Ärzte Zeitung, 17.05.2013

Investmentfonds

Afrika wird zum Boom-Kontinent

In den Staaten südlich der Sahelzone wächst die Wirtschaft rapide. Mit Investmentfonds können Anleger an der Entwicklung partizipieren.

Von Richard Haimann

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Quirlige Betriebsamkeit herrscht auf den Märkten in afrikanischen Großstädten.

© imago

NEU-ISENBURG. Wenn deutsche Medien über Afrika berichten, geht es fast immer nur um Armut und Kriege, um Korruption und Krankheiten.

Doch diese Momentaufnahmen aus einzelnen Krisenregionen des Kontinents sind Zerrbilder, die die Realität verfälscht darstellen. Denn tatsächlich zieht in immer mehr Staaten südlich der Sahelzone die Wirtschaft rapide an.

Staaten wie Äthiopien, Botswana, Ghana, Kenia, Nigeria und Ruanda verzeichneten nach einer Studie der Weltbank in den vergangenen Jahren Wachstumsraten zwischen sechs und zehn Prozent.

Bis 2015 werde die Konjunktur in den Staaten südlich der Sahelzone pro Jahr im Schnitt um mindestens fünf Prozent zulegen, prognostizieren die Ökonomen dieses Zentralinstituts für die Finanzierung internationaler Entwicklungsarbeit.

Kaufkräftige Mittelschicht

Vergangenes Jahr konnte Afrika erstmals mit einem Plus von 6,3 Prozent bei den Gesamtexporten das stärkste Wachstum aller Weltregionen verbuchen, meldet die Welthandelsorganisation WTO.

"Afrikas Exportzuwachs übertraf 2012 sogar die Zunahme der Rate Chinas von 6,2 Prozent", so WTO-Chef Pascal Lamy. Entgegen der landläufigen Meinung gibt es Kriege und gewaltsame Auseinandersetzung nur in sehr wenigen afrikanischen Staaten.

Was hingegen kaum beachtet wird: Immer mehr Länder des Kontinents profitieren von Rohstoffexporten und einer steigenden Fertigung von Waren. Dadurch wächst seit Jahren eine kaufkräftige Mittelschicht heran.

"Dies fördert die Nachfrage nach Konsumgütern", sagt Sebastian Kahlfeld, Fondsmanager bei der Deutsche Bank-Tochter DWS.

Das zeigt auch eine weitere Studie der Weltbank. Danach hat sich die Zahl der Afrikaner, die ein Mobiltelefon besitzen, 2011 verdoppelt. Dennoch bleibt viel Raum für weiteres Wachstum. Von 162 Millionen Einwohnern Nigerias nutzen erst 9,1 Prozent Handys.

Von den 41,6 Millionen Menschen in Kenia hingegen sind es bereits 60,5 Prozent. Vom boomenden Mobilfunksektor profitiert auch der französische Telekommunikationskonzern France Telecom, der Mobilfunknetze in zahlreichen afrikanischen Staaten betreibt.

Investitionen in Infrastruktur

Mit dem Wirtschaftswachstum steigen damit die Steuereinnahmen der Staaten. "Dies erlaubt es den Ländern, in die Bildung ihrer Bevölkerung und die Infrastruktur zu investieren und so die Voraussetzungen für langjähriges wirtschaftliches Wachstum zu schaffen", sagt Kahlfeld.

Profiinvestoren wie Altersvorsorgeeinrichtungen, Stiftungen und Versicherungen aus den USA, Großbritannien, Frankreich und Skandinavien haben bereits vor einigen Jahren begonnen, sich vorsichtig an afrikanischen Unternehmen zu beteiligen oder in deren Aktien zu investieren.

Das hat deren Kurse bislang moderat in die Höhe getrieben. Der Dow Jones Africa Titans Index, in dem die 50 größten afrikanischen Unternehmen zusammengefasst sind, ist seit Anfang 2012 um 13 Prozent gestiegen.

Der von der Deutsche Börse aufgelegte breiter gefasste Africa Performance Index legte seither um 27 Prozent zu.

Investoren sehen Potenzial

In den kommenden Jahren erwarten Analysten jedoch deutlich höhere Kurssteigerungen. Denn immer mehr Investoren beginnen, das Potenzial zu sehen, das Afrika bietet.

"Aufgrund der dynamischen Wirtschaftsentwicklung, der wachsenden Mittelschicht und des Rohstoffreichtums könnte Afrika für Investoren zu einer der aussichtsreichsten Regionen im 21. Jahrhundert werden", sagt Sonal Tanna, Fondsmanagerin bei JP Morgan Asset Management.

Eine Reihe von Kapitalanlagegesellschaften hat in den vergangenen Jahren Investmentfonds aufgelegt, die in Aktien afrikanischer Unternehmen investieren. "Sie eignen sich jedoch nur für risikoorientierte Anleger", sagt DWS-Experte Kahlfeld.

Denn die Kurse afrikanischer Unternehmen weisen starke Schwankungen auf. Anleger sollten Engagements deshalb nur in kleinerem Umfang tätigen und diese als langfristige Investments sehen.

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