Ärzte Zeitung, 05.12.2011

Ärzte schätzen die vorgezogene Altersrente

Jeder zweite Arzt, der bei der Nordrheinischen Ärzteversorgung einen Rentenneuantrag stellt, möchte vorzeitig in den Ruhestand gehen. Dass dafür weniger Rente ausgezahlt wird, stört die Ärzte nicht.

Von Ilse Schlingensiepen

Ärzte schätzen die vorgezogene Altersrente

Je früher, je lieber: Die vorgezogene Altersrente erfreut sich bei Ärzten in Nordrhein einer zunehmenden Beliebtheit.

© matthias21 / fotolia.com

DÜSSELDORF. In Nordrhein erfreut sich die vorgezogene Altersrente großer Beliebtheit, obwohl die Ärzte für den frühzeitigen Bezug einen Abschlag in Kauf nehmen müssen.

Im vergangenen Jahr zielten knapp über die Hälfte der 565 Rentenneuanträge auf eine vorgezogene Altersrente. 2009 hatte der Anteil 48 Prozent betragen.

Länger arbeiten und die Zahlungen erst später in Anspruch nehmen wollten dagegen vergleichsweise wenige Ärzte. "Nur etwa acht Prozent der Rentenzugänge hatten den Rentenbeginn hinausgeschoben", berichtete Professor Dirk Lepelmeier, Geschäftsführer der Nordrheinischen Ärzteversorgung (NAEV), auf der Kammerversammlung der Ärztekammer Nordrhein.

Auf die Regel-Altersrente entfiel ein Anteil von 38,5 Prozent, bei 4,1 Prozent der Antragsteller ging die Berufsunfähigkeits- in die Altersrente über.

Ein Jahr früher in Rente - das kostet 5,5 Prozent

Ärzte, die bei der NAEV ein Jahr früher als vorgesehen mit dem Rentenbezug beginnen, müssen einen Abschlag von 5,5 Prozent in Kauf nehmen, bei zwei Jahren sind es 10,6 Prozent, bei fünf Jahren 24,0 Prozent.

Für Mediziner, die ab dem 1. Januar 2012 Mitglieder der NAEV werden, verschiebt sich der frühestmögliche Rentenbeginn von 60 Jahren auf 62 Jahre. Damit folge das Versorgungswerk den Änderungen in der gesetzlichen Rentenversicherung, erläuterte Geschäftsführer Dr. Gerhard Rosler.

Es sei wichtig, die Vergleichbarkeit mit dem gesetzlichen System herzustellen. "Dann sind die Beiträge, die Sie an uns leisten, steuerlich absetzbar", erläuterte er den Delegierten.

2010 betrug die Altersrente im Durchschnitt 2650 Euro

Ende 2010 hatte die NAEV 46.155 Mitglieder, das waren 2,9 Prozent mehr als 2009. Mehr als die Hälfte (52,3 Prozent) waren angestellte Ärzte, 27,9 Prozent niedergelassene Ärzte. Das Beitragsaufkommen stieg um 3,8 Prozent auf 481 Millionen Euro. Die gezahlten Versorgungsleistungen legten um 3,2 Prozent auf 439 Millionen Euro zu.

"Die durchschnittliche Altersrente im Jahr 2010 betrug 2650 Euro", berichtete Lepelmeier. Wenn die NAEV 2010 eine Altersrente neu zugesagt hatte, betrug sie durchschnittlich 2555 Euro. Wie im Vorjahr lagen elf Prozent der Altersrenten über 4000 Euro.

Das nordrheinische Versorgungswerk hatte Ende 2010 einen Kapitalanlagebestand von 9,5 Milliarden Euro, 4,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Kapitalrendite lag vor außerordentlichen Positionen bei 4,22 Prozent und nach außerordentlichen Positionen bei 4,07 Prozent.

Lepelmeier verwies auf die unsichere Situation auf den Kapitalmärkten und das niedrige Zinsniveau. Die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen lägen seit dem Sommer 2011 unter zwei Prozent und damit sehr deutlich unter dem kalkulatorischen Rechnungszins der NAEV von 4,0 Prozent, betonte er. "Die weitere Entwicklung bleibt nicht ohne Sorge abzuwarten."

Das Versorgungswerk hat unterdessen nach Angaben von Lepelmeier die Mitgliederinformation und -betreuung weiter ausgebaut.

Die NAEV-Mitglieder haben die Möglichkeit, ihre voraussichtliche Rentenleistung selbst zu berechnen. Dieses nach eigenen Angaben einmalige Angebot wird inzwischen von rund 25 Prozent der Mitglieder in Anspruch genommen.

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