Ärzte Zeitung App, 20.01.2014

Vermögensverwaltung

Schlechtes Zeugnis für die Profis

Sind professionelle Vermögensverwalter noch eine Alternative, wenn es für wohlhabende Ärzte darum geht, die Schäfchen im Trockenen zu halten? Eine neue Marktstudie kratzt gewaltig am Nimbus der Branche.

Von Matthias Wallenfels

Schlechtes Zeugnis für die Profis

Wie kann der Geldbaum des Kunden wachsen? Hier hat jeder Vermögensverwalter eigene Ansichten.

© Fotomek / fotolia.com

NEU-ISENBURG. Ärzte sind meist über die Zeit in der Praxis auch noch nach Feierabend mit beruflichen Belangen befasst.

Sei es, um Gutachten zu verfassen oder um sich um die zukünftige Praxisstrategie Gedanken zu machen. Da bleibt in der Regel wenig Zeit, sich um den Auf- und Ausbau des privaten Vermögens zu kümmern.

Gerade in Zeiten der seit Jahren andauernden globalen Finanzkrise wird es immer schwieriger, den Marktüberblick zu behalten, Chancen und Risiken am Anlagemarkt wahrzunehmen.

Was liegt da näher, als die Vermögensoptimierung in die Hände von Profis zu legen, von Vermögensverwaltern?

Beratung von der Stange

Doch die Individualität in der Anlageberatung sei auf dem Rückzug. Privatbanken offerierten verstärkt standardisierte Vermögensverwaltungsprodukte - auch wohlhabenden Privatpersonen mit einstelligen Millionenvermögen. Dabei genügten die Vermögensverwaltungsprodukte oft nicht den Wünschen des Kunden.

Das zumindest ist das Fazit der Analyse "TOPs 2014, Europaliga der Vermögensmanager / Vermögensmanagement im Test".

Der Verlag Fuchs Briefe hat nach eigenen Angaben zusammen mit dem Institut für Qualitätssicherung und Prüfung von Finanzdienstleistungen GmbH (IGF) und dem Risikoanalysespezialisten Quanvest 100 Vermögensverwaltungsdienstleister in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Luxemburg und Liechtenstein unter die Lupe genommen.

Die scharfen Regulierungsvorschriften für die Branche, die dem Ziel des Verbraucherschutzes dienen sollten, hätten in Teilen des Marktes geradezu kuriose Folgen: Beratung müsse in Form und Inhalt zunächst der Finanzaufsicht genügen.

Ob sie zum Kunden passe, habe einen nachgeordneten Stellenwert, konstatieren die Autoren der Analyse als zentrale Ergebnisse der diesjährigen Marktstudie.

"In vielen Banken hat der Sachbearbeiter den Anlageberater abgelöst. Kunden kommen sich vor wie auf dem Einwohnermeldeamt", kommentiert Fuchsbriefe-Chefredakteur Ralf Vielhaber die Entwicklung.

IQF-Geschäftsführer Dr. Richter ergänzt: "Die Beratung Vermögender lässt sich nicht mit dem Anlagegeschäft in der Zweigstelle vergleichen. Viele staatliche Regulierungsanforderungen sind für das Private Banking kontraproduktiv. Sie gehen zulasten der Beratungsqualität. Hier gibt es Korrekturbedarf."

Innovationen gibt es nur vereinzelt

"Obwohl das aktive Portfolio-Management kaum reguliert ist, sahen wir wenig Innovation in der Produktauswahl. Die Häuser verweisen häufig auf Niedrigstverzinsung und ‚financial repression', so als würde dies genügen, die schlechte Portfoliorendite vorab zu rechtfertigen.

Die meisten Berater unternehmen keinen Versuch ihre Portfolios auf neue Situationen an den Kapitalmärkten zu optimieren", bemerkt Christian Libor, Gründer und Geschäftsführer von Quanvest.

Auch in Österreich und der Schweiz - weniger in Luxemburg und Liechtenstein - gibt es nach Erkenntnissen der Marktstudie ähnliche Tendenzen, allerdings nicht so ausgeprägt wie am deutschen Markt.

Vor allem mittelgroße Banken und ganzheitlich orientierte Vermögensverwalter lieferten noch hochwertige und individuelle Beratung.

Auffällig sei der deutliche Qualitätszuwachs bei den Private-Banking-Zentralinstituten des Genossenschafts- und Sparkassensektors und das hohe Beratungsniveau einiger Landesbanken. Dies dürfe aber nicht automatisch auf den Genossenschafts- und Sparkassensektor insgesamt übertragen werden, heißt es.

Als Folge fielen deutsche Anbieter im Qualitätsranking der Private-Banking-Prüfinstanz zurück. Unter den Top 20, der "Europaliga", sind laut Studienautoren insgesamt nur sechs deutsche Anbieter, davon nur eine Privatbank.

TOPs 2014 - Die Europaliga der Vermögensmanager; 108 S.; 2013; Verlag Fuchsbriefe; ISBN 978-3-943124-30-9; 94 €

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

ALS ist mit Demenz eng verwandt

Stephen Hawking ist wohl der berühmteste Patient, der an Amyotropher Lateralsklerose leidet.Forscher haben nun herausgefunden, dass ALS und temporale Demenz eng verwandte Krankheitsbilder sind. Das könnte Einfluss auf das Diagnoseverfahren haben. mehr »

Innovationsfonds startet in die Versorgungsrealität

Der Innovationsfonds ist offiziell in die Umsetzungsphase gestartet. Die 300 Millionen Euro für das Jahr 2016 teilen sich 91 Versorgungs- und Forschungsprojekte. mehr »

Sind Computer bald die besseren Psychotherapeuten?

Immer mehr Online-Psychotherapien drängen auf den Markt. Die meisten sind weder besonders einfühlsam noch allzu intelligent. Dennoch sind die Erfolge erstaunlich. mehr »