Ärzte Zeitung, 17.03.2012

Stehen Aktien vor einer neuen Mega-Hausse?

Die technischen Analysten haben ihre Charttechniken befragt. Das Ergebnis: Der Dax könnte wieder auf 14 000 Zähler steigen. Denn die Experten erwarten eine Hausse wie in den 80er und 90er Jahren.

Von Jürgen Lutz

Stehen Aktien vor einer neuen Mega-Hausse?

Spätestens im Herbst - so die Analysten-Prognose - sollten die Aktienkurse dauerhaft anziehen.

© Miqul / fotolia.com

FRANKFURT/MAIN. Die globalen Aktienmärkte könnten nach Ansicht von technischen Analysten vor einer mehrjährigen Hausse stehen, wie es sie zum letzten Mal in den 80er- und 90er-Jahren gab.

Beim Dax sei in diesem Zuge ein Anstieg auf 14 000 Zähler möglich, sagte Fondsmanager Dietrich Denkhaus bei der Frühjahrskonferenz der Vereinigung technischer Analysten Deutschlands in Frankfurt. Auch Rohstoffe stehen nach Expertenmeinung vor kräftigen Preisschüben.

Dabei gelten technische Analysten unter den Anlegern in Deutschland als eher bizarres Völkchen. Die einen reißen Witzchen über sie nach dem Motto "Wer hat schon mal einen reichen Techniker gesehen?"

Andere werfen ihnen vor, dass die von ihnen verwendeten Parameter und Indikatoren nur funktionierten, weil so viele Anleger darauf achteten. Wie auch immer die eigene Einschätzung ausfällt - Fakt ist:

Die technische Analyse in all ihren Facetten wird zur Bestimmung von Zeitpunkten für Kauf und Verkauf (Timing) von vielen großen Adressen (Banken, Versicherer, Fonds) angewandt.

Ab Herbst sollen Kurse anziehen

Denkhaus, selbst Fondsmanager in der Versicherungsbranche, glaubt, dass in diesem Jahr der Boden "für eine säkulare Hausse" wie in den 80er- und 90er-Jahren bereitet wird. Spätestens im Herbst sollte die von ihm erwartete Korrektur beendet sein; danach müssten aus seiner Sicht die Kurse dauerhaft anziehen.

Als Basis für seine Einschätzung dient außer der klassischen Charttechnik die Elliott-Wellen-Theorie. Nach Denkhaus‘ Worten befindet sich der breite Aktienmarkt demnach in der letzten Korrekturwelle einer mehrjährigen Seitwärts-Bewegung.

Ist diese Welle abgeschlossen und bricht der Dax danach die Abwärtstrendlinie aus den Hochpunkten von 2007 und 2011 bei 7500 Zählern, "dann ist aus Sicht der klassischen Charttechnik Luft nach oben", so seine Meinung.

Doch Denkhaus wäre kein technischer Analyst, würde er nicht den Punkt benennen, an dem sein Ausblick hinfällig würde: "Voraussetzung ist, dass der Dax bei einer Korrektur nicht unter 6500 Punkte fällt." Warum?

An diese Marke stieß der Index drei Mal im Jahr 2010, bevor er sie überwand. Und in der ersten Erholung des 2011er-Crashs scheiterte er zunächst daran, bis er sie im Januar 2012 "knackte". Soll der Dax in einen Aufwärtstrend übergehen, muss dieser ehemalige Widerstand nun als Unterstützung fungieren.

Schwellenländer haben an der Börse verloren

Positiver als von vielen erwartet - so sieht Fondsmanager Daniel Haase die Börsen der Schwellenländer, die im vergangenen Jahr im Schnitt 22 Prozent verloren haben.

"Wir haben nach unserem Trendfolge-System in den Emerging Markets derzeit so viele Kaufsignale wie letztmals 2009." Untermauert werde dies auch durch den Anstieg der Schifffahrtsaktien, "die als Frühindikator für die Konjunktur einen guten Job machen".

2012 ist nach Haases Worten als Rezessionsjahr ein ideales Jahr für hohe Kursgewinne. Die Börsen der Emerging Markets hätten in den Jahren 2003 und 2009 im Schnitt um 51 beziehungsweise um 73 Prozent zugelegt; der Dax brachte es immerhin auf 37 respektive 24 Prozent.

Der Fondsmanager wies zudem auf die fundamental günstigen Bewertungen vieler Unternehmen in den Schwellenländern hin. Nach seinen Worten sind die Kurs-Gewinn-Verhältnisse in Brasilien, China und Russland derzeit einstellig.

Rohstoffpreise zur Konjunkturprognose

Dass die Konjunktur bereits anzieht, zeigte Claudia Jankewitz anhand der Rohstoffpreise auf, die als vorlaufender Indikator für die Konjunktur genutzt werden können.

Industriemetalle wie Kupfer oder Nickel haben im Januar ein starkes Kaufsignal gegeben; bei der in den USA gehandelten Rohöl-Sorte WTI ist dies im März erfolgt. Ähnliches gelte für konjunktursensitive Branchen wie Transportunternehmen oder Papierhersteller.

Jankewitz: "Offenbar finden angekündigte Krisen, mit denen in der Folge jeder rechnet, nicht statt."

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