Ärzte Zeitung, 28.07.2014

Null-Prozent-Diät

Nicht alle Sparer müssen hungern

Manche große Sparkasse zahlt ihren Kunden fürs Sparbuch nur noch 0,01 Prozent an Zinsen. Wer 10.000 Euro anlegt, bekommt im Jahr so einen Euro gutgeschrieben. Doch zu dieser Null-Prozent-Diät gibt es Alternativen.

Von Jürgen Lutz

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Bringt manchmal nicht mehr als ein Sparstrumpf.

© Stephan Persch / dpa

FRANKFURT/MAIN. Nach der jüngsten Zinssenkung der Europäischen Zentralbank haben einige große Sparkassen die Zinsen auf absolutes Tiefstniveau gesenkt. Die Stadtsparkassen München, Mainz und Osnabrück haben den Zinssatz fürs Sparbuch etwa auf 0,05 Prozent minimiert.

"Noch mehr Chuzpe bewies die Stadtsparkasse Augsburg, die mikroskopische 0,01 Prozent gutschreibt", sagt Max Herbst von der unabhängigen FMH-Finanzberatung. Das entspricht einem Zinsertrag von einem Euro für ein ganzes Jahr, wenn 10.000 Euro auf dem Sparbuch liegen.

Während etliche Sparkassen bei den Anlagezinsen das untere Ende der Fahnenstange ausloten, kassieren sie bei den Kreditzinsen munter ab. So verlangen die Augsburger für den Dispokredit 10,5 Prozent. In Osnabrück will man 11,5 Prozent, und in Mainz bittet man sogar mit einem Zinssatz von 12,42 Prozent zur Kasse.

Damit bewegen sie sich klar über dem Referenzwert - nach Herbsts Berechnungen liegt die Differenz zwischen Sparbuchzinsen und Dispozinsen im repräsentativen FMH-Index bei 9,8 Prozentpunkten.

Bei den genannten Sparkassen bewegt sich diese Differenz zwischen 10,5 und 12 Prozentpunkten - die Differenz zum Index ist damit ihr im Marktvergleich höherer Verdienst.

Einseitiges Lamento

Die obigen Beispiele sind keine Einzelfälle, da viele Sparkassen ähnliche Zinssätze haben. Das Lamento des Sparkassenverbands, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die Sparer enteigne, ist somit nur ein Teil der Wahrheit.

Dass die Sparer und Kreditnehmer auf keinen grünen Zweig mehr kommen, liegt nicht nur an den geringen Zinsen, sondern auch an den Sparkassen mit ihrem Wunsch nach möglichst hohem Gewinn.

Ähnlich ergeht es den Lebensversicherungen: Nach einer aktuellen Studie der Allianz sind die Lebensversicherungsvermögen seit 2008 um elf Prozent gesunken, auch weil Garantiezinsen und Überschussbeteiligungen zurückgegangen sind.

Zwar wachsen die Zinsbäume schon lange nicht mehr in den Himmel, doch muss sich niemand mit mikroskopischen Zinsen begnügen. Wer Wert auf ein Sparbuch legt, dem wird von der Merkur Bank ein Zinssatz von 1,3 Prozent geboten; die GEFA Bank zahlt genau ein Prozent und der Versicherer CosmosDirekt 0,8 Prozent.

Mit guten Tagesgeldkonten erzielen Sparer 1 bis 1,2 Prozent im Jahr. Und dreimonatige Festgelder - so lang ist die Kündigungsfrist für ein Sparbuch - bringen bis zu 1,3 Prozent.

Wenige Kunden wechseln

Wer ein Tagesgeldkonto mit einem Drei-Monats-Festgeldkonto hälftig kombiniert, kommt bei einer Anlage von 50.000 Euro im Jahr auf 625 Euro Zinsen - statt auf 25 oder 5 Euro wie bei den erstgenannten Angeboten. Aber die auch 1,25 Prozent Zinsen, die dem zugrunde liegen, sind kaum höher als die Inflationsrate.

Schon seit einiger Zeit tun sich Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken mit sehr niedrigen Zinsen von 0,15 bis 0,4 Prozent hervor. Umso unverständlicher ist, wie wenige Kunden den Anbieter wechseln.

"Vielleicht liegt die Zurückhaltung daran, dass die meisten Sparer glauben, sie müssten gleich alle Geldgeschäfte über die neu gewählte Bank erledigen - also auch das Girokonto wechseln, was ja einen gewissen Aufwand darstellt. Das ist jedoch nicht der Fall", sagt Max Herbst. Vielmehr reiche es aus, zunächst bei einer anderen Bank ein Tages- oder Festgeldkonto zu eröffnen.

Für den Antrag und die Identifizierung bei der nächsten Postfiliale benötigt man etwa eine Stunde, was bei jährlichen Mehrerträgen von 200 Euro und mehr einen Stundensatz ergibt, den wohl auch nur wenige Ärzte erreichen.

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