Ärzte Zeitung, 16.11.2011

Kabinett beschließt niedrigeren Rentenbeitrag

BERLIN (dpa). Das Bundeskabinett hat die Senkung des Beitragssatzes in der Rentenversicherung von 19,9 auf 19,6 Prozent beschlossen.

Die Ermäßigung soll Anfang 2012 wirksam werden und Arbeitnehmern sowie Arbeitgebern gleichermaßen zu gute kommen.

Möglich wird der Schritt durch die gute Entwicklung am Arbeitsmarkt, die bei den Rentenkassen die Beitragseinnahmen sprudeln lässt. Die Beitragssatzsenkung bringt einem Durchschnittsverdiener eine Entlastung von 3,75 Euro im Monat.

Zugleich zeichnet sich ab, dass die Rentner Mitte kommenden Jahres auf eine deutliche Erhöhung zwischen 2,3 Prozent im Westen und 3,2 Prozent im Osten hoffen können.

Nicht profitieren werden von der Senkung des Beitragssatzes Gutverdiener im Westen mit einem Einkommen von mehr als 5600 Euro monatlich.

Sie müssen wegen der Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze 2012 sogar geringfügig mehr in die Rentenversicherung einzahlen.

[17.11.2011, 13:20:22]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
'Milchmädchenrechnung' der -dpa-
Hier macht die Deutsche Presseagentur -dpa- wie so häufig eine 'Milchmädchenrechnung' auf: Was o b e r h a l b der Beitragsbemessungsgrenze (BBG) der Deutschen Rentenversicherung (DRV) Brutto verdient wird, bleibt grundsätzlich b e i t r a g s f r e i!

Die BBG der DRV liegt derzeit bei 4.800 € mtl. Brutto (Ost) und 5.500 € (West) und wird ab 1.1.2012 nur im Westen auf 5.600 € angehoben. Arbeitnehmer (AN), die heute 2.000 € verdienen, zahlen paritätisch mit dem Arbeitgeber (AG) 19,9 %, also 398 €; ab 2012 sind es mit 19,6 % noch 392 €. AN und AG "sparen" damit je 3 Euro mtl.! Einkommen von mtl. 4.800 € RV-Brutto in 2011 machen 955,20 € und in 2012 nur noch 940,80 € für die DRV. Differenz 14,40 €, die AN und AG hälftig sparen.

Wer 8.000 € mtl. verdient, zahlt im Westen dieses Jahr mit 1.094,50 € 13,68 % statt 19,9 % an die DRV; im nächsten Jahr 1.097,60 € oder 13,72 %. In den Neuen Bundesländern (Ost) zahlt diese Spitzenverdiener-Gruppe jetzt 955,20 € mtl. (11,94 %) und in 2012 mtl. 940,80 € (11,76 %).

Gut- und Spitzenverdiener in den Neuen Bundesländern unserer Republik sparen bei den DRV-Beiträgen in jedem Fall proportional mit wachsendem Einkommen. In den Alten Bundesländern des Westens sparen die Gutverdiener bis 5.500 € mtl. in jedem Fall 0,3 Prozent. Spitzenverdiener (West) "verschlechtern" bei 8.000 € ihre satten Einsparungen bei der DRV um volle 0,04 Prozent, bleiben aber mit 13,72 noch deutlich u n t e r 19,6 Prozent Pflichtbeitrag der Mehrheit.

Die -dpa- führt in die Irre, wenn sie verschweigt, dass jeder einzelne Euro ü b e r 5.600 € RV-Brutto b e i t r a g s f r e i bleibt.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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