bei der apoBank.

© Ines Rüberg / apoBank

DÜSSELDORF (ger). Die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (apoBank) ist erfolgreich in das Geschäftsjahr 2011 gestartet. Die Bank erwartet ein Ergebnis, das zwar etwas niedriger ausfallen dürfte als 2010, aber wiederum eine "adäquate Dividendenzahlung" und eine Zuführung zu den Rücklagen ermöglichen wird. Das hat Vorstandssprecher Herbert Pfennig bei der Vertreterversammlung der Genossenschaftsbank in Düsseldorf in seinem Vorstandsbericht angekündigt.

Die Entwicklung der ersten fünf Monate in diesem Jahr hat nach Aussage von Pfennig ein Teilbetriebsergebnis vor Risikovorsorge in Höhe von 119 Millionen Euro ergeben, also leicht unter Vorjahr. Die Zahlen seien allerdings noch nicht testiert, so Pfennig weiter.

Die Bank habe das Wachstum bei den Darlehen an Kunden weiter fortgesetzt, und auch die Kundeneinlagen seien weiter gewachsen. Eine genaue Prognose für das Ergebnis am Jahresende könne er aber noch nicht liefern, dazu gebe es zu viele Unwägbarkeiten.

Geschäft mit angestellten Heilberuflern wird ausgebaut

Angesichts der Zunahme der Angestelltentätigkeit auch im ambulanten Sektor und sowohl bei Ärzten als auch bei Apothekern, will die Bank in Zukunft noch stärker auf angestellte Heilberufler zugehen, kündigte Pfennig weiter an. Die Bank habe 70 Berater engagiert, die ausschließlich angestellte Heilberufler betreuen. Auch Studenten sollen jetzt verstärkt angesprochen werden.

Auch Kooperationen von Freiberuflern will die Bank weiter aktiv fördern, so Pfennig weiter. "Diesem und keinem anderen Zweck dient auch unsere Beteiligung an Patiomed."

Das Konzept von Patiomed, an dem unter anderem auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung beteiligt ist, sehe vor, dass die unternehmerische Selbstständigkeit auch in größeren Einheiten gewahrt bleibt.

Pfennig: "Zudem soll Patiomed dem Berufsstand dazu dienen, den Eintritt von Nichtheilberuflern in den Markt der ambulanten Versorgung zu verhindern." Das Interesse im Kreis der Heilberufler sei groß, "eine Vielzahl von Anfragen" sei bereits eingegangen.

Nicht zuletzt wolle die Bank das Anlagegeschäft mit den Kunden weiter deutlich ausbauen. Die apoBank werde oft noch nicht ausreichend als ganzheitlicher Finanzdienstleister wahrgenommen. Mehrere Auszeichnungen, besonders in der Vermögensverwaltung, belegten eine hohe Expertise.

Neubeginn mit der neuen Führung

Nach zwei bewegten Jahren hofft die Bank mit einem neu aufgestellten Vorstand nun wieder in ruhigeres Fahrwasser zu gelangen.

Zunächst hatten 2009 die Finanzkrise und risikoreiche Geschäfte mit strukturierten Finanzprodukten erstmals in der Geschichte der Bank zu einem Verlust und zu einem Ausfall der Dividende für die Mitglieder geführt.

Im vergangenen Jahr hatte dann die sogenannte Licon-Affäre gezeigt, dass sich offenbar Mitarbeiter der Bank unrechtmäßige Vorteile verschafft hatten, was zur Abberufung zweier Vorstände führte.

Es habe sich in der Bank aber nur um einen "sehr kleinen Kreis von Mitarbeitern" gehandelt, sagte Pfennig. Zudem seien auch aus Sicht von Juni 2011 "keine Kunden zu Schaden gekommen".

Die Untersuchung habe außerdem ergeben, dass die beiden Vorstände Stefan Mühr und Claus Verfürth hätten außerdem keine strafrechtlichen Vergehen begangen haben, es werde nicht mehr gegen sie ermittelt, ergänzte später Aufsichtsratsvorsitzender Apotheker Hermann S. Keller in seinem Bericht.

Klage gegen ehemaligen Vorstände

In der Bank seien aber umfangreiche Maßnahmen getroffen worden, damit sich derartige Vorgänge nicht wiederholen können, sagte Vorstandssprecher Pfennig, unter anderem verschärfte Compliance-Regeln und ein Vier-Augen-Prinzip bei allen Geschäftsentscheidungen.

Gegen mehrere Mitglieder des früheren Vorstandes laufen allerdings noch Verfahren wegen möglicher Schadenersatzansprüche, berichtete Keller. Eine gütliche Einigung mit der Managerhaftpflichtversicherung habe nicht herbeigeführt werden können. Keller: "Wir haben Klage eingereicht."

Für das mit einem Gewinn von 53,4 Millionen Euro abgeschlossene Geschäftsjahr beschlossen die Delegierten wieder die Auszahlung einer Dividende in Höhe von vier Prozent. 20 Millionen Euro werden den Rücklagen zugeführt.

Basel III soll schon vor 2018 erreicht sein

Achillesferse der Bank, so Pfennig weiter, bleibe das Eigenkapital. Zwar sei die Kernkapitalquote 2010 von 6,2 Prozent wieder auf 7,4 Prozent erhöht worden. Mit den Regelungen von "Basel III" würden die Anforderungen an die Eigenmittelausstattungen jedoch verschärft.

"Die Stärkung der Eigenkapitalbasis hat für uns oberste Priorität", betonte Pfennig - auch um genügend Mittel zu haben, um den Heilberuflern Kredite zur Verfügung zu stellen. Ziel sei es, deutlich vor dem entscheidenden Jahr 2018 die Basel-III-Fähigkeiten zu entwickeln.

Bei der Rückführung der strukturierten, "toxischen" Finanzprodukte ist die Bank nach den Worten Pfennigs deutlich vorangekommen. Zum Stichtag der Vertreterversammlung seien diese Finanzprodukte um 35 Prozent reduziert worden.

Die Risiken in Griechenland und den anderen Euroländern in Schwierigkeiten seien für die apoBank "tragbar". Die Bank sei mit Kreditderivaten in Höhe von 100 Millionen Euro in Griechenland direkt engagiert. Das Engagement der Bank in Griechenland wurde von einigen Vertretern in der Versammlung kritisiert.

Deutsche Apotheker- und Ärztebank

Branche: Genossenschaftlich organisierte Standesbank für Heilberufe (Apotheker, Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte und ihre Organisationen und Verbände), etwa 100.000 Mitglieder

Sitz: Düsseldorf

Aktuelle Geschäftszahlen 2010: Jahresüberschuss: 53,4 Mio. Euro (2009: 283,1 Mio. Euro Verlust), Eigenmittelquote: 11,9 % (2009: 10,2 %), Kernkapitalquote: 7,6 % (2009: 6,2 %)

Mitarbeiter: 2419 (31.12.2010) (2009: 2325)

Dividende: 2010: 4 % (2009: keine Dividende)

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