Ärzte Zeitung online, 28.07.2011

Kein Kindergeld wegen zu hohem Praktikumslohn

MÜNCHEN (fl). Erhalten Studenten wegen eines auswärtigen Praktikums eine Vergütung, sollten sie unter Umständen zwei Haushalte führen, um ihren Kindergeldanspruch aufrechterhalten zu können. Dies geht aus einem Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) in München hervor.

Denn mit zwei Haushalten können sie den Mehraufwand für Miete und Verpflegung von ihren Einkünften als Werbungskosten abziehen, so dass weiterhin ein Kindergeldanspruch bestehen kann. Bei nur einem Haushalt ist dies nicht möglich.

Im verhandelten Rechtsstreit hatte ein Informatik-Student von Oktober 2005 bis März 2006 ein Praktikum in den USA absolviert. Für seine Arbeit erhielt der Student monatlich 1400 Dollar (1128 Euro). Seinen deutschen Wohnsitz in Deutschland hatte der Student während seines USA-Aufenthaltes allerdings aufgegeben.

Wegen des Praktikums strich die Familienkasse das Kindergeld für das gesamte Jahr 2005. Der Student habe in dem Streitjahr selbstständige Einkünfte sowie den Praktikantenlohn erhalten.

Damit lagen die Gesamteinkünfte über den damaligen Jahresgrenzbetrag von 7680 Euro (heute 8004 Euro). Ein Kindergeldanspruch bestehe daher nicht, so die Familienkasse.

Der Kläger, der Vater des Studenten, argumentierte, dass von dem Praktikumslohn die Mehraufwendungen für Miete und Verpflegung als Werbungskosten noch abgezogen werden müssen. Dann würden die Gesamteinkünfte seines Sohnes wieder unter dem Kindergeld-Grenzbetrag liegen.

Der BFH wies den Kindergeldanspruch jedoch in seinem Urteil zurück. Der Student habe seinen Wohnsitz in Deutschland aufgegeben. Damit habe er während des auswärtigen Praktikums nur einen Haushalt geführt.

Der Mehraufwand für Miete und Verpflegung könne nach den gesetzlichen Regelungen jedoch nur bei einem doppelten Haushalt einkommensmindernd berücksichtigt werden. Die Familienkasse habe daher zu recht das Kindergeld gestrichen.

Az.: III R 28/09

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