Ärzte Zeitung, 02.05.2013

Wirtschaftsforum

Der Kampf unter den Apotheken

Nicht allen Apotheken geht es gut. Auf den unteren Umsatzrängen gilt es zu kämpfen. Wer voriges Jahr durchgehalten hat, kann jetzt jedoch wieder mit steigendem Salär rechnen.

Von Ruth Ney

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Apotheker am Kommissionierautomat: Nicht jeder Offizinbetreiber kann sich Hightech leisten.

© HR Schulz / imago

POTSDAM. Bereits vor 50 Jahren, beim ersten Wirtschaftsforum der Apotheker, dominierten Themen wie Krankenkassen, Hilfsmittel und Rabatte. Das ist heute nicht anders.

Allerdings haben sich die wirtschaftlichen Rahmendaten stark geändert: Klagte man damals über einen Rückgang des Rohgewinns von 35,7 auf 35,2 Prozent, blieben dem Inhaber einer typischen Apotheke 2012 nur noch 24,8 Prozent seines Umsatzes nach Abzug des Wareneinsatzes.

Damit hat sich der Sinkflug der Vorjahre für viele Apotheker fortgesetzt. Mit 67.000 Euro Gewinn vor Steuern (rund fünf Prozent des typischen Umsatzes) erreichte dieser Wert einen historischen Tiefpunkt, berichtete Dr. Frank Diener vom Steuerberater Treuhand Hannover jüngst beim Wirtschaftsforum des Deutschen Apothekerverbands (DAV) in Potsdam.

34.000 Euro netto

Nach Abzug von Steuern, Versicherungen und Altersvorsorge blieben dem typischen Inhaber noch 34.000 Euro zur freien Verfügung - etwa 2,6 Prozent des Nettoumsatzes. Die Erhebungsgrundlage "typische Apotheke" wird definiert durch den Jahresumsatz, der am häufigsten pro Apotheke erwirtschaftet wird.

Das sind derzeit zwischen 1,25 und 1,5 Millionen Euro respektive 15 Prozent aller Apotheken. Etwa 30 Prozent liegen darunter, der Rest hat mehr, bis zu über vier Millionen Euro (3,3 Prozent aller Apotheken).

Der Umsatz allein sagt jedoch wenig über Prosperität und Ertragskraft aus. So sei bei einer typischen Apotheke von etwa 150.000 Euro Personalkosten pro Jahr auszugehen.

Sie hätten in den zurückliegenden zehn Jahren um über 30 Prozent zugelegt, die übrigen Betriebskosten hingegen nur um knapp zwölf Prozent.

Licht am Ende des Tunnels

Trotz der eher mauen 2012er-Zahlen zeigt sich aber offenbar ,,Licht am Ende des Tunnels" - zumindest für die Apotheken, die das Jahr überstanden haben. Denn laut Dachverband ABDA haben 501 Apotheken dicht gemacht. Damit erreichte die Anzahl der Apotheken in Deutschland zum Jahresende einen neuen Tiefstand.

Nach dem bisherigen Maximum von 21.602 Apotheken (2008), nahm die Anzahl zum vierten Mal in Folge ab (auf insgesamt 20.921 Ladengeschäfte) und wird es nach Ansicht von ABDA-Geschäftsführer Karl-Heinz Resch weiterhin tun. "Selbstständigkeit ist für Apotheker heute nicht zwangsläufig ein Erfolgsthema".

Dieses Jahr jedoch können die Offizinbetreiber von anziehenden Konditionen des Großhandels profitieren. Im Zuge des AMNOG hatte der Handel Anfang vorigen Jahres teilweise rigoros Konditionen gekürzt, was sich direkt auf den Rohertrag einer Apotheke auswirkt.

Auch die Erhöhung des Fixhonorars für die Abgabe rezeptierter Packungen um 25 Cent und die - voraussichtliche - Erhöhung der Nacht- und Notdienstvergütung dürfte sich laut Diener positiv auf das Salär der Apothekeninhaber auswirken.

Das treffe aber nicht auf alle Inhaber zu, denn die Marktspreizung zwischen den gut verdienenden und den weniger gut bis betriebswirtschaftlich kaum rentablen Apotheken nehme zu. Für 20 Prozent der Apotheken rechnet Diener auch dieses Jahr wieder mit weniger Umsatz. Zum Vergleich: 2012 verzeichneten 43 Prozent der Apotheken einen Erlösrückgang.

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