Ärzte Zeitung online, 05.08.2013

Geldanlage

Der Reiz der Schwellenländer

In Entwicklungsländer mit hohem Wirtschaftswachstum boomen die Börsen. Über spezielle Fonds können Anleger auf den Trend setzen.

Von Richard Haimann

Der Reiz der Schwellenländer

Vietnams wachsender Wirtschaft mit ihrem hektischen Treiben trauen Finanzprofis viel Potenzial zu.

© Sam D‘Cruz/ fotolia.com

NEU-ISENBURG. Investoren sehen in Entwicklungsländer auf dem Weg zu aufstrebenden Wirtschaftsnationen die nächste große Anlagestory. Mit einer Reihe von Aktienfonds können Anleger an der Entwicklung der Börsen in diesen Frontier-Markets partizipieren.

Das Bruttoinlandsprodukt in Ländern wie Angola, Bangladesh, Bolivien, Kambodscha, Laos, Myanmar und Zimbabwe ist zwar klein. Aber die Wachstumsraten sind enorm. Zum Teil im zweistelligen Prozentbereich legte die Wirtschaft dieser Staaten im vergangenen Jahr zu.

"Das überrascht nicht angesichts des niedrigen Ausgangsniveaus in diesen Ländern", sagt DekaBank-Ökonom Janis Hübner. "Bereits geringe Investitionen in die Infrastruktur können hohe Steigerungsraten beim Bruttoinlandsprodukt auslösen."

Wachstumsraten versprechen hohe Kursgewinne bei Aktien

Zugleich bieten die enormen Wachstumsraten aber auch die Chance, hohe Kursgewinne mit Aktien von Unternehmen aus diesen Ländern zu erzielen.

Das zeigt die Entwicklung des MSCI Frontier Markets Index, der die Kursentwicklung der Börsen jener Staaten widerspiegelt, die sich an der Grenze von einem Entwicklungsland zu einer aufstrebenden Wirtschaftsnation, einem Emerging Market, befinden.

Von Anfang Januar bis Mitte Juli stieg der Frontier-Index um elf Prozent, während der Dax unter Kursschwankungen nur um 7,4 Prozent zulegte und der MSCI Emerging Markets Index sogar wegen der Unruhen in Ländern wie Ägypten, Brasilien und der Türkei um 6,7 Prozent fiel.

Ökonomen der Weltbank erwarten, dass die Konjunktur in den Frontier-Markets auch künftig in hohem Tempo voranschreitet: Vier- bis fünfmal so stark wie in den etablierten Industrienationen werde das Wachstum in diesen Ländern in den kommenden Jahren zulegen, heißt es in einer Studie des internationalen Instituts.

ASEAN-Staaten beflügeln Investorenphantasien

"Insbesondere die zehn im ASEAN-Verband südostasiatischer Staaten zusammengeschlossenen Länder werden weiterhin besonders hohe Wachstumsraten ausweisen", sagt Camille Vergara, Fondsmanagerin bei der Schweizer Investmentgesellschaft GAM.

Weil die Löhne in China rapide steigen, verlagern immer mehr Unternehmen aus dem Reich der Mitte ihre Produktion in Nachbarstaaten wie Kambodscha, Laos, Myanmar und Vietnam.

"Die Situation in diesen Ländern ist vergleichbar mit der von China vor 20 Jahren", sagt Vergara. Allerdings verlaufe die Entwicklung heute viel dramatischer.

"Zahlreiche börsennotierte Unternehmen aus Frontier-Staaten werden in den kommenden Jahren Umsatz und Gewinne massiv steigern", sagt Larry Speidel, Mitgründer und Chefstratege der US-Investmentgesellschaft Frontier Markets Asset Management, deren Fonds seit Jahren Kapital institutionelle Investoren wie Pensionskassen und Versicherungen an den Börsen dieser Länder investiert.

Inzwischen haben andere Kapitalanlagegesellschaften auch für Privatanleger Fonds aufgelegt, die in Aktien von Unternehmen aus Frontier-Markets investieren. Der Templeton Frontier Markets Fund (ISIN LU0390137031) erzielte von Anfang Juli 2012 bis Ende Juni dieses Jahres eine Performance von 15,42 Prozent.

Der HSBC Frontier Markets (LU0666199749) kam sogar auf 25,10 Prozent und der börsengehandelte Index-Fonds Schroder ISF Frontier Markets (LU0562313402) kam sogar auf 30,26 Prozent.

Allerdings sind Investments in die Grenzländer-Märkte nicht ohne Risiko: Manche Frontier-Staaten sind politisch instabil.

Politische Unruhen können jederzeit die Börsen abstürzen lassen

Unruhen können jederzeit die Börsen abstürzen lassen. Zudem ist das Handelsvolumen gering. Kleinere Orders können bereits die Kurse in die eine oder andere Richtung ausschlagen lassen.

Darüber hinaus ist die Finanzaufsicht in diesen Ländern bei weitem nicht so streng wie in Frankfurt, London oder New York.

Manche Gesellschaften veröffentlichen nur rudimentäre Geschäftsberichte. "Das erfordert intensive Recherchen vor Ort", sagt Ian Aylward, Fondsmanager bei der britischen Kapitalanlagegesellschaft Aviva Investors.

Für DekaBank-Ökonom Hübner sind deshalb Frontier-Market-Fonds nur für "erfahrene Anleger geeignet, die gezielt dieses Segment ihrem Portfolio beimischen wollen".

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