Ärzte Zeitung, 25.02.2013

Neue Finanzprodukte

Emissionshäuser entdecken das Anleihemodell

Neue Finanzprodukte bieten im Insolvenzfall den Anlegern mehr Sicherheit. Denn die erhaltenen Zinszahlungen müssen nicht rückerstattet werden.

Von Richard Haimann

Emissionshäuser entdecken das Anleihemodell

Wer riskant investiert, muss nach wie vor mit dem Verlust seines Kapitaleinsatzes rechnen.

© K.-U. Häßler / fotolia.com

NEU-ISENBURG. Initiatoren geschlossener Fonds beginnen, Beteiligungsmodelle als Anleihekonstruktionen anzubieten. Für die Anleger bringt dies einige Vorteile gegenüber bisherigen Produkten.

In der Vergangenheit waren geschlossene Fonds fast ausschließlich als Kommanditgesellschaft, kurz KG genannt, konzipiert. Dabei gehen Anleger als Teilhaber eine unternehmerische Beteiligung ein - und tragen hohe Haftungsrisiken gegenüber den finanzierenden Banken.

Im Pleitefall droht nicht nur das gesamte investierte Eigenkapital verloren zugehen, sondern auch die bereits erhaltenen Ausschüttungen.

"Nach dem deutschen Bilanzrecht sind die von KG-Fonds geleisteten Ausschüttungen in der Regel nicht Gewinnauskehrungen, sondern Eigenkapitalrückzahlungen", erläutert Peter Mattil, Fachanwalt für Kapitalanlagerecht.

"Anleger müssen deshalb die Ausschüttungen rückerstatten, wenn ihr Fonds Bankkredite nicht mehr bedienen kann."

Besonders Schiffsfonds in der Krise

Das ist in den vergangenen Jahren immer wieder geschehen. Insbesondere Schiffsfonds sind zuhauf in die Pleite gefahren, weil die Charterraten dramatisch eingebrochen sind.

113 maritime Beteiligungsmodelle haben bereits Insolvenz angemeldet. Hunderte andere Schiffsfonds sind so weit unter Wasser geraten, dass sie keine Ausschüttungen mehr leisten können. Das hat Hunderttausende von Anlegern verärgert und die Vertriebspartner der Initiatoren vorsichtig gemacht.

"Immer mehr Sparkassen und Volksbanken bieten keine als KG-Modelle konzipierten Fonds mehr an", sagt Hermann Klughardt, Geschäftsführer des Emissionshauses Voigt & Collegen.

Das schlägt sich auch im Absatz der Produkte nieder. Nach Angaben des Verbands geschlossener Fonds konnten die Emissionshäuser 2012 nur noch 3,14 Milliarden Euro Eigenkapital bei Privatanleger einwerben. Ein Minus von 34,5 Prozent gegenüber den 4,797 Milliarden Euro in 2011.

Jetzt reagiert die Branche auf das Problem: "Immer mehr Emittenten setzen bei neuen Produkten nicht mehr auf das klassische KG-Modell, sondern auf Anleihekonstruktionen", berichtet Thomas Morgenstern, Leiter der Analysesparte der Ratingagentur Scope.

Dazu zählen bereits so namhafte Initiatoren wie der Flugzeugfondsanbieter Doric, der Windparkspezialist Energiekontor und die auf Einzelhandelsimmobilien fokussierte Hahn-Gruppe.

Morgenstern: Im Insolvenzfall müssen Zinsen nicht zurückgezahlt werden

Für Anleger bieten die Anleihe-Modelle gewisse Vorteile: "Ihre Zeichner erwerben nicht mehr Anteile an einer KG, sondern leihen dem Fonds Kapital", so Michael Ruhl, Vorstand des Initiators Deutsche Fonds Holding (DFH).

Auf das geliehene Geld stellen die Emissionshäuser jährliche Zinszahlungen von sechs Prozent und mehr in Aussicht. Geht der Fonds pleite, droht zwar auch in diesem Fall der Verlust des investierten Kapitals.

"Anders als bei den Ausschüttungen eines KG-Fonds müssen die erhaltenen Zinszahlungen jedoch im Insolvenzfall nicht rückerstattet werden", sagte Anwalt Mattil. "Zudem können Anleihen an der Börse gelistet werden, wodurch sie jederzeit handelbar sind", so Scope-Experte Morgenstern.

Hingegen können Anteile an KG-Fonds meist nur mit hohen Wertabschlägen an Zweitmarkt-Handelsplattformen veräußert werden.

Wie bei KG-Fonds kann es auch bei Anleihe-Modellen zu Zahlungsausfällen kommen, wenn die vom Initiator erworbenen Immobilien, Flugzeuge oder Windparks keine ausreichenden Erträge erwirtschaften.

Auch bei Anleihen steht und fällt das Investment mit der Ertragskraft und der Wertentwicklung des dahinterstehenden Sachwerts", erklärte Morgenstern.

Lassen sich ein Flugzeug, eine Immobilie oder ein Windpark am Ende der Laufzeit nicht zum geplanten Preis veräußern, droht den Zeichnern ein Teil- oder sogar ein Totalverlust, betont Steffen Sebastian, Professor für Immobilienfinanzierung an der Universität Regensburg. "Anleger sollten deshalb zunächst genau prüfen, ob die Annahmen des Initiators zur Preisentwicklung der Sachwerte realistisch sind oder nicht."

Banken haben bei Insolvenz Vorrang

Besonders groß ist das Risiko, wenn ein Anleihe-Fonds zusätzlich zum Kapital der Anleger Bankkredite aufnimmt.

"Die Institute vergeben diese Darlehen nur, wenn sie erstrangiger Gläubiger sind", sagt Sebastian.

Gerät der Fonds in Schieflage, werden erst die Ansprüche der Banken befriedigt, danach die der Anleger.

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