Ärzte Zeitung, 27.06.2011

Anlagen-Kolumne

Für das Depot gilt zurzeit ein Reinheitsgebot

Anleger sollten aufgrund der Euro-Krise momentan lieber staatsferne Produkte in ihr Portfolio holen. Dazu zählen etwa Investmentfonds, Aktien oder Gold.

Von Gottfried Urban

Krisen befeuern den Wert von Aktien und Immobilien

Nach zähem Ringen haben die Finanzminister der Eurogruppe jetzt einen dauerhaften Rettungsschirm beschlossen. Im schlimmsten Fall muss Deutschland künftig die Summe von 211 Milliarden Euro zur Verfügung stellen. Der Garantieanteil liegt jetzt umgerechnet bei 5000 Euro pro inländischem Erwerbstätigen.

Die Währungsunion wird damit durchs Hintertürchen zur Schuldengemeinschaft. Gleichzeitig wird künftig eine Privatbeteiligung an einer Staatenpleite noch stärker thematisiert werden.Die Frage ist, ob dadurch staatsnahe Anlageformen noch so sicher sind wie vorher.

Das Dilemma: Von einem Zahlungsausfall eines Eurolandes wären zahlreiche europäische Banken betroffen. So sind einige von ihnen mit mehr als zehn Prozent ihres haftenden Eigenkapitals in Griechenland investiert. Um deren Eigenkapitalquote im "worst case" zu halten, müssten wohl die Staaten wieder als Geldgeber einspringen.

Wer auf die Garantie des Staates vertraut, der kann sein Geld auf mehrere Banken verteilen, denn in Deutschland aber auch in Spanien, Portugal und Griechenland garantiert der Staat bei einer Bankenpleite 100.000 Euro je Bank pro Einlage und Privatperson.

Allerdings sind die staatlichen Budgets bereits wesentlich stärker beansprucht als noch vor drei Jahren. Deshalb sollten sich Anleger vorsichtshalber eher staatsferne Produkte ins Portfolio holen.

Einen guten Schutz bieten Investmentfonds, wenn diese in Aktien, Gold und Industrieanleihen und nicht in Bankguthaben oder Bankschuldverschreibungen investieren. Investmentanteile sind zudem Sondervermögen, sie sind bei einer Insolvenz der Depotbank geschützt.

Auch die Einzelaktie, die im Depot liegt, gehört nicht zur Insolvenzmasse einer Bank. Die Bank verwahrt lediglich die Wertpapiere für den Kunden.

Für das Depot gilt momentan ein Reinheitsgebot: Bankschuldverschreibungen nur auf das Notwendigste beschränken. Vorsicht auch bei Zertifikaten, die als Schuldversprechen der Banken zu werten sind. Sachwerte sind derzeit die bessere Wahl - auch wenn sie teilweise hohen Wertschwankungen unterliegen.

Bei Zinsanlagen umdenken und dem Staat und der Finanzindustrie den Rücken kehren. Industrieanleihen mit guter Bonität und kurzen Laufzeiten kaufen. Ein echtes Substanzinvestment sind auch Aktien von Unternehmen, die den steigenden Bedarf der Weltbevölkerung mit essenziellen Konsumgütern bedienen.

Fein dosiert gehört nach wie vor auch Gold ins Portfolio.Aufgrund geringen Flexibilität und sich verändernden demografischen Strukturen und zum Teil überteuerter Preise sollten die Investoren der Wohnimmobilie mit Vorsicht begegnen und stattdessen die indirekte, gestreute Immobilenanlage bevorzugen.

Generell gilt: Anleger sollten sich über ihre Produkte besser informieren als in der Vergangenheit. Schließlich setzen etwa auch zahlreiche Versicherungen auf staatsnahe Zinspapiere.

Viele Rentenfonds haben nahezu ausschließlich europäische Staatspapiere oder Bankverschuldungen im Bestand. In diesem Kontext sind häufig auch Mischfonds betroffen.

Die nächste Krise kommt bestimmt. Dann gilt im Ernstfall die traditionell risikoärmere Zinsanlage als riskanter als Produktivkapital.

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