Ärzte Zeitung, 10.02.2012

Starker Export begünstigt den Aktienmarkt

Im Rekordjahr 2011 hat die deutsche Exportwirtschaft die Marke von einer Billion Euro geknackt. Auch wenn die Industrie für 2012 mit einem bescheideneren Aufschwung rechnet, sind Automobilwerte wieder interessant.

Von Harald Schmidt und Jörn Bender

Starker Export begünstigt den Aktienmarkt

Autos für die Welt: Dank guter Exporte sind deutsche Autowerte bei Anlegern wieder gefragt.

© Ingo Wagner / dpa

FRANKFURT/MAIN. Der unerwartet schlechte Jahresabschluss bringt die deutschen Exporteure nicht aus der Fassung: "Auch 2012 ist der Export trotz vieler Rezessionsängste auf Kurs zu einem neuen Allzeithoch", gibt sich Anton F. Börner zuversichtlich.

Auf Europa, das unter Schuldenbergen ächzt und von Sparpaketen gebremst wird, setzt der Präsident des Außenhandelsverbands BGA dabei nicht: Die großen Antreiber des deutschen Exportmotors sollen Boom-Länder wie China, Indien oder Brasilien sein.

Besonders die deutschen Autobauer setzen zudem auf eine starke Entwicklung in den USA.

Noch immer ist Luft nach oben

Dass sich die Dynamik der vergangenen beiden Jahre nicht wiederholen lässt, nimmt die Exportbranche gelassen hin. Schließlich strotzt sie vor Kraft wie nie: Die Exporteure blicken auf ein Rekordjahr zurück, in dem der Wert der ausgeführten Waren erstmals die Marke von einer Billion Euro übersprungen hat.

Auf diesem Niveau lässt sich aufbauen, auch wenn die Exporte von November auf Dezember 2011 überraschend deutlich um 4,3 Prozent zurückgingen.

Zumal noch immer Luft nach oben ist. So warnt der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) zwar vor wachsenden Risiken der Weltwirtschaft, erwartet aber einen weiteren Anstieg der Ausfuhren. Dieser dürfte mit rund drei Prozent jedoch bescheiden ausfallen im Vergleich zum kräftigen Plus von 11,4 Prozent 2011 und von 18,5 Prozent zuvor.

Denn insbesondere die Unsicherheiten im Euroraum drücken die Stimmung. "Es ist möglich, dass der Euro in seiner heutigen Form in einem halben Jahr nicht mehr besteht", sagt Christian Grimme, Außenwirtschaftsexperte am Ifo-Institut.

Auch Börner tritt auf die Euphorie-Bremse: "Trotz des positiven Ausblicks machen wir uns Sorgen um Europa." Dabei schienen die Risiken zuletzt auf dem Rückmarsch, wie Commerzbank-Ökonomin Ulrike Rondorf betont: "Die von der Staatsschuldenkrise ausgehende Unsicherheit ist deutlich zurückgegangen, so dass die allgemein sehr guten Rahmenbedingungen für die deutsche Wirtschaft - wie die niedrigen Zinsen - wieder stärker ihre Wirkung entfalten können."

Dax könnte über 7000 Punkte steigen

Der Deutsche Aktienindex (Dax) profitiert aktuell vom anhaltenden Exportboom und könnte nach Einschätzung von Börsenexperten über 7000 Punkte steigen. Für Anleger sind die Voraussetzungen für den Kauf von Aktien daher momentan günstig.

Die Zuversicht mit angezogener Handbremse zieht sich quer durch die großen Industriebranchen. So hinterließ die nachlassende Dynamik der Weltkonjunktur zuletzt zwar Bremsspuren in den Auftragsbüchern des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus - allerdings auf hohem Niveau, so der Branchenverband VDMA.

Immerhin konnte die exportorientierte Industrie ihre Ausfuhren in den ersten elf Monaten 2011 in alle großen Märkte zweistellig steigern. Das gilt für China ebenso wie für Frankreich oder die USA. Dabei ist die Branche überzeugt, dass ihre Produkte auch künftig in aller Welt gefragt sein werden. "Wir bleiben für 2012 verhalten optimistisch", sagt VDMA-Konjunkturexperte Olaf Wortmann.

Die deutsche Elektronikindustrie sieht sich ebenfalls weiter im Aufwind, wenn auch mit weniger Schwung als zuletzt. Der Chefvolkswirt des Branchenverbands ZVEI, Andreas Gontermann, erwartet ein Produktionsplus von fünf Prozent. Zum Vergleich: 2011 legte die Produktion um 13 Prozent zu, 2010 um 14 Prozent.

Dass die Branche zuletzt vor allem von einem starken Inlandsgeschäft zehrte, sorgt Gontermann nicht: "Hinter vielen unserer Inlandsaufträge steht letztlich oft doch ein ausländischer Endabnehmer."

"Weltweite Nachfrage nach Autos steigt"

Die deutschen Autobauer haben bereits erste Erfolgsmeldungen im neuen Jahr verbreitet. Im Januar führten sie knapp 325.000 Autos aus und damit vier Prozent mehr als vor einem Jahr. Die positive Tendenz spiegelt sich derzeit auch am Aktienmarkt wieder: Seit Anfang dieses Jahres sind Autowerte bei Anlegern gefragt.

Wenn es gelänge, die Finanzmärkte zu stabilisieren, könne die Branche auch für 2012 zuversichtlich sein, sagte Verbandspräsident Matthias Wissmann: "Die weltweite Nachfrage nach Autos steigt weiter." Und die deutsche Industrie sei flexibel genug, die Absatzrückgänge in Südeuropa mit Zuwächsen in anderen Regionen auszugleichen

Ungemach droht von ganz anderer Seite, warnt BDI-Experte Oliver Wieck: "Wir sollten die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie nicht durch höhere Belastungen für Unternehmen aufs Spiel setzen." Die IG Metall hatte mit einer Forderung von 6,5 Prozent die wichtigste Tarifrunde des Jahres eingeläutet. (dpa)

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