Ärzte Zeitung online, 17.08.2011

"Der Aktien-Crash geht auf das Konto der Politiker"

Der Aktiencrash auf Raten hat vergangene Woche tiefe Spuren in den Depots und Nerven vieler Privatanleger hinterlassen. Der Dax verbuchte bis zu 25 Prozent Verlust. Die bange Frage der Anleger: Wie wird es an den Börsen weitergehen?

Von Jürgen Lutz

Für Stephan Albrech, Vorstand der Albrech & Cie. Vermögensverwaltung AG in Köln, ist klar: "Der Tonart-Wechsel von der gut laufenden Konjunktur in Deutschland und einem starken Dax hin zu einer gewaltigen Rezession wegen der Staatsschulden-Krise und einem Aktieneinbruch ist mir zu krass."

Es sei bekannt, dass die Weltwirtschaft nicht mehr mit den Raten wachsen könne wie 2009 und 2010. Von einem Schrumpfen der Wirtschaft könne aber keine Rede sein.

Als Motor hinter dem Kursverfall an den Aktienmärkten sieht Albrech die Marktteilnehmer an den Terminbörsen. Dort können große Adressen über Futures-Kontrakte - letztlich Wetten auf die Zukunft - die Märkte beeinflussen.

Dafür müssen sie nur einen Teil des bewegten Kapitals als Sicherheit hinterlegen. Vor dem Hintergrund der Staatsschuldenkrise und der damit verbundenen Verunsicherung der Märkte ein ideales Umfeld, um mit Gerüchten Kasse zu machen - etwa mit der "Nachricht" einer Schieflage bei der französischen Großbank Société Générale.

Dass ausgerechnet die für die Krise verantwortlichen Staaten vom gewaltigen Aktieneinbruch profitieren, indem die Zinsen für Staatsanleihen wegen des Ansturms auf "sichere Häfen" sinken, ist für Albrech eine besondere "Ironie der Geschichte".

Europa vor den Tagen der Wahrheit

Ähnlich sieht es Jörg Bohn, Vorstand und Chefstratege bei der Artus Direct Invest AG mit Sitz in Düsseldorf und Frankfurt. Die Gründe für die erheblichen Verwerfungen an den Märkten sind nach seiner Meinung in erster Linie in der politischen Gemengelage zu suchen.

Die Europäische Union stehe aktuell vor zwei Alternativen. Entweder werde sie Euro-Anleihen ausgegeben, was bedeute, dass Deutschland für die Schulden anderer Staaten mit hafte.

Dieser "logische Schritt nach den Hilfs- und Rettungspaketen für die Peripheriestaaten" könnte dann für Ruhe an den Märkten sorgen, so Bohn.

Die zweite Alternative sei "eine Teilung in einen starken Kern-Euro und einen schwachen Süd-Euro", was den südeuropäischen Ländern eine Abwertung ihrer neuen Währung erlaube.

Gute Aktien zu günstigen Preisen

Die Artus Direct Invest AG, die einen trendfolgenden Ansatz anwendet, hatte in ihren vermögensverwaltenden Dachfonds die Investitionsquote in Aktien und Rohstoffen bereits Ende Juni stark reduziert.

"Derzeit halten wir in den Fonds aufgrund unseres Risikomanagements eine durchschnittliche Cash-Quote von 75 Prozent, der Rest steckt in Rentenwerten", sagt Bohn.

Albrech hat nach eigenen Worten die Aktienquote in der ersten Augustwoche verringert und mit entsprechenden Terminkontrakten einen Teil der verbleibenden Bestände abgesichert.

"Als der Dax jedoch an der 6000-Punkte-Marke kratzte, haben wir einzelne Papiere eingesammelt. Denn solide aufgestellte Gesellschaften mit guter Bilanz und hoher Dividendenrendite sind bei diesen Bewertungen wieder kaufenswert", so seine Überzeugung. Das derzeit in sicheren Staatsanleihen investierte Kapital soll nach und nach in solche Titel investiert werden.

Viel Hoffnung auf eine schnelle Beruhigung der Lage können die beiden Vermögensverwalter jedoch nicht machen. Vielmehr gehen sie davon aus, dass die Staatsschuldenkrise die Aktienmärkte weiter in Atem halten wird und rechnen daher auch für die kommenden Wochen mit hohen Schwankungen.

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