Ärzte Zeitung, 23.11.2012

US-Mediengeschäft

Totgesagte leben länger

In Deutschland ist die Zeitungsbranche in der Krise. In den USA hingegen ziehen die Aktienkurse der Verlage wieder an - Börsianer wetten, dass sich das Mediengeschäft erholt.

Von Richard Haimann

Totgesagte leben länger

Eine Trendwende im US-Zeitungsmarkt prognostizieren Börsianer der Wall-Street.

© Peter Foley / epa / dpa

NEU-ISENBURG. Aus der deutschen Zeitungslandschaft gab es in den vergangenen Tagen keine guten Nachrichten. Die traditionsbewährte "Frankfurter Rundschau" ist insolvent.

Die vor nur knapp mehr als einem Jahrzehnt gestartete "Financial Times Deutschland" wird eingestellt. Das von Bertelsmann und Gruner + Jahr verlegte Blatt soll allein dieses Jahr 15 Millionen Euro Verluste geschrieben haben.

Und auch bei etlichen anderen Zeitungen schrumpfen Anzeigenaufkommen ebenso wie die Zahl der Abonnenten - durch kostenlose Nachrichtenangebote im Internet verursacht.

US-Zeitungen gewinnen wieder neue Leser

In den USA hingegen setzen Investoren wieder auf Zeitungsaktien. Das Papier des Gannett-Verlags (ISIN US3647301015), Herausgeber von "USA Today" und zahlreicher Regionalzeitungen, ist seit Juni um 40 Prozent in die Höhe geschnellt.

Die Aktie der "New York Times" (US6501111073) hat seit Mai um 38 Prozent zugelegt. Der Kurs der "Washington Post" (US9396401088) ist allein in den vergangenen vier Wochen um fünf Prozent gestiegen.

Analysten sehen weiteres Kurspotenzial: "Die Papiere der New York Times könnte in den nächsten zwölf Monaten um weitere 75 Prozent steigen", prognostiziert Venu Krishna, Medienexperte bei Barclays Capital.

Die Schweizer UBS Bank hat für das Papier von Gannett das Kursziel gerade von 18 US-Dollar auf 19 US-Dollar angehoben - knapp zehn Prozent über der gegenwärtigen Notierung. Beim Verlag Meredith (US5894331017) erwarten Analysten im kommenden Jahr einen Anstieg der Dividende um neun Prozent.

Was stimmt die Beobachter so optimistisch? Immer mehr US-Zeitungen erheben Gebühren für ihre Internet-Inhalte oder gewähren den Zugang nur noch zahlenden Abonnenten. Das sorgt für steigende Einnahmen.

Die "New York Times" verbuchte bei ihren Print- und Internet-Abonnements allein in den ersten neun Monaten dieses Jahres gegenüber dem Vorjahr ein Plus von 55 Millionen US-Dollar auf 695 Millionen US-Dollar.

Zugleich gelingt es Zeitungen, wieder neue Leser für ihre gedruckten Ausgaben zu gewinnen. "Die Gesamtauflage aller US-Tageszeitungen stieg seit 2009 um 52.000 Exemplare auf 40,321 Millionen", sagt Caroline Little, Vorstandschefin des Branchenverbands Newspaper Association of America (NAA).

Konzener wollen wieder mehr in Zeitungen werben

Zudem wollen große Konzerne wieder verstärkt in Zeitungen werben. Der Automobilgigant General Motors stoppte im Mai seine zehn Millionen Dollar schwere Werbung auf den Internet-Seiten des sozialen Netzwerks Facebook.

Die Anzeigen würden dort größtenteils verpuffen, weil sich Internet-Nutzer an ihnen störten und sie meist wegklicken würden.

Auch andere Konzerne kehren mit ihrer Werbung zu den Zeitungen zurück. Vom ersten bis zum dritten Quartal dieses Jahres stieg das Anzeigenvolumen um rund 100 Millionen US-Dollar auf 5,27 Milliarden US-Dollar.

In den vergangenen Jahren war das Anzeigenaufkommen hingegen im dritten Quartal immer niedriger ausgefallen als in den ersten drei Monaten des Jahres.

Sogar die Investmentlegende Warren Buffett setzt auf Zeitungen. Seine Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway übernahm im Juni für 142 Millionen US-Dollar 63 Lokal- und Regionalblätter des Medienunternehmens Media General im Südosten der Vereinigten Staaten.

Darüber hinaus erwarb Buffett weitere 25 einzelne Regionalzeitungen. "Regional- und Lokalzeitungen haben eine große Zukunft vor sich, weil sie das wichtigste Nachrichtenmedium in ihren Orten sind", prognostiziert Buffett für die Branche in den USA.

Etliche Analysten werten den Schritt als sicheres Signal für die Trendwende am Markt. Denn Buffett gilt als Experte darin, Milliardengewinne durch Investments in unterbewertete Marktsegmente und Unternehmen zu generieren.

"Der Mann hat sicher auch diesmal keinen Fehlgriff getan", sagt John Morton, Präsident des Analysehauses Morton Research.

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