Ärzte Zeitung, 04.11.2013

Börse

Bulle oder Bär - wer hat das Sagen?

Fünf Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise markieren die Börsen neue Rekordstände. Experten warnen Anleger jedoch, nun zu euphorisch einfach weitere Aktien zu kaufen, sondern raten zu Investments in breit gestreute Indexfonds.

Von Richard Haimann

Bulle oder Bär - wer hat das Sagen?

Steigt der Dax auf 10000 Punkte oder werden die Kurse fallen? Experten raten zu Indexfonds.

© tom / fotolia.com

NEU-ISENBURG. Erstmals in seiner Geschichte hat der deutsche Leitindex Dax vergangene Woche oberhalb der Marke von 9000 Zählern notiert. In den USA stieg das breite Marktbarometer S&P 500 auf einen neuen Rekordstand von mehr als 1760 Punkten.

Seit dem Crash im Herbst 2008 haben beide Indizes damit um mehr als 125 Prozent zugelegt - und etliche Analysten glauben, dass die Rallye weiter geht.

"Bereits im Frühjahr 2014 könnte der Dax bei 10.000 Punkten stehen", sagt Tobias Basse von der NordLB. Auch Carsten Klude, Chefvolkswirt der Bank M. M. Warburg, sieht den Dax im nächsten Jahr bei 10.000 Zählern und rät Anlegern zu "einer hohen Aktiengewichtung".

Andere Experten sind deutlich vorsichtiger und warnen davor, jetzt blind Aktien zu kaufen, in der Erwartung, dass die Börsen direkt weiter nach oben laufen werden.

"Niemand hat eine Kristallkugel", sagt Professor Thorsten Hens, Direktor des Instituts für Banking and Finance an der Universität Zürich. Deshalb könne kein Investor wissen, ob die Kurse weiter steigen oder vielleicht doch wieder fallen werden.

US-Notenbank kurbelt Wirtschaft an

Was Anleger bedenken sollten: Motor der jüngsten Kursrallye sind eher schwache Wirtschaftsdaten aus den Vereinigten Staaten. "Die Konjunkturentwicklung in den USA ist nicht so stark, wie noch vor einigen Monaten angenommen", sagt Michael Beck, Leiter Portfolio Management bei der Privatbank Ellwanger & Geiger.

Deshalb will die US-Notenbank vorerst weiter im großen Stil amerikanische Staatsanleihen aufkaufen, um deren Rendite niedrig zu halten und so die Wirtschaft weiter anzukurbeln.

Niedrige Renditen bei Staatsanleihen drücken die Zinsen und erleichtern Unternehmen damit Investitionen - und sie treiben viele Profiinvestoren in die Aktienmärkte, wo sie sich kurzfristig höhere Erträge versprechen.

Allerdings können derartige Rallyes auch schnell wieder vorbei sein, wenn Spekulanten ihre Aktien wieder abstoßen, um Gewinne mitzunehmen.

Experten der Deutschen Bank vermuten, dass dies ziemlich bald geschehen wird und der Dax bis zum Jahresende wieder auf 8400 Punkte fallen könnte.

Aktien oder Indexfonds?

Zudem haben nicht alle Unternehmen, deren Börsenkurse zuletzt gestiegen sind, ihre Gewinne auch steigern können. "Aktien von Telekommunikationsunternehmen haben in den vergangenen Monaten zwar kräftig zugelegt", sagt Gabriel Bartholdi, Stratege der Sarasin Bank.

Die Gesellschaften hätten jedoch weltweit mit sinkenden Erträgen zu kämpfen. "Sie müssen Milliardenbeträge für den Ausbau neuer Netztechnologien aufwenden, können aber wegen des starken Wettbewerbs und den Preisvorgaben der Regulierungsbehörden die Kosten nicht auf die Kunden überwälzen", sagt Bartholdi.

Das bedeutet jedoch nicht, dass Anleger auf Aktien verzichten sollten, ist Hens überzeugt. "Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Aktien in den vergangenen 180 Jahren eine jährliche Rendite von durchschnittlich sieben Prozent abgeworfen haben" - und damit langfristig deutlich höhere Erträge erbrachten als Anleihen.

Richtige Strategie wichtig

Entscheidend für den Erfolg an der Börse sei die richtige Strategie. Beim Kauf einzelner Titel drohten immer Verluste durch Fehlgriffe, so Hens.

Gerade für Anleger, die, wie Ärzte, im Beruf stark gefordert sind und wenig Zeit für die Marktanalyse haben, seien deshalb börsengehandelte Indexfonds die bessere Wahl.

Diese sogenannten ETFs bilden passiv einen Index nach. Ihre Kurse steigen und fallen mit dem Marktbarometer. Weil sie nicht aktiv gemanagt werden, fallen nur minimale Gebühren an.

Um Risiken zu minimieren und die Renditechancen zu erhöhen, könne das Kapital über verschiedene Aktien- und Anleihe-ETFs global gestreut werden. "Das ist zwar langweilig, aber langfristig erfolgreich", sagt Hens.

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