Ärzte Zeitung online, 10.08.2011

Ärzte können Eltern beim Steuer sparen helfen

MÜNCHEN (mwo). Empfehlen Ärzte einem Kind den Besuch einer Hochbegabtenschule, sollten sie die medizinischen Gründe genau dokumentieren. Den Eltern können sie dadurch zu beträchtlichen Steuerersparnissen verhelfen, wie aus einem Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) in München hervorgeht.

Internatsbesuch Hochbegabter aus medizinischen Gründen steuerlich absetzbar

Der Bundesfinanzhof in München stellte nun klar, dass die Kosten als außergewöhnliche Belastung absetzbar sind, vorausgesetzt, der Schulbesuch war aus medizinischen Gründen angezeigt.

© dpa

Nach diesem Urteil können Eltern die Kosten für den Besuch einer Hochbegabtenschule als außergewöhnliche Belastungen von der Steuer absetzen, wenn dieser Schulbesuch aus medizinischen Gründen indiziert ist, etwa wegen Verhaltensstörungen oder Depressionen.

Hintergrund des Rechtsstreits war die Hochbegabung eines Schülers aus Bayern. Der 1987 geborene Junge hat einen Intelligenzquotienten von 133 und wechselte von der zweiten in die vierte Grundschulklasse.

Trotzdem war er danach auch auf dem normalen Gymnasium total unterfordert. Er verhielt sich seinen Mitschülern gegenüber aggressiv, war antriebslos und nahm nicht mehr richtig am Unterricht teil.

Nur schottisches Internat kommt infrage

Sowohl der Allgemeine Sozialdienst als auch die Hausärztin empfahlen den Besuch eines schottischen Hochbegabteninternats. Der Junge leide an einem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom und Depressionen.

Da es in Deutschland keine angemessene Schule für Kinder seines Jahrgangs gebe, komme nur der Besuch des schottischen Internats infrage. So könnten seelische und soziale Schädigungen vermieden werden.

Die Schul- und Internatskosten zwischen 23.000 und über 26.000 Euro pro Jahr machte der Vater des Jungen bei der Steuer als außergewöhnliche Belastung geltend. Das Finanzamt lehnte dies ab.

BFH: Kosten sind absetzbar

Der BFH stellte nun klar, dass die Kosten als außergewöhnliche Belastung absetzbar sind, vorausgesetzt, der Schulbesuch in Schottland war aus medizinischen Gründen angezeigt.

Dann seien die geltend gemachten Kosten als unmittelbare, von der Steuer abzusetzende Krankheitskosten anzusehen. Dass dies hier der Fall war, muss aus formalen Gründen nun das Finanzgericht München ausdrücklich feststellen.

Az.: VI R 37/10

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »