Ärzte Zeitung, 28.09.2011

Bauzinsen: Historische Tiefs in Sichtweite

Gute Nachrichten für Haus- und Wohnungskäufer: Die Zinsen für Baudarlehen könnten als Effekt der Schuldenkrise in Europa schon bald auf ein neues Allzeittief sinken. Derzeit bewegen sich die Zinsen für zehnjährige Hypotheken exakt auf dem Niveau des historischen Tiefs.

Von Jürgen Lutz

Bauzinsen: Historische Tiefs in Sichtweite

Die Kosten für die Finanzierung eines Eigenheims sinken wieder - eine Chance für Bauherren.

© Alterfalter / fotolia.com

FRANKFURT/MAIN. Nach dem bisherigen Tief der Bauzinsen im September vergangenen Jahres kam es in den folgenden Monaten zu einem kräftigen Zinsanstieg: Zehnjährige Darlehen kosteten im frühen Sommer 2011 knapp vier Prozent.

Viele Experten rechneten aufgrund der stabilen Konjunktur in Deutschland mit einer Fortsetzung dieses Trends hin zu steigenden Zinsen und rieten damals zum schnellen Abschluss eines Baudarlehens oder eines Forward-Darlehens.

Schwer vorhersehbar war damals, wie heftig die Schuldenkrise im Euro-Raum Einfluss auf die Zinsen nehmen würde.

Einer der wenigen Marktbeobachter, die schon früh warnten, dass die Bauzinsen nicht ungebremst weiter steigen würden, war Max Herbst. Der Inhaber der FMH-Finanzberatung vertrat im Juli 2011 den Standpunkt, "dass die Schuldenprobleme im Euro-Raum immer wieder aufflammen werden".

Mehrere tausend Euro Einsparung möglich

Solange Deutschland als Hort der Sicherheit gesehen werde, könnten die Baugeldzinsen nicht substanziell steigen, so Herbsts Meinung.

Folglich rechnete er mit leicht sinkenden Hypothekenzinsen und riet angehenden Bauherren und Immobilienkäufern, sich mit dem Abschluss eines Bau- oder eines Forward-Darlehens Zeit zu lassen.

Wer sich daran hielt, kommt nun an weitaus günstigere Angebote als im Frühjahr oder Sommer und kann so über die Jahre hinweg mehrere tausend Euro sparen.

Begnügen mit Mini-Renditen?

Werden die Zinsen noch weiter sinken? Ein Indiz dafür ist die Rendite aller umlaufenden öffentlichen Anleihen. Die Umlaufrendite hat am 23. September mit 1,49 Prozent ein Allzeittief erreicht, das deutlich unter jenem vom September 2010 bei 1,87 Prozent liegt.

Diese extrem niedrige Rendite spiegelt die Angst der Anleger wider, die sich offenbar mit Mini-Renditen begnügen, wenn sie ihr Geld nur sicher anlegen können.

Allgemein gilt: je niedriger die Umlaufrendite, desto niedriger die Bauzinsen. Allerdings hat die Rendite der Pfandbriefe, die ebenfalls Einfluss auf die Höhe der Bauzinsen haben, ihr Tief vom September 2010 noch nicht unterschritten.

Jetzt mit gutem Gewissen zuschlagen

Ob Hauskäufer auf einen weiteren Zinsverfall wetten sollten, steht auf einem anderen Blatt. Für Herbst, der die Zinsmärkte seit 25 Jahren auswertet, stellt ein jährlicher Darlehenszins von 3,6 Prozent für ein 15-jähriges Baudarlehen "ein ausgezeichnetes Angebot" dar.

Wer sich mit dem Gedanken trage, sehr bald eine Immobilie zu finanzieren, könne daher jetzt guten Gewissens zuschlagen. Ansonsten empfiehlt er, den Markt in aller Ruhe zu beobachten und Forward-Darlehen derzeit nicht abzuschließen.

Der Grund: Eine substanzielle Umkehr des Abwärtstrends bei den Bauzinsen in den nächsten Wochen und Monaten sei unwahrscheinlich.

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