Ärzte Zeitung, 16.06.2012

Schutzschirm fürs Privatvermögen?

Die Euro-Krise verbreitet Unsicherheit bei Anlegern. Wer auf Nummer sicher gehen will, setzt auf Tagesgeld mit Zinsbindung.

Von Jürgen Lutz

Tagesgeld-Schutzschirm fürs Privatvermögen?

Hohe Rendite verspricht Tagesgeld zwar nicht, dafür gibt es aber keine Verluste.

© Scanrail / fotolia.com

NEU-ISENBURG. Die Euro-Krise verunsichert die Finanzmärkte, die Konjunkturindikatoren tauchen ab, und die Inflation geht zurück.

Es gibt gute Gründe, warum die Europäische Zentralbank (EZB) schon bald die Zinsen senken könnte. Zum Glück können sich Anleger mit besonderen Tagesgeld-Angeboten gegen weniger Rendite wappnen und doch völlig flexibel bleiben.

Griechenland, Spanien, Italien - die Schuldenkrise im Euro-Raum sorgt für erheblichen Druck auf den Märkten. Inzwischen schlägt sich die Verunsicherung in schlechteren Konjunkturdaten nieder, was den Ruf nach niedrigeren Zinsen lauter werden lassen dürfte.

So hatte die französische Bank BNP Paribas im Juni eine Zinssenkung von einem halben Prozentpunkt angemahnt mit dem Hinweis, dass die Einkaufsmanager-Indizes auf einem niedrigeren Stand notierten als bei den beiden Zinssenkungen im Winter 2011.

Die Inflationsraten dürften einer Zinssenkung nicht im Wege stehen - im Gegenteil, denn die Geldentwertung im Euro-Raum ist im Mai auf 2,4 Prozent gesunken, in Deutschland mit 1,9 Prozent sogar unter zwei Prozent.

Die Tendenz dürfte weiter nach unten gehen, denn die Geldmenge M3 als Barometer für den mittelfristigen Inflationsdruck wächst noch immer nur sehr verhalten, wie die jüngsten EZB-Daten zeigen.

Vorsicht vor Zinssenkungen

Demnach steigt M3 nur mit einer annualisierten Rate von 2,5 Prozent - als Orientierungsgröße für die EZB gilt eine jährliche Rate von 4,5 Prozent.

"Im Fall einer Zinssenkung dürften viele Banken die Gelegenheit nutzen, die niedrigeren Zinsen beim Tages- und Festgeld weiterzureichen - zumal im Fall einer Griechenland-Krise Geld nach Deutschland fließen und den Druck auf die Zinsen erhöhen dürfte", sagt Max Herbst, Inhaber der FMH-Finanzberatung.

Doch gegen niedrigere Zinsen können und sollten sich Anleger nach seinen Worten rechtzeitig wappnen.

Schließlich garantierten derzeit etliche Institute für ihr Tagesgeld Zinsen, die erheblich oberhalb des EZB-Zinsniveaus liegen - und das für die Dauer von mehreren Monaten bis zu einem Jahr.

CortalConsors, die Tochter der französischen BNP Paribas, hat derzeit den längsten Atem: "Die Bank zahlt Neukunden zwölf Monate 2,4 Prozent Zinsen fürs Tagesgeld, sofern nicht mehr als 50.000 Euro angelegt werden", so Herbst.

Auf eine Zinsgarantie von sechs Monaten und 2,25 beziehungsweise 2,1 Prozent bringen es ING-DiBa und Hanseatic Bank. Die Obergrenze für die Tagesgeldanlage bei der Hanseatic Bank beträgt 250.000 Euro, die ING-DiBa setzt kein Limit.

Zinsgarantie nicht in allen Fällen

Andere Banken zahlen teils höhere Zinsen, begrenzen aber die Dauer der Zinsgarantie stärker. Dazu gehören nach FMH-Recherchen 1822direkt, die bis 4. Oktober 2,3 Prozent zahlt, sowie die Volkswagen Bank (ebenfalls 2,3 Prozent bis 1. Oktober).

3,0 Prozent zahlt die PSD RheinNeckarSaar bis zum 31. August, falls dort nicht mehr als 20.000 Euro angelegt werden.

Wer Wert auf längere Fristen legt, kann sich bei Barclays garantieren lassen, dass der Zins fürs Tagesgeld für die Dauer von drei Jahren stets ein Prozentpunkt über dem EZB-Leitzins liegen wird. Erreicht er aber das US-Niveau von 0,25 Prozent, gibt es nur noch 1,25 Prozent.

Anders die niederländische NIBC Direct mit ihrem "Kombigeld", das zwei- bis zehnjähriges Festgeld mit Tagesgeld kombiniert. Für den Mix aus zweijährigem Fest- und Tagesgeld zahlt sie 2,7 Prozent im Jahr, wobei die Sparer jederzeit bis zur Hälfte des angelegten Geldes abheben dürfen.

"Bei diesen Vorgaben bringen es die Konditionen der am besten zahlenden Banken derzeit auf einen Mischzins von 2,85 Prozent - mit einem Nachteil: Diese Häuser garantieren nicht, wie NIBC Direct, die Zinsen für das Tagesgeld", so Herbst.

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