Ärzte Zeitung, 06.10.2012

Renditejagd

Diese Schwellenländer-Anleihen rentieren sich

Wer sein Geld in Bundesanleihen steckt, läuft Gefahr, das er nicht mal einen Inflationsausgleich erzielt. Experten empfehlen Schuldverschreibungen aus Schwellenländern - und geben auch ganz konkrete Tipps.

Von Richard Haimann

Darum lohnen sich Schwellenländer-Anleihen

Hier lohnt es sich Experten zufolge zu investieren (v.l.): Brasilien, weil die Verschuldung nur gering ist. Mexiko, weil es ein robustes Wirtschaftswachstum zeigt. Südafrika, weil die Anleihen Potenzial bergen.

© ArtEfficient / fotolia.com (3)

NEU-ISENBURG. Durch die Finanzkrise sind die Renditen der Bundesanleihen so weit zusammengeschmolzen, dass Anleger nicht einmal einen Inflationsausgleich erzielen können. Finanzexperten empfehlen Schuldverschreibungen von Schwellenländern als rentablere Alternative.

Gerade einmal 1,51 Prozent Zinsen musste Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble vergangene Woche Investoren bieten, wenn sie ihm für zehn Jahre Geld liehen.

Seit vor vier Jahren erst die Finanz- und anschließend die Eurokrise ausbrach, sind die als ausfallsicher geltenden Bundesanleihen so stark gefragt, dass sich Altersvorsorgeeinrichtungen, Fonds und Lebensversicherer mit Minierträgen begnügen, nur um ihr Kapital beim deutschen Staat parken zu können.

In den Genuss ähnlich niedriger Zinsen kommen auch Länder wie Frankreich, Finnland, die Niederlande sowie die Vereinigten Staaten, weil sie ebenfalls im Ruf stehen, Schuldner bester Bonität zu sein. In den USA liegen die Zinssätze zehnjährigen Staatsanleihen derzeit bei knapp 1,6 Prozent.

Auch Malaysia wird empfohlen

Schwellenländer-Fonds

Fonds, die in Staatsanleihen von Schwellenländern investieren, haben sämtliche großen Kapitalanlagegesellschaften aufgelegt. Die meisten Produkte werden sowohl als reine Landeswährungsfonds als auch als Euro-Fonds angeboten.

Bei letzteren wird ein Währungsrisiko durch Absicherungsgeschäfte an den Terminmärkten ausgeschlossen. Dies kann allerdings Rendite kosten.

Die den Banken und Sparkassen als Provision zufließenden Ausgabeaufschläge von bis zu fünf Prozent können Anleger allerdings sparen, wenn sie ihre Fondsanteile dagegen bei Discountbrokern erwerben. (hai)

Vorsichtige Sparer, die einen Teil ihres Kapitals lieber in staatliche Schuldverschreibungen anlegen wollen, als das Geld den turbulenten Aktienmärkten auszusetzen, haben dadurch ein Problem: Sie verlieren faktisch Kapial, weil die Renditen der Anleihen großer Industriestaaten unter der Inflationsrate von derzeit rund zwei Prozent liegen.

"Anlegern, die jetzt zehnjährige Bundesanleihen zeichnen, drohen durch die Teuerung Kaufkraftverluste", erklärt Folker Hellmeyer, Chefvolkswirt bei der Bremer Landesbank.

Statt dem Bundesfinanzminister ihr Geld zum Minizins zu leihen, sollten Sparer Anleihen solider Schwellenländer ins Auge fassen, rät der Finanzexperte. "Sie bieten deutlich attraktivere Zinssätze und sind ebenfalls kaum mit Ausfallrisiken behaftet", so Hellmeyer.

Dieser Ansicht ist auch Alexander Kozhemiakin, Leiter Schwellenländeranleihen bei der West/LB Mellon: "Anleihen wirtschaftsstarker Schwellenländer bieten derzeit Renditen von rund sechs Prozent."

Keine andere Anlageklasse weise derzeit ein "besseres Chancen-Risiko-Verhältnis auf", meint auch Elke Speidel-Walz, Anlagestrategin der Deutschen Bank.

Ramin Toloui, globaler Anleihestratege bei der Allianztochter Pimco, empfiehlt insbesondere brasilianische, mexikanische und südafrikanische Staatsanleihen.

"Diese drei Staaten sind unsere klaren Favoriten." Kozhemiakin von der West/LB Mellon rät darüber hinaus noch zu Anleihen von Malaysia. All diese Länder weisen ein robustes Wirtschaftswachstum auf und sind nur gering verschuldet.

Jüngsten Studien von Capital Economics und des Weltwährungsfonds zufolge soll das Bruttoinlandsprodukt in den drei genannten lateinamerikanischen Staaten in diesem und dem nächsten Jahr um jeweils 4,5 Prozent zulegen.

Für Malaysia werden sogar fünf Prozent prognostiziert, für Südafrika rund drei Prozent. In Deutschland hingegen, derzeit die Konjunkturlokomotive in Europa, soll die Wachstumsrate im kommenden Jahr lediglich 0,8 Prozent betragen.

Fonds sicherer

Anleger können direkt über die Börsen einzelne Schwellenländeranleihen kaufen. Wer das Risiko möglichst breit streuen will, sollte jedoch zu Fonds greifen, rät Strategin Speidel-Walz.

Diese investieren ihren Angaben zufolge das Geld ihrer Kunden in Papiere aus mehreren Ländern und mit unterschiedlichen Laufzeiten.

Schwellenländer emittieren Anleihen sowohl in der Landeswährung als auch in Euro und Dollar. Sicherheitsorientierte Anleger sollten nur zu Papieren greifen, die in Euro notieren. Bei ihnen drohen keine Währungsverluste.

Wagemutigere Investoren können hingegen Papiere in der jeweiligen Landeswährung zeichnen. Wertet diese gegen den Euro auf, erhöht dies den Gewinn - im umgekehrten Fall hingegen drohen Verluste, die schlimmstenfalls sogar die Zinserträge übersteigen könnten.

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