Ärzte Zeitung, 10.12.2012

Geldanlage

Bodenschätze - der Stoff, aus dem Anlegerträume sind?

Das Wachstum der drei Rohstoff-Exporteure Australien, Kanada und Südafrika wird sich abschwächen, prognostizieren Experten. Für Anleger stellt sich nun die Frage, ob sie im Depot umschichten sollen.

Von Richard Haimann

Der Stoff, aus dem Anlegerträume sind?

Kohleförderung ist ein wichtiger Faktor in Australiens Wirtschaft. Die Nachfrage aus dem Reich der Mitte sorgt dafür, dass der Nachschub rollt.

© John Kirk / iStockphoto

NEU-ISENBURG. Seit die Europäische Zentralbank Interventionen zur Stützung der Krisenstaaten in der Eurozone angekündigt hat, haben die Börsenindices der drei Rohstoffförderländer Australien, Kanada und Südafrika kräftiger zugelegt als der Globalindex MSCI World.

"Investoren sind an die Märkte zurückgekehrt, weil die Sorge gewichen ist, dass die Eurozone zerbrechen und die Weltkonjunktur in die Rezession stürzen könnte", sagt Gabriele Widmann, Rohstoffanalystin bei der DekaBank.

Ist es Zeit, Gewinne mitzunehmen?

Jetzt stellen sich viele Anleger die Frage, ob die Kursrallye im Ländertrio weitergeht oder ob es Zeit ist, Gewinne mitzunehmen. Denn nach neuesten Prognosen wird sich das Wachstum in den drei Rohstoffexport-Staaten abschwächen.

"Das könnte die dortigen Börsen unter Druck bringen", sagt Helmut Kurz, Leiter Fondsmanagement beim Bankhaus Ellwanger & Geiger.

Die drei Länder zählen mit zu den größten Exporteuren von weltweit begehrten Bodenschätzen wie Bauxit, Eisenerzen, Gold und Kohle. Besonders groß ist bislang die Nachfrage in China. Dortige Unternehmen importieren im großen Stil Rohstoffe, um sie zu Fertigprodukten für den Export nach Europa und Nordamerika zu veredeln.

Allerdings fürchten der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), dass 2013 die Weltkonjunktur durch die Eurokrise schwächer als bislang erwartet wachsen wird. Das würde die Rohstoffexportnationen deutlich treffen.

Australiens Notenbank senkte bereits ihren Ausblick für das Wirtschaftswachstum in 2013 von 3,2 auf nur noch drei Prozent. Die DekaBank reduzierte ihre Prognosen für alle drei Staaten.

Australiens Wirtschaft soll demnach kommendes Jahr nur noch um 3,2 Prozent statt 3,4 Prozent wachsen. Für Kanada wurde die Rate von 2,5 auf 2,2 Prozent, für Südafrika gar von 3,2 auf 2,3 Prozent zurückgenommen.

"Die Rohstoffpreise werden 2013 nur moderat zulegen, weil noch keine durchgreifende Erholung der Weltkonjunktur eintreten wird", sagt Widmann.

Das fürchten auch Hedge Fonds. Sie haben nach einer Erhebung der US-Börsenaufsicht ihre Wetten auf steigende Rohstoffpreise im November um 17 Prozent zurückgefahren.

China will Konjunktur stimulieren

"Die reduzierten Erwartungen basieren alle darauf, dass Chinas Wirtschaft 2013 in geringerem Umfang wachsen wird", sagt Ellwanger & Geiger-Experte Kurz. Dies könnte sich jedoch als Irrtum erweisen.

Die neue Parteiführung in Peking hat angekündigt, die Konjunktur im Land massiv stützen zu wollen. Die Rohstoffnachfrage könnte deshalb 2013 stärker ausfallen als derzeit erwartet.

"Anleger, die starke Stimuli aus Peking erwarten, sollten an den Börsen Australiens, Kanadas und Südafrikas engagiert bleiben", sagt Kurz. "Alle anderen sollten Gewinne mitnehmen."

Maarten-Jan Bakkum, Stratege bei ING Investment Management, sieht insbesondere in Südafrika Risiken durch die Streiks der Minenarbeiter. "Die Konjunktur des Landes ist gefährdet." Hingegen erkennt Fidelity-Fondsmanager Paul Taylor Chancen in Australien.

"Die Verschuldungsrate der Unternehmen ist gering und die Volkswirtschaft gut in Schuss."

Kanada wiederum konnte durch die anziehende US-Konjunktur seine Rohstoffexporte in das Nachbarland bereits steigern. Von Juli auf August sank das Handelsdefizit dadurch von 2,53 Milliarden auf 1,35 Milliarden kanadische Dollar.

Sollte die US-Wirtschaft 2013 auch nur moderat zulegen, dürften die kanadischen Exporte weiter zulegen. Donald Coxe, Stratege von der Bank of Montreal, sieht daher Potenzial bei kanadischen Aktien: "Der Rohstoffzyklus bleibt intakt."

Topics
Schlagworte
Finanzen/Steuern (10398)
Organisationen
ING Investment (11)
Personen
Richard Haimann (336)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Medikamente auch einmal beherzt absetzen!

Viele Ärzte scheuen sich, Medikamente abzusetzen - obwohl sie wissen, dass dies Patienten oft hilft. Neuseeländische Wissenschaftler haben zwei paradoxe Gründe dafür gefunden. mehr »

Geht's auch etwas modischer in der Klinik?

Unsere Bloggerin Dr. Jessica Eismann-Schweimler hat Verständnis für die Klinik-Kleidungsvorschriften. Doch mit ein klein wenig Fantasie könnte man auch den unvermeidlichen Kasack hübscher gestalten, meint sie. mehr »

Sport im Alter schützt vielleicht vor Demenz

Dass Sport nicht Mord bedeutet, wissen Forscher schon lange. Jetzt haben Alters- und Sportwissenschaftler messen können, wie Sport das Gehirn im Alter verändert. Dient Fitness als Demenzprävention? mehr »