Ärzte Zeitung online, 06.08.2011

Bei hohen Zinsen sollten Sparer genau hinsehen

NEU-ISENBURG (lu). 5,6 Prozent Zinsen im Jahr für einen lang laufenden Sparbrief: Was zunächst gut klingt, verdient genaueres Hinsehen. Denn die effektive jährliche Rendite kann deutlich geringer ausfallen - etwa dann, wenn die Bank die Zinsen weder ausschüttet noch verzinst.

Die Anlagezinsen steigen wieder - und das auf breiter Front. Da kann es für manches Institut sinnvoll sein, sich mit auffällig hohen Zinsen von der Konkurrenz abzuheben. So macht es etwa die estnische Big Bank, die Anlegern für einen zehnjährigen Sparbrief derzeit 5,6 Prozent an jährlichen Zinsen bietet.

Doch die jährliche Rendite liegt deutlich darunter, wie Max Herbst von der FMH-Finanzberatung errechnet hat - nämlich bei 4,55 Prozent.

Herbsts Erklärung: "Zu der Differenz zwischen den Zinsen und der jährlichen Rendite kommt es, weil diese Häuser die Zinsen für das Kapital weder dem Konto gutschreiben noch in bestimmten Intervallen ausschütten. Vielmehr werden die erhaltenen Zinsen separat geführt und ohne Zinseszins bis zum Ende der Laufzeit angesammelt und erst dann ausgezahlt."

Höhere Zinsen im Vergleich

Anleger, die ein solches Angebot wählen, verzichten im Vergleich zu einer periodisch ausschüttenden Anlage also auf Kaufkraft und im Vergleich zu einer thesaurierenden Anlage auf den Zinseszins. Im Gegenzug werden ihnen höhere Zinsen geboten.

Mit dieser Jahresrendite liegt die BIGBANK zwar noch immer an der Spitze der Banken, doch der Abstand zum Nächstplatzierten, der BKM Bausparkasse Mainz, mit einer Rendite von 4,51 Prozent im Jahr ist hauchdünn.

Neben der estnischen Bank berechnen derzeit auch die OYAK ANKER Bank sowie die Bausparkasse Wüstenrot ihre Angebote etwa für vierjährige Sparbriefe nach dieser Methode. OYAK ANKER wirbt mit einem Jahreszins von 3,15 Prozent; die Jahresrendite bewegt sich indes bei 3,01 Prozent. Wüstenrot zahlt 2,11 Prozent Zinsen, die tatsächliche Rendite liegt bei 2,05 Prozent im Jahr.

Zinsberechnung in Europa verbreitet

Diese Methode der Zinsberechnung ist in einigen Ländern Europas verbreitet, fristet in Deutschland aber ein Schattendasein. So zahlt etwa der österreichische Staat für zehnjährige Bundesschatzbriefe einen jährlichen Zins von vier Prozent, während die deutsche Bundesanleihe mit gleicher Laufzeit derzeit deutlich unter drei Prozent rentiert. Im Gegenzug zahlt Wien die Zinsen am Laufzeitende.

Sparer, die sich für eine attraktiv wirkende längerfristige Anlage interessieren, sollten sich daher genau über die Angebote informieren und nicht nur die Zinsen, sondern auf jeden Fall auch die jährliche Renditen miteinander vergleichen.

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Max Herbst (56)

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