Ärzte Zeitung, 22.08.2011

PLATOW Empfehlungen

Jerónimo Martins: Was folgt nach dem Polen-Coup?

Portugal gehörte 2010 nicht gerade zu den bevorzugten europäischen Anlageregionen. Staatsverschuldung und eine Arbeitslosenquote von rund zehn Prozent prägten das Bild. Umso bemerkenswerter ist die Kursentwicklung von Jerónimo Martins. Während der Portuguese Stock Index 20 um 10,3 Prozent nachgab, stieg die Aktie der Supermarktkette um 63,2 Prozent. Im laufenden Jahr geht es ebenfalls aufwärts.

Seit dem 1.1.11 liegt der Titel rund neun Prozent vorn. Die Ursache für die Outperformance lässt sich schnell ausmachen. Im Jahr 1997 übernahm das familienbeherrschte Unternehmen die polnische Biedronka-Kette. Damit fiel der Startschuss für eine klassische Wachstumsgeschichte à la "Emerging Markets".

Von damals 48 Niederlassungen stieg die Zahl der Biedronka-Filialen per 30.6. auf 1707. Im ersten Semester 2010 wuchsen die Polen-Erlöse flächenbereinigt noch einmal um 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Umsatzanteil lag konzernweit bei 59,9 Prozent.

Da es auch im Heimatmarkt gut lief, verbuchten die Portugiesen zum Halbjahr Gesamterlöse von 4,75 Milliarden Euro (+17,5 Prozent). Dank Skaleneffekten gelang ein Überschuss von 144 Millionen Euro (+41,4 Prozent). Bis Jahresende sollen Erlöse und EBITDA prozentual zweistellig zulegen. Daneben will das Unternehmen sukzessive seine Verschuldung abbauen.

Das Verhältnis von Nettoschulden zu Eigenmitteln, das Mitte 2010 bei über 71 Prozent lag, ist mittlerweile auf 39,5 Prozent gesunken.Damit ist der Grundstein für "Biedronka II " gelegt. Weitere Übernahmen sind daher nicht ausgeschlossen und sorgen für Kursfantasie. So sehr der Wachstumspfad jenen der Emerging-Markets-Supermarktketten gleicht, so sehr gilt dies allerdings auch für die Bewertung.

Der Titel der Portugiesen kommt auf ein sportliches 2012er-Kurs-Gewinn-Verhältnis von 19. Das sorgt für Volatilität: Im Zuge des August-Ausverkaufs touchierte die Aktie kurzzeitig ihre Unterstützungsregion bei rund 11 Euro, die sich aber als haltbar erwies. Anleger bauen sich eine kleine Position bis 12,30 Euro auf und steigen über den NYSE Euronext ein.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »