Ärzte Zeitung, 24.03.2012

Anlagen-Kolumne

Aktien bewegen sich weiter in unruhigem Fahrwasser

Die Märkte senden derzeit eher negative Signale an Anleger. Kurzfristig sind daher holprige Börsen zu erwarten. Trotzdem überwiegt hierzulande noch der Optimismus.

Von Jens Ehrhardt

Aktien bewegen sich weiter in unruhigem Fahrwasser

Verglichen mit der Situation von vor zwei Wochen hat sich nicht so viel geändert. Hinzugekommen ist, dass auch in Deutschland der Optimismus zugenommen hat, und auch die jüngsten Umfragen unter europäischen Fondsmanagern deuten darauf hin, dass die Risikobereitschaft im Vergleich zum Jahresanfang zugenommen hat.

Daneben gibt es zahlreiche Argumente, die Pessimisten ins Feld führen könnten. Dazu zählen eine erneute Verschärfung der Euro-Krise, eine harte Konjunkturlandung in China, ein Verpuffen der US-Konjunkturerholung sowie die Probleme im Nahen Osten.

Dem steht eine extrem expansive Notenbankpolitik gegenüber, welche die Kraft hat, viele negative Einflussfaktoren zu überschatten. Unter "normalen" Umständen hätte auch eine schwache Berichtssaison, wie sie die Marktteilnehmer zuletzt erleben mussten, eine verhaltenere Aktienentwicklung nach sich ziehen müssen.

Immerhin haben viele Unternehmen keinen Ausblick mehr gegeben, und das Verhältnis von negativen zu positiven Überraschungen lag bei 3:1. Die jährliche Veränderung der Quartalsgewinne des S&P 500 lag bei -0,5% und war damit das erste Mal seit 2009 wieder negativ.

"Wettlauf" von Fed und EZB

Im Umkehrschluss muss allerdings auch gesehen werden, dass die monetären Stimulierungen nur deshalb so stark ausfallen, weil die Lage so fragil ist und sonst Schlimmeres zu befürchten wäre. Es kann stark davon ausgegangen werden, dass weitere sogenannte QE-Programme folgen werden, wenn sich die Lage verschlechtert.

Gemessen an den Bilanzsummen der Fed und der EZB scheint es ohnehin ein "Wettlauf" beider Notenbanken zu geben. Bei der Interpretation der entsprechenden Einflussfaktoren liegt der Schluss nahe, dass die US-Notenbank Fed demnächst wieder aktiv werden könnte.

In der abgelaufenen Woche hat auch die chinesische Regierung wieder Lockerungen vorgenommen, denn es wird zunehmend offensichtlich, dass in einigen Wirtschaftsbereichen keine ausreichende Liquidiätsversorgung besteht.

Da ein wichtiges Ziel der Regierung darin bestehen dürfte, die Ruhe im Land zu bewahren und die ländlichen Regionen "friedlich" zu stimmen, ist davon auszugehen, dass diese Signale ernst genommen werden. Kurzfristig sind also holprige Börsen zu erwarten.

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