Ärzte Zeitung, 17.01.2012

Schweiz: Mieter leben günstiger als Immobilienkäufer

Die Immobilienpreise in der Schweiz sind in den vergangenen Jahren kräftig gestiegen - hingegen haben die Wohnungsmieten kaum zugelegt.

Von Richard Haimann

ZÜRICH. Ärzte, die in der Schweiz eine Anstellung annehmen oder sich niederlassen wollen, sollten sich genau überlegen, ob sie in der Alpenrepublik Wohneigentum erwerben oder besser zur Miete wohnen. Denn die Preise von Häusern und Eigentumswohnungen sind in den vergangenen Jahren drastisch gestiegen.

Die Wertsteigerung ist in vielen städtischen Räumen so dramatisch, dass die Schweizer Nationalbank (SNB) sogar von einer Spekulationsblase spricht.

Nach Studien der SNB und der Immobilienberatungsgesellschaft Wüest & Partner haben sich Eigentumswohnungen nicht nur in Großstädten wie Basel, Genf und Zürich in den vergangenen Jahren deutlich verteuert.

Auch in Urlaubsorten massive Preissteigerungen

Auch in zahlreichen kleineren Urlaubsorten sind die Preise massiv gestiegen. In Gstaad müssen Käufer danach heute 62 Prozent mehr für eine Immobilie zahlen als noch im Jahr 2008. 13.900 Franken - 11 393 Euro - kostet im Schnitt der Quadratmeter Wohnraum.

In Oberengadiner Orten wie Pontresina, Silvaplana und Zuoz ist der durchschnittliche Quadratmeterpreis im selben Zeitraum um 46 Prozent auf 13.400 Franken - 10.984 Euro - gestiegen.

"In St. Moritz werden Einfamilienhäuser in sehr guten Lagen heute für bis zu 24,5 Millionen Euro gehandelt", sagt Vivien Engler, Geschäftsführerin von Engel & Völkers Wohnen Schweiz. Die Quadratmeterpreise von Eigentumswohnungen liegen im Nobelort in der Spitze bei 33.000 Euro.

Die Wohnungsmieten haben sich dagegen in den vergangenen Jahren kaum verändert. Nach der jüngsten Untersuchung der Schweizer Statistikbehörde ist die Durchschnittsmiete für eine Vierzimmerwohnung seit 2008 nur von 1354 auf 1412 Franken (1177 Euro) gestiegen.

"In einigen Marktregionen sind die Mieten sogar stabil geblieben oder haben sich leicht rückläufig entwickelt", schreiben die Analysten von Wüest & Partner in ihrer jüngsten Studie.

Der Finanzkrise geschuldet

Dass die Immobilienpreise dennoch massiv gestiegen sind, liegt an der Finanzkrise: Um ihr Geld in Sicherheit zu bringen, erwarben Schweizer und vermögende Ausländer in den vergangenen drei Jahren massiv Immobilien im Alpenland.

Der Trend wurde noch dadurch verschärft, dass die Schweiz 2008 die Lex-Koller-Regelung aufweichte. Das nach dem früheren Bundesratsmitglied Arnold Koller benannte Gesetz hatte seit 1983 den Erwerb von Grundeigentum durch Ausländer massiv beschränkt.

Inzwischen dürfen Nicht-Schweizer in den meisten Kantonen problemlos Immobilien erwerben, ohne ihren Wohnsitz dauerhaft in das Land verlegen zu müssen.

Deutsche Ärzte, die eine Ferienimmobilie in der Schweiz erwerben wollen, sollten sich in weniger mondänen Urlaubsregionen umsehen. Nach der Studie von Wüest & Partner sind die Preise von Zweitwohnsitzen in Orten wie Bellwald, Goms, Leukerbad und Vals seit 2008 nur verhalten gestiegen.

Der Grund: Die Infrastruktur dieser Orte kann nicht mit Nobeldestinationen wie St. Moritz mithalten. Es gibt weniger Bergbahnen und kaum Golfplätze. Dafür aber viel Ruhe für gestresste Arztseelen.

Lesen Sie dazu auch:
Schweiz: Mieter leben günstiger als Immobilienkäufer
Schweiz öffnet Grenzen für Fachärzte
Niedrige Courtage und Maklergebühr in der Schweiz
Fallpauschalen in Schweizer Kliniken eingeführt
Seminare bereiten Ärzte aufs Arbeiten im Ausland vor

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Resistente Keime bedrohen Fortschritte aus Jahrzehnten

Jeder vierte Todesfall durch Antibiotika-resistente Keime weltweit wird durch Tuberkulose (TB) bedingt. Um die Situation zu verbessern, reichen neue Arzneien aber nicht aus, betonen TB-Experten. mehr »

Regelmäßiges Frühstück ist offenbar gut fürs Herz

Wer regelmäßig frühstückt, beugt damit offenbar kardiovaskulären Erkrankungen vor, berichtet die American Heart Association (AHA). mehr »

Sperma-Check per Smartphone-App

Millionen von Paaren weltweit wollen ein Kind, doch es klappt nicht. Die Ursachen liegen in etwa der Hälfte der Fälle beim Mann. Ein einfacher Test könnte Männern künftig die Untersuchung ihres Spermas erleichtern. mehr »