Ärzte Zeitung online, 21.11.2013

Geldanlage

Koalitionspläne belasten Windenergie-Branche

Versorgertitel profitieren von der geplanten Kappung der Förderung erneuerbarer Energie. Die angepeilte Große Koalition bringt jedoch Aktien von Windkraftanlagenbauern unter Druck.

Von Richard Haimann

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Der Ausbau von Windkraft auf hoher See soll zurückgefahren werden, so die Pläne von Union und SPD.

© elaxed.com / fotolia.com

NEU-ISENBURG. Die Große Koalition mischt die Karten bei der Energieversorgung neu. Der Ausbau der Windenergie soll reduziert werden. Analysten sind geteilter Meinung, ob davon die Aktien der großen Stromversorger mit ihren Kohlekraftwerken profitieren werden.

Die für 20 Jahre garantierte Einspeisevergütung für erneuerbare Energie aus Solar- und Windkraft hat die Strompreise in Deutschland deutlich in die Höhe getrieben. Um die Belastung für Privathaushalte und Wirtschaft in Grenzen zu halten, hatte die schwarz-gelbe Koalition bereits vergangenes Jahr die Förderung für die Solarenergie reduziert.

Jetzt sind die neuen Koalitionspartner Union und SPD übereingekommen, auch die Förderung der Windenergie zu kürzen. Für Anlagen an Land soll die garantierte Einspeisevergütung reduziert, der Ausbau von Windkraftanlagen auf hoher See deutlich zurückgefahren werden.

"Offenbar versucht sich die Große Koalition ein wenig aus der Energiewende zu verabschieden", sagt Aktienstratege Robert Halver von der Baader Bank.

Künftig weniger Windkraftanlagen

Für die Windenergieanlagenhersteller bedeutet dies, dass sie in den kommenden Jahren in Deutschland deutlich weniger Windräder als bislang erwartet verkaufen können. Das hat ihre Aktien vergangene Woche auf Talfahrt geschickt.

Das Papier des Rostocker Herstellers Nordex allein verlor in der Spitze mehr als 22 Prozent. Die Notierung von PNE Wind fiel um mehr als 14 Prozent. Die Aktie des dänischen Weltmarktführers Vestas gab um mehr als vier Prozent nach.

Analysten fürchten, dass die Kurse noch weiter sinken könnten. 2012 hatte die Kappung der Solarförderung die Aktienkurse der Hersteller von Photovoltaikanlagen monatelang fallen lassen. Aktuell stufen die meisten Beobachter die Papiere der Windanlagenbauer nur noch mit Halten oder Reduzieren ein.

Commerzbank-Analyst Sebastian Growe sieht bei der Nordex-Aktie das Kursziel bei neun Euro - fast 20 Prozent unter dem gegenwärtigen Kurs. Die Vestas-Aktie stuft Growe mit Reduzieren ein: "Die aktuelle Dynamik in der Margenentwicklung wird nicht anhalten können."

E.ON und RWE legen wieder zu

Hingegen konnten die Papiere der konventionellen Energieerzeuger E.ON und RWE seit September um mehr als 20 Prozent zulegen. Die Wende in der Energiewende macht einigen Investoren Hoffnung, dass die beiden Großkonzerne in den kommenden Jahren höhere Gewinne als bislang erwartet erzielen werden.

"Union und SPD haben klar kommuniziert, dass in Deutschland weiter auf Kohle und konventionelle Energie gesetzt wird", sagt Stratege Halver.

Beide Versorger erzeugen den Großteil ihres Stroms mit Kohlekraftwerken. Eine Kappung der Windenergieförderung könnte deren Auslastung länger sichern und beiden Unternehmen damit zu höheren Erträgen als bislang erwartet verhelfen.

Wegen der Energiewende und des Ausstiegs aus der Kernenergie waren Gewinne und Aktienkurse beider Gesellschaften in den vergangenen Jahren gesunken. RWE kündigte bereits an, die Dividende für 2013 auf einen Euro je Aktie zu halbieren. Commerzbank-Analysten erwarten in einer neuen Studie, dass auch E.ON die Ausschüttung reduzieren wird.

Analysten sind allerdings geteilter Meinung, ob die Aktien der beiden großen deutschen Versorger derzeit ein gutes Investment sind. Die Schweizer UBS und die US-Bank Citigroup raten Anlegern, die Papiere zu verkaufen.

"Auch unter der neuen Bundesregierung wird sich grundsätzlich nichts an den trüben Gewinnperspektiven für das Geschäft mit der konventionellen Stromerzeugung ändern", meint UBS-Experte Patrick Hummel. Anders sieht das Deborah Wilkens von der US-Bank Goldman Sachs.

Sie hat beide Aktien mit Kaufen eingestuft. Durch die wieder anziehende Konjunktur werde der Energiebedarf wachsen. "Die Börsenpreise für Strom werden wegen knapperer Strommärkte steigen", sagt die Analystin. Dies werde E.ON und RWE wieder höhere Gewinne bescheren.

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