Ärzte Zeitung, 23.06.2014

Schwarzes Gold

Krisen und Konjunktur treiben Ölpreise

Die Offensive der radikalen Islamisten im Irak lässt den Ölpreis in die Höhe schießen und die Börsenkurse von Branchenaktien steigen. Doch auch unabhängig von den Konflikten im Mittleren Osten sehen Analysten viel Potenzial bei den Aktien der Fördergesellschaften.

Von Richard Haimann

Krisen und Konjunktur treiben Ölpreise

Wertvolle Tropfen: Besonders zur Ferienzeit steigt weltweit die Nachfrage nach Benzin.

© beermedia/fotoloia.com

NEU-ISENBURG. Bereits seit Jahresbeginn hat der Preis des schwarzen Goldes langsam, aber stetig zugelegt. Kostete ein 159-Liter-Fass der wegen ihres geringen Schwefelgehalts besonders begehrten Sorte "West Texas Intermediate" (WTI) im Januar nur 92,50 US-Dollar, waren es Anfang Mai bereits 100 Dollar.

Nach dem Beginn des schnellen Vormarsches der radikalen Islamisten-Gruppe ISIS im Ölförderstaat Irak stieg der Kurs sogar auf über 106 Dollar.

Kurzfristig könnte der Ölpreis sogar steil in die Höhe schießen und Fördergesellschaften hohe Gewinne bescheren, meint Ole Hansen, Rohstoffstratege bei der Saxo Bank. Denn der Irak sei der zweitgrößte Förderstaat innerhalb der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC).

"Sollte der Krieg die Ölquellen im Süden des Landes erfassen, könnte die irakische Produktion von 3,3 Millionen Fässern pro Tag ausfallen." Dabei beginne nun mit der Sommerurlaubssaison in Europa und Nordamerika die Jahreszeit, in der Benzin und Diesel am stärksten begehrt sind.

"In dieser Phase übersteigt die Nachfrage das Angebot", sagt Hansen.

Zugpferd USA

Auch langfristig erwarten Analysten und Ökonomen, dass der Ölpreis weiter zulegen wird - auch dann, wenn die jüngsten militärischen Auseinandersetzungen im Mittleren Osten wieder beigelegt sind.

"Die Gewinne der Branchenkonzerne dürften dieses Jahr im Schnitt um vier Prozent und 2015 um neun Prozent steigen", sagt Alastair Syme, Analyst der US-Bank Citigroup. Der Grund: Die Weltkonjunktur erholt sich zunehmend. Das treibt den Energiebedarf und damit eben auch die Nachfrage nach Öl.

Der Internationale Währungsfonds kommt in einer neuen Studie zu dem Schluss, dass die US-Wirtschaft, Motor der globalen Konjunktur, in diesem Jahr um zwei Prozent und 2015 um drei Prozent wachsen wird.

Etliche Ökonomen rechnen mit noch höheren Zahlen: "Das Bruttoinlandsprodukt in den USA dürfte dieses Jahr eher um 2,5 Prozent zulegen", sagt Folker Hellmeyer, Chefvolkswirt der Bremer Landesbank.

Vor allem BP wird profitieren

Wie stark die Wirtschaft rund um den Globus sechs Jahre nach Beginn der Finanzkrise wieder expandiert, zeigen die jüngsten Zahlen zum Automobilabsatz. In Europa konnten die Hersteller im Mai 4,3 Prozent mehr Neuwagen verkaufen als im Vorjahresmonat. In den USA waren es elf Prozent, in China sogar 16 Prozent.

Von einem dauerhaften Anstieg des Ölpreises werde insbesondere British Petroleum (BP) profitieren, weil sich dann die jüngsten Investitionen in die Erschließung neuer Förderquellen rasch rentieren werden, meint Fred Lucas, Analyst bei der US-Investmentbank JP Morgan.

"Der Aktienkurs von BP ist stärker als der anderer Branchenwerte vom Ölpreis abhängig." Auch Deutsche-Bank-Analyst Mark Bloomfield rät zum Kauf der BP-Aktie und ebenso zum Papier des französischen Förderkonzerns Total.

"Beide Aktien bieten Potenzial, weil diese Gesellschaften ihre Projektplanung besonders genau einhalten und dadurch höhere Erträge generieren können."

Zudem seien die Dividendenrenditen mit aktuell rund 4,85 Prozent bei BP und 4,74 Prozent bei Total deutlich höher als bei US-Konzernen wie Chevron mit nur 3,4 Prozent oder bei dem norwegischen Wettbewerber Statoil mit 3,8 Prozent.

Risiken in Libyen

Alejandro Demichels von der französischen Investmentbank Exane BNP Paribas rät Dividendenjägern, zur Eni-Aktie zu greifen. Der italienische Öl- und Gaskonzern bietet mit 5,8 Prozent die höchste Dividendenrendite aller Branchentitel.

Doch Vorsicht: Viele Analysten bezweifeln derzeit, dass der Kurs der Eni-Aktie in nächster Zeit stark zulegen könnte, weil die anhaltenden Konflikte in Libyen die dortigen Förderquellen der Italiener gefährden.

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