Ärzte Zeitung, 07.05.2013

Geschlossene Fonds

Wie seriös sind die Emittenten?

Viele geschlossene Fonds erwirtschaften ordentliche Renditen. Experten raten allerdings zum genaueren Blick in die Leistungsbilanzen der Initiatoren: Für Anleger ist es gar nicht so schwer, gute von schlechten Produkten zu unterscheiden.

Von Richard Haimann

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Anleger sollten die Leistungsbilanz und den Anbieter genau studieren, raten Experten.

© Arto / fotolia.com

NEU-ISENBURG. Die Polizeibeamten kamen aus dem Staunen kaum heraus, als sie die Geschäftsräume der Frankfurter Immobilienfirma S&K und die Wohnungen ihrer Manager durchsuchten: Teure Ölgemälde hingen an den Wänden, viel Marmor war verbaut, in den Garagen standen Edelkarossen von Aston Martin, Bentley und Lamborghini.

Angehäuft haben sollen die S&K-Gründer Stephan Schäfer, 33 Jahre jung, und der noch zwei Jahre jüngere Jonas Köller ihren Reichtum jedoch nicht auf ehrliche Weise, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft.

Die Ermittler verdächtigen die beiden Unternehmenschefs des bandenmäßigen Betrugs. Ihnen wird vorgeworfen, mit geschlossenen Immobilienfonds ein Schneeballsystem betrieben und Anleger um einen dreistelligen Millionenbetrag gebracht zu haben.

Der S&K-Skandal erschüttert das Ansehen der geschlossenen Fonds. Mehrere Emissionshäuser, an denen oder an deren Tochtergesellschaften S&K beteiligt war, mussten nach der Razzia Insolvenz anmelden.

Darunter sind so namhafte Initiatoren wie DCM, die mit einem Investitionsvolumen von 4,7 Milliarden Euro zu den ganz Großen der Branche zählte.

Bankberatung alleine reicht nicht aus

Experten warnen davor, nun alle Branchenprodukte über einen Kamm zu scheren. "Zahlreiche Fonds erwirtschaften für ihre Anleger gute bis sehr gute Renditen", sagt Günter Vornholz, Leiter Marktanalyse bei der Deutsche Hypo.

Die Hypothekenbank der NordLB stellt seit Jahren Finanzierungen für geschlossene Immobilienfonds ausgewählter Emittenten. "Wäre das Geschäft riskant, würden Fonds keine Kredite erhalten", sagt Vornholz.

"Um gute von schlechten Produkten unterscheiden zu können, dürfen Anleger allerdings nicht allein auf ihren Bankberater vertrauen, sondern müssen selbst ein wenig recherchieren", rät Peter Mattil, Fachanwalt für Kapitalanlagerecht in München.

Erster Schritt: "Anleger sollten den Namen des Initiatoren in Internetsuchmaschinen wie Google eingeben". Erscheinen dann gleich Aufrufe von Anwälten, die nach geschädigten Anlegern suchen, sollten die Alarmsirenen schrillen. "Das ist ein deutlicher Hinweis, dass bereits mehrere Fonds des Anbieters in Schieflage sind", sagt Mattil.

Leistungsbilanz ist entscheidend

Danach sollte die Leistungsbilanz des Emissionshauses eingehend studiert werden, rät der Jurist. In dem Papier listen Initiatoren, testiert von Wirtschaftsprüfern, Jahr für Jahr auf, ob ihre Fonds die prognostizierten Erträge erwirtschaftet haben oder nicht.

"Liegen viele Fonds unter Plan spricht das nicht für den Anbieter", sagt Mattil.

Spricht nichts gegen den Anbieter, sollten Anleger den Fonds genau prüfen, rät Markus Lentz, Analyst für Beteiligungsmodelle der Ratingagentur Scope.

"Gezeichnet werden sollten nur Fonds, bei denen der Initiator das Anlageobjekt bereits erworben und eine Finanzierung sichergestellt hat." Dies müsse durch Kopien von Kauf- und Kreditverträgen im Emissionsprospekt dokumentiert sein.

"Danach sollten Anleger recherchieren, ob die Renditeprognose stimmig ist", rät Lentz. "Besonders leicht ist das bei geschlossenen Immobilienfonds, weil internationale Immobilienmakler Marktberichte kostenlos auf ihren Internetseiten anbieten."

Die Prognosen zur Miet- und Preisentwicklung im Prospekt sollten dabei im Einklang mit den Einschätzungen der Marktkenner stehen. Zudem sollte für den Prospekt ein Gutachten nach IDW-S4-Standard des Instituts der Wirtschaftsprüfer vorliegen, erläutert Lentz.

"Dies zeigt, dass die Angaben von einem vereidigten Wirtschaftsprüfer auf Vollständigkeit und Korrektheit geprüft wurden."

Internetadressen internationaler Immobilienmakler: www.cbre.com, www.colliers.com, www.jll.com

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