Ärzte Zeitung online, 09.08.2011

Aktien-Crash stellt den von 2008 in den Schatten

Die Schuldenkrise 2.0 ist da: Diesmal sind es nicht die Schulden der Banken, sondern jene der Staaten, die die Aktienmärkte in den Abgrund reißen. Diese neuartige Dimension zeigt sich daran, wie heftig der Absturz ausfällt. So hat der DAX innerhalb von sieben Handelstagen sage und schreibe bis zu einem Fünftel seines Wertes verloren und damit wie viele andere Indizes den jüngsten Aufwärtstrend seit 2009 klar beendet. Die Profiteure des derzeitigen Angstpegels sind die Krisenwährung Gold sowie ausgerechnet die Staatsschulden bestimmter Länder. Dazu gehören etwa die USA, deren Rating heruntergestuft wurde.

Aktien-Crash stellt den von 2008 in den Schatten

Der DAX ging auch am zehnten Tag in Folge in den Keller.

© Dan Race/fotolia.co

Von Jürgen Lutz

Ein solcher Crash war im vergangenen Jahrzehnt nur im Herbst 2008 zu beobachten, als der DAX im Zuge der Lehman-Pleite 2000 Punkte verlor.

Damals handelte es sich jedoch um die späte Phase eines Ausverkaufs, der Index hatte bereits 25 Prozent an Wert verloren, bevor der Bankrott von Lehman ihn von 6000 auf 4000 Punkte einbrechen ließ.

Ganz anders die aktuelle Situation: Noch vor Kurzem schienen die Aussichten für Aktien gut.

Auf konjunktureller und fundamentaler Seite sprachen die relativ stabile Verfassung der Konjunktur und die hohen Gewinne der Unternehmen gegen einen Einbruch der Aktien; insbesondere für deutsche Unternehmen schien die Situation aussichtsreich, wie entsprechend orientierte Analysten immer wieder betonten.

Charttechniker zogen Grenze bei 7000 Punkten

Auch die Charttechnik gab zunächst keine augenfälligen Signale für einen Crash: So notierte der Index mit 7200 Punkten, direkt vor dem Absturz, oberhalb wichtiger Gleitender Durchschnitte wie der 200-Tage-Linie.

Anfang Juli sah es sogar so aus, als wollten die Bullen die Marke von 7500 Punkten nehmen und damit einen erneuten Anlauf auf das Allzeithoch bei rund 8000 Zählern starten.

Zuvor hatte sich der DAX mit der Ausnahme des Fukushima-Einbruchs im März über Monate hinweg zwischen 7000 und 7500 Punkten seitwärts bewegt.

Linie lag bei 7000 Punkten

Eben wegen dieses Seitwärts-Korridors konnten Anhänger der technischen Analyse anders als fundamental orientierte Analysten eine klare Grenze benennen, ab der Aktieninvestments ein erhöhtes Risiko aufwiesen würden. Diese Linie lag bei rund 7000 Punkten.

Wenn der Dax per Wochenschluss unter dieser Marke schließen würde, wäre der Aufwärtstrend beendet.

Dass die Marke auf diese extreme Weise gerissen würde, dürfte aber selbst die eingefleischtesten Pessimisten verblüfft haben. Gleich mehrere wichtige Marken wurden gleichsam hinweggefegt:

Aufwärtstrend: Der Aufwärtstrend, der im März 2009 begann und im Sommer 2010 sowie Frühjahr 2011 getestet wurde und bei rund 7100 Punkten verläuft, ist definitiv gebrochen.

200-Tage-Linie: Ebenfalls gerissen wurde die 200-Tage-Linie. Notieren die Kurse unterhalb dieser Linie, dominieren in der Regel die Verkäufer. Aktuell liegt der Dax rund 1000 Punkte unterhalb dieses Durchschnitts.

Seitwärts-Korridor: Der Korridor zwischen 7000 und 7500 Punkten, der über viele Monate hinweg das Geschehen bestimmte, wurde extrem schnell nach unten durchbrochen.

Ähnlich wie beim DAX stellt sich die Situation bei anderen relevanten Aktienindizes dar. Das Fazit in Bezug auf den Deutschen Aktienindex: Nach diesem ungewöhnlichen Crash muss es irgendwann zu einer Gegenreaktion kommen, die unter Umständen sehr heftig ausfallen kann.

Doch selbst wenn es in den kommenden Wochen zu einem Anstieg bis auf 7000 Punkte käme, würde das noch nicht bedeuten, dass sich der Aufwärtstrend fortsetzen würde. Dies wäre erst dann der Fall, wenn der Index die 7000er-Marke auf überzeugende Weise hinter sich ließe.

Von der Krise profitieren ausgerechnet Staatsanleihen

Besonders kurios ist, dass dem Desaster bei den Aktien ausgerechnet Kursgewinne bei jenen Staatsanleihen gegenüberstehen, die (noch) als sicher erachtet werden - etwa den Schuldtiteln Deutschlands und der USA.

So haben die entsprechenden Finanzinstrumente an den Terminbörsen vor allem seit dem 1. August deutlich zugelegt, was die Zinsen für Staatsschulden drückt.

Das heißt: Institutionelle und / oder private Anleger sind bereit, diesen Ländern trotz der sehr geringen Rendite und der Risiken Geld zu leihen.Gold dient immer mehr als Papiergeld-Ersatz.

Gold ein Gewinner

Der zweite große Gewinner der Staatsschulden-Krise ist Gold. Das Edelmetall ist seit 2001 in einem klaren Aufwärtstrend, der sich aktuell weiter zuspitzt und bald "Luft" ablassen könnte. Gold wird aktuell nicht aus Angst vor Inflation gekauft, sondern eher als Ersatz-Währung für Papiergeld, sei dies nun Euro oder Dollar.

Wäre es anders, würden auch die Notierungen für Silber, Öl, Kupfer und andere Rohstoffe neue Hochs erreichen. Dies ist aber nicht der Fall, wie der Dow Jones AIG-Index zeigt, der die Preisentwicklung der Rohstoffe zusammenfasst: Der Index hat seit Mai rund 15 Prozent an Wert verloren.

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