Ärzte Zeitung, 25.02.2012

Anlagen-Kolumne

Kurs-Optimismus wohldosieren

Die Notenbanken stimulieren nun doch kräftig die Finanzmärkte. Für Anleger ist das mittelfristig gut. Kurzfristig kann zu viel Optimismus aber gefährlich sein.

Von Jens Ehrhardt

Anleger sollten ihren Kurs-Optimismus wohldosieren sein

Anfang Januar war es noch eine Vermutung beziehungsweise eine Hoffnung, dass die Notenbanken stärker eingreifen, um die fragile Situation im Finanzsystem zu stabilisieren.

Inzwischen ist klar, dass die Notenbanken in Europa, USA, Japan, Großbritannien, aber auch in den Schwellenländern und China, ihren Kurs geändert haben und deutlich stimulieren.

Die Kurssteigerungen in diesem Jahr, die beim Deutschen Aktienindex (Dax) etwa 16 Prozent betragen, werden zwar häufig mit einer verbesserten Konjunktur begründet.

Im Kern dürfte es aber die expansive Notenbankpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) sein, die derzeit die Kurse treibt. Selbst China hat die Mindestreserveanforderungen für die Banken reduziert und ermöglicht damit eine vermehrte Kreditvergabe.

Dies wurde im Jahresausblick an dieser Stelle bereits in Aussicht gestellt. Dass dieser Schritt nun doch so zügig gekommen ist, dürfte an der Inflationseinschätzung der Notenbanker in China liegen.

Offensichtlich liegen dort bereits Signale der Entspannung vor, denn die letzten öffentlichen Inflationszahlen ließen diesen Schritt noch nicht erwarten.

In Europa wird die EZB planmäßig ab dem 29. Februar für weitere Liquidität bei den Banken sorgen, das dürfte dem Markt helfen. Die fundamentalen Daten, die von den Unternehmen im Moment im Rahmen der Berichtssaison für das Jahr 2011 veröffentlicht werden, zeichnen ein eher schwaches Bild.

43 Prozent der Unternehmen verfehlten die Erwartungen, und nur 34 Prozent überraschten positiv. Damit wäre das vierte Quartal 2011 in Europa das dritte in Folge mit enttäuschenden Ergebnissen.

Aber auch in den USA ist das Bild recht schwach. Insbesondere, wenn man den "Apple-Effekt" herausrechnet. Apple, das nach Börsenkapitalisierung inzwischen größte Unternehmen der Welt, hat zu dem 8,8-prozentigen Gewinnanstieg im vierten Quartal im S&P 500 allein 4,9 Prozent beigetragen. Ohne Apple hätte dieser Anstieg nur 3,9 Prozent betragen.

Gab das Stimmungsbild der Investoren zuletzt noch Rückenwind, ist die Lage inzwischen schon ausgereizter. Investoren, die vorsichtiger agieren müssen, und insbesondere Privatanleger, die den Vorteil haben, dass sie ihre Aktienquote beliebig reduzieren können, sollten in der aktuellen Konstellation der Stimmungsindikatoren Vorsicht walten lassen.

Die Wahrscheinlichkeit spricht dafür, dass es in den nächsten Wochen noch einmal bessere Einstiegsgelegenheiten gibt. Mittelfristig bleibt aufgrund der oben genannten Notenbankaktionen die Aktie als Sachwert aber auch weiterhin interessant.

Topics
Schlagworte
Finanzen/Steuern (10151)
Organisationen
Apple (231)
Personen
Jens Ehrhardt (249)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethischen Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »